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Nettetal
Lebenszeichen auf dem Friedhof

Nettetal: Lebenszeichen auf dem Friedhof
Ein markantes Kreuz wacht seit den 1960er-Jahren über der Priestergrabstätte. Laut Ewald Meier wurde das vorherige Kreuz abgebrochen, weil es nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach. 14 Kirchenmänner liegen hier begraben, darunter Heinrich Krins, Johannes Torka (gestorben 2007) und der 1981 gestorbene Dechant Peter Werth. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die Gräber auf dem Friedhof erzählen von der glanzvollen Geschichte Lobberichs — und von beeindruckenden Persönlichkeiten Von Daniela Buschkamp

Wohl kein Schmerz ist tiefer als der Tod des eigenen Kindes. So war es auch für die Eltern von Maria Emilia Küppers aus dem Sassenfeld. Gerade mal sieben Wochen alt, starb das Baby an Krämpfen. Am 4. April 1849 fand es seine letzte Ruhestätte auf dem neuen Lobbericher Friedhof. Diese Beisetzung war die erste dort.

Gerade mal 2417 Menschen lebten damals in Lobberich. "Der alte katholische Friedhof war überfüllt", sagt Ewald Meier, Mitarbeiter des Grünflächenamtes und Friedhofskenner. Am 25. November 1845 hatte der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Johann Heinrich Kessels mit Mehrheit beschlossen, den Toten einen neuen Platz außerhalb des Ortes einzurichten. Dafür sollten gemeindeeigene Flächen an der Eremitage, am Ortstrand, genutzt werden. Keine Frage, dass auch Kessels sich auf seinem Friedhof beerdigen ließ. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn zehn Kinder, fünf Schwiegerkinder und 28 Enkel.

1847 bauten die örtlichen Mauermeister Matthias Meiner, Lambert Hommen und Arnold Oelenden die Friedhofsmauer. Auch wenn sie - wie die drei Kreuze anstelle einer Vertragsunterschrift zeigen - nicht lesen konnten: Mauern konnten sie. Teile der Friedhofsmauer stehen noch heute, etwa hinter den markanten Torhäuschen am Eingang Eremitenstraße.

Das Grab der kleinen Emilia Maria ist längst verschwunden.

Viele andere sollten folgen. Denn bereits 1876 wurde der Friedhof das erste Mal erweitert - um den Bereich von der Priestergrabstätte bis zum Kriegerdenkmal. 1903 ein weiteres Mal, bis zum Jahr 2004 wuchs die Fläche - einschließlich aller Nebenanlagen ist die Fläche 62.866 Quadratemeter groß.

Wer den Friedhof heute besucht, findet die Grabstätten von Persönlichkeiten, die das Leben in Lobberich seit Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt haben. Mächtige Mausoleen wie das der Familie Julius Niedieck stehen fort. Sie zeugen noch im Tode von dem Einfluss zu Lebzeiten. Bescheiden nehmen sich dagegen die letzten Ruhestätten von der Soziologin Hanna Meuter oder von Rokal-Gründer Robert Kahrmann und seiner Familie aus. Meuter, am 6. April 1964 in Lobberich gestorben, hat sich als Soziologin einen Namen gemacht: Sie wurde als eine der ersten Frauen im Fach Soziologie promoviert, ihr Antrag auf Habilitation aber scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie als Dezernentin für Wohlfahrtspflege.

Oft war es der Zufall, der Lobberichs wirtschaftlichen Aufstieg förderte: Etwa beim aus Westfalen stammenden Julius Niedieck, der eine Lehre bei der Firma J.L. de Ball Stücksamt und Samtband begann, und später mit der 1850 gegründeten Firma "Mommr & Niedieck Sammet und Semmetbandfabrik" zu einem der einflussreichsten Textilbarone wurde. "Als einer der wenigen war er katholisch", erzählt Ewald Meier. 1880 hatte die Firma, in der auch Julius' Bruder Carl mitarbeitete, 2000 Mitarbeiter. Von ihrem Einfluss - und dem unterschiedlichen Charakter der beiden Brüder - zeugen auch ihre Gräber: Kommerzienrat Julius Niedieck ließ 1891 einen Privatfriedhof anlegen, setzte sich und seinen Nachkommen mit einem Mausoleum ein Denkmal; 1954 wurde die Fläche der Stadt geschenkt. Sein Bruder Carl wählte eine bescheidenere Grabstätte.

1922 verstarb 86-jährig Geheimrat Hermann Johannes Peter von der Upwich: Eine große Grabstätte erinnert an die Familie. Der Niederländer, der mit 15 Jahren nach Lobberich gekommen war, hatte 1861 die Textilfirma J.L. de Ball übernommen und sie zu einem international bedeutenden Unternehmen aufgebaut.

Der Name Bongartz ist eng mit der Stadtgeschichte verknüpft. Ihr soziales Engagement wirkt bis heute: Durch die Stiftung der Familie kann noch heute ein Kindergarten betrieben werden. Die Stiftung wurde ins Leben gerufene, nach dem die drei Bongartz-Geschwister Johannes Heinrich, Maria Gertrud und Maria Agnes kinderlos verstorben waren. Sie sind in einem markanten Grab mit der Inschrift "Kommet zu mir" bestattet.

Quelle: RP
 
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