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Nettetal
Kunstvoll Familiengeschichte und Politik miteinander verwoben

Nettetal. Der Schriftsteller Massum Faryar stellte seinen ersten Roman "Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter" in der Stadtbücherei Breyell vor. Von Angela Wilms-Adrians

Mit Mitte 20 empfand Massum Faryar die deutsche Sprache als wilde Löwin. Doch der gebürtige Afghane hat diese Löwin offensichtlich gezähmt, wie seine Lesung während der Nettetaler Literaturtage in der Stadtbücherei Breyell bewies. Denn seinen ersten Roman "Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter" schrieb Faryar in Deutsch, und doch fing er die charakteristisch bildreiche Sprache seines Heimatlandes ein.

Ulrich Schmitter lobte das Buch als "bildreiches Epos", das sich wunderbar lesen lasse. Der Roman beginnt mit einer Reise in die Vergangenheit und erzählt von Schaer, der während der sowjetischen Besatzung floh und 2008 zurückkehrt, um die demente Mutter zu besuchen. Während Schaer versucht, ihre Erinnerungen zu retten, erfährt er die Familiengeschichte, die eng mit der Geschichte des Landes verbunden ist. Als Faryar von der Figur Schaer berichtete, stellte er klar: "Das bin nicht ich". Denn auch Faryar wurde in Afghanistan geboren und kam in den 80er Jahren nach Deutschland. In München studierte er Germanistik und Politikwissenschaft, an der Freien Universität Berlin wurde er promoviert. Dem Studium war vermutlich die Einführung geschuldet, in der der Autor den Aufbau mit Rahmenhandlung, sieben Kapiteln sowie den zwei Ebenen mit einer fiktionalen Handlung und einer Aufbereitung der politischen Geschichte Afghanistans vorstellte. Ursprünglich habe der Roman über 1.000 Seiten gehabt, dann sei er lektoriert und gekürzt worden - leider auch um Stellen, die ihm besonders am Herzen gelegen hätten, bedauerte er. Der Lesung stellte er eine Erläuterung zum Titel voran. Buskaschi sei ein afghanischer Nationalsport, "ein harter, brutaler Kampf", in dem Reiter um eine geschlachtete Ziege kämpfen. Dieses Spiel werde ausführlich geschildert, Buskaschi sei aber auch im Gleichnis um die geschändete Ziege die Zentralmetapher des politischen Themas, erfuhren die Zuhörer. Faryar las zunächst einen Ausschnitt über einen Besuch im Frauenbad. Für den jungen Helden wird dieses Frauenbad zum verlorenen Paradies, nachdem er mit Entzücken die weiblichen Reize für sich entdeckt hat. Das Frauenbad sei eine Allegorie für die "Vergangenheit des Landes als zerstörtes Paradies" so der Autor. Der Erzählstil hierzu war sehr plastisch und von einem feinen Humor gekennzeichnet.

Was die Zukunft Afghanistans betrifft, zeigte sich Massum Faryar sehr pessimistisch: "Es gibt kein Volk, das traumatisierter ist als das in Afghanistan. Dieses Land können Sie vergessen".

Quelle: RP
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