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Nettetal
Landschaftshof bereitet sich auf Weidentage vor

Nettetal. Auch Staatssekretär Heinrich Bottermann nahm gestern die Motorsäge in die Hand, um Kopfweiden zu pflegen Von Emily Senf

Der erste Ast prallt gegen den Baum nebenan, der zweite klatscht auf den Boden, dann fallen immer mehr. Auf einer Wiese hinter dem Landschaftshof Baerlo in Leutherheide hat Heinrich Bottermann gestern die Motorsäge in die Hand genommen und der Arbeitsgemeinschaft (AG) Biotopschutz im Kreis Viersen bei der Kopfweidenpflege geholfen. Der Staatssekretär war zwar eigentlich nur Vertretung. NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking hatte wegen einer Erkältung absagen müssen. Doch der 62-Jährige zeigte sichtlich Spaß an seiner Aufgabe - und Erfahrung. "Als Kind des Niederrheins kenne ich Kopfweiden gut", sagte er. Bottermann wurde in Neukirchen-Vluyn geboren, auf seinem Hof in Hamminkeln-Brünen übte er den Umgang mit der Kettensäge.

Dass jeder NRW-Umweltminister in seiner Amtszeit zur Kopfweidenpflege auf dem Landschaftshof vorbeischaut, ist Tradition. Als Erster griff Klaus Matthiesen im Jahr 1990 zur Motorsäge, 2002 folgte Bärbel Höhn, dann Eckhard Uhlenberg (2008) und Johannes Remmel (2013). Letzterer, der im Jahr vor seinem Besuch den Motorsägen-Führerschein für den privaten Gebrauch erlangt hatte, wurde nun von Bottermann übertroffen. "1a", urteilte Josef Pohl, Mitglied der AG, über die Arbeit des Staatssekretärs. "Man hat gemerkt, dass er richtig Lust darauf hat."

In Schutzkleidung und mit einem leuchtend orangefarbenen Helm stand der Staatssekretär bequem auf Schneidehöhe: Der Verein hat vor 25 Jahren eine Podestleiter entwickelt und patentieren lassen, um größere Kopfweiden zu erreichen und die Unfallgefahr durch herabfallende Äste zu minimieren. Wegen Sicherheitsrichtlinien dürfe man zum Schneiden nicht einfach eine Leiter an eine Weide anlehnen, erklärte AG-Vorsitzender Bernd Rosenkranz. Der Breyeller Verein sei der erste in Nordrhein-Westfalen gewesen, der mit der Pflege von Kopfweiden begonnen habe. Im Winter 1969/70 sei das gewesen.

Am Niederrhein prägt die Kopfweide die Landschaft. Früher wurde sie gepflanzt, um beispielsweise Grundstücksgrenzen zu markieren und Ufer vor Ausspülungen zu sichern. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaften helfen mit ihrem Engagement dabei, die Weiden und die Flechtkunst zu erhalten.

Für heute und morgen sind Interessierte eingeladen, zur jährlichen niederrheinischen Weidenbörse auf dem Landschaftshof vorbeizuschauen. Dort erfahren sie Näheres über die Geschichte und Besonderheiten Bäume, können einem Korbflechter über die Schulter sehen und Holz kaufen.

Für die Besucher gestern ging es nach getaner Arbeit mit dem Planwagen zurück zum Landschaftshof: zu Grünkohl und Gulasch.

Quelle: RP
 
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