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Nettetal
Literaturtage: Autorin beschreibt Flucht

Nettetal. "Wenn du hinter dem Zaun bist, musst du rennen, einfach nur rennen, denn etwas anderes kannst du nicht mehr tun." Was Halil ihr über seine gefährliche Flucht nach Deutschland berichtete, hat Gabriele Lanser aufgeschrieben. Zusammen mit anderen Autoren hat die Hinsbeckerin Gedanken über Flucht, Vertreibung und Heimat für die beeindruckende Anthologie "Grenzenlos" in Worte gefasst. Lansers Lesung bildet den Auftakt des Frühjahrsprogramms der Nettetaler Literaturtage. Gemeinsam mit drei weiteren der 25 "Grenzenlos"-Autoren trägt Lanser am Freitag, 11. März, um 19.30 Uhr Texte in der Stadtbücherei vor. Von Joachim Burghardt

"Er sei durch den Stacheldraht gekrochen, mit all den anderen, und sei gelaufen und gelaufen", lässt Lanser Halil weiter erzählen. Die Erlebnisse von Flüchtlingen setzt sie in Beziehungen: zu ihren Empfindungen, den Erfahrungen von Heimatvertriebenen nach dem letzten Weltkrieg, Schlagzeilen. Sie beschreibt auch ihr Schreiben: "Ich nähere mich ohne Plan. Ich schreibe. Auf dem Tisch lauter Zettel."

Lanser und andere Autoren aus ganz Deutschland waren im ständigen Kontakt: "Auch wenn wir uns nicht kannten, tauschten wir uns aus über unsere Geschichten und Gedichte, das Buch sollte mehr sein als ein Sammelsurium, die Idee entstand aus politischen Diskussionen im Deutschen Schriftstellerforum", erklärt die 66-jährige pensionierte Lehrerin. Zumal die Anthologie ein Benefiz-Buch ist: Der Verkaufserlös geht an Ärzte ohne Grenzen und die Flüchtlingshilfe Nettetal.

Beim Schreiben sammelte sie "Fragment um Fragment", Textfetzen, fügte sie aneinander, ineinander. Hielt fest, was ihr durch Kopf und Herz ging bei Begegnungen mit minderjährigen Flüchtlingen in Lobberich, bei ihrem ehrenamtlichen Engagement, den Neubürgern Deutsch beizubringen.

Nach der Lesung aus "Grenzenlos" geht das Frühjahrsprogramm des Vereins Nettetaler Literaturtage am 6. April mit Linda Zervakis weiter. Die als Tagesschau-Sprecherin bekannte Autorin stellt ihr Buch "Königin der bunten Tüten. Geschichten aus dem Kiosk" vor. Salomea Genin liest am 21. April im Buchladen Kaldenkirchen aus ihrem Buch über eine jüdische Familie: "Gegen das Vergessen". Und "Iberische Hitze" ist der Titel seines Krimis, aus dem Ulrich Brandt am 3. Mai in der Lobbericher Buchhandlung Matussek liest.

Vielfältig also das Programm der Literaturtage, vielfältig auch die Geschichten und Gedichte in der Anthologie "Grenzenlos", vielfältig ebenso die Gedanken und Schreibstile allein in Gabriele Lansers Beitrag. Darin finden sich nicht nur harte, sondern auch zarte Worte. Etwa wenn sie schildert, wie "Jasmin und Sommerflieder wieder betörend üppig durchs Fenster wachsen".

Quelle: RP
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