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Nettetal
Letztes Treffen der Tolkemiter

Nettetal. Altersbedingt wird die Tradition eingestellt. Am 7. August wird das letzte Mal sein

"In diesem Jahr bin ich 70 Jahre hier", sagt Bruno Hohendorf. Hier - damit meint er Lobberich. Denn Hohendorf gehört zu den 600 Bewohnern von Tolkemit, die 1946 nach ihrer Ausweisung aus ihrer westpreußischen Heimat an den Niederrhein kamen. Die ersten Nächte verbrachte er im Saal Dammer "vor der Bühne". Seit vielen Jahren kommen die Tolkemiter jährlich zusammen, gedenken und tauschen sich aus. In diesem Jahr wird es jedoch das letzte Treffen geben. Für die noch lebenden Tolkemiter, die in Deutschland verstreut wohnen, ist die Anreise mittlerweile altersbedingt zu beschwerlich. Deshalb wird am Sonntag, 7. August, das 42. und letzte Treffen der Tolkemiter in Nettetal stattfinden.

"Es ist ganz furchtbar, dass es letzte Treffen dieser Art ist", sagt die Tolkemiterin Magdalena Friedrichs, geborene Gande, (Telefon 02153 5398) die nach Lobberich kam und Kurt Friedrichs heiratete und schon Goldhochzeit feiern konnte. Sie ist Organisatorin der letzten Veranstaltung. "Viele sind gestorben und die wenigen, die verstreut in Deutschland wohnen, nehmen die Strapazen einer Reise nicht mehr auf sich." Zuletzt hatten sich die Lobbericherin Hellma Schmitz, geborene Quietsch, (Lobberich) und Maria Engels, geborene Bendrin, aus Kaldenkirchen um das jährliche Treffen gekümmert, beide sind inzwischen gestorben.

Das erste Treffen fand vor 42 Jahren in Hamburg statt, später gab es die "Schlabbertreffen" (schlabbern = quatschen, Anm. der Red.) in Bad Oeynhausen, Winsen an der Luhe und Pattensen. In den vergangenen 15 Jahren kamen die Tolkemiter nach Kaldenkirchen. Maria Engels fand offene Ohren beim Bürgerverein und der Stadt, so dass am 10. August 2002 bei dem Treffen der Tolkemiter ein Straßenschild sowie eine Gedenktafel mit Anker enthüllt wurde. Damals wurde daran erinnert, dass im Februar 1945 die Bewohner von Tolkemit aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Alle 4000 Einwohner verloren ihr Zuhause. 600 Tolkemiter kamen an den Niederrhein. Symbolisch für die Schifffahrtstradition von Tolkemit wurde ein Anker beschafft. Er ist mit einem Findling in der kleinen Grünanlage aufgestellt worden.

Zum letzten großen Treffen am 7. August lädt Friedrichs die verbliebenen Tolkemiter ein, gemeinsam um 9.30 Uhr den Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Clemens zu feiern. Anschließend geht es zum Gedenken der Verstorbenen am Tolkemiter Gedenkstein an der Tolkemiter Straße sowie danach zum Treffen mit Kaffeetafel "und Schlabbern" im Lokal " Zur Mühle".

Die Zusammenkünfte der Tolkemiter sollen aber nicht gänzlich eingestellt werden. Alle zwei Monate treffen sich noch sieben Frauen aus Tolkemit im Café Seeger in Lobberich. Und das soll auch so bleiben.

(hws)
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