| 15.37 Uhr

Nettetal
"Lobberich wurde uns zur Heimat"

Nettetal: "Lobberich wurde uns zur Heimat"
Für Pfarrerin Elke Langer (l.) war es die erste Gnadenkonfirmation. Dazu kamen Ingolf Schmidt, Christa Brech, Inge Klatt, Ruth Just (hinten, von links) sowie Christa Hensel, Gerda Brendges Und Hermann Süssenbecker (vorne v..l.). FOTO: prümen
Nettetal. Sieben Frauen und Männer aus der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck feierten gestern Gnadenkonfirmation. Hermann Süssenbecker hält die Beziehungen der "Konfi-Gruppe 48" aufrecht Von Manfred Meis

Sie stammt aus Pommern, hat ihre Jugend in Lobberich verlebt, hielt sich einige Jahre in Südafrika auf und wohnt heute in Mülheim an der Ruhr: Christa Brech, geborene Gäbel bekennt im Rückblick: "Lobberich wurde uns zur Heimat." Doch wieder dort leben, will die 85-Jährige vorerst nicht: "Ich habe solch' eine schöne große Wohnung." Am Palmsonntag besuchte sie aber Lobberich - zur Gnadenkonfirmation in der dortigen evangelischen Kirchengemeinde.

Eine derartige Feier hat Pfarrerin Elke Langer noch nicht erlebt. Bei einer Goldkonfirmation vor einiger Zeit waren noch zwei ehemalige Konfirmanden da. Aber dass nun sieben "auf eine bunte Lebenszeit mit Gott" zurückblicken, sei außergewöhnlich.

Dass die Feier zustande kam, ist der Beharrlichkeit von Hermann Süssenbecker zu verdanken, der immer noch eifrig die Kontakte unter den Frauen und Männern pflegt, die Pfarrer Paul-Wilhelm Schmidt 1948 im ehemaligen Betsaal an der heutigen Elisabethstraße konfirmierte. "20 bis 25 werden es damals wohl gewesen sein", erinnert er sich. Den guten Zusammenhalt erklärt er damit, dass in der Nachkriegszeit feste Freundschaften entstanden: "Wir kannten uns alle nicht und haben uns nach den Gottesdiensten zu Gesprächen auf der Straße getroffen."

Für Christa Brech war damals "die Kirche unser einziger Treffpunkt", zumal Evangelische im katholischen Rheinland nicht gerade enthusiastisch willkommen geheißen wurden. Aber sie lernte sich durchzusetzen - auch, als sie die Klosterschule in Mülhausen besuchte. Trotz "evangelisch und Flüchtling" hat sie das Abitur geschafft. Herzlich umarmt sie Christa Hensel, geborne Berndt, die aus dem gleichen Ort in Pommern stammt, später aber in Lobberich geblieben ist.

Christa Hensel und Ingolf Schmidt haben gemeinsam in Lobberich die Schulbank gedrückt. "Es war damals ganz schlecht", erzählt sie, denn für alle Kinder stand in dem Gebäude an der Jahnstraße (heute Steegerstraße) nur ein Raum zur Verfügung. "Aber wir haben es überstanden", meint der gebürtige Schlesier Schmidt, der heute in Krefeld lebt. Beiden fallen auf Anhieb noch die Namen ihrer Lehrer ein: Maria Schmitz, Otto Grudszus, Marianne Hoffmann. "Und Rektor Richard Hölscher", ergänzt Hermann Süssenbecker. Der gebürtige Breslauer war der Kirche auch beruflich verbunden: Nebenberuflich hatte er mit seiner Frau Marianne geborene Hochbruck die Küster- und Hausmeisterstelle, ab 1962 war er hauptamtlicher Jugendleiter, ehe er sozialpädagogische Aufgaben in Mönchengladbach und Krefeld annahm. Süssenbecker lobt Pfarrer Schmidt, der "uns alle mit offenen Herzen aufgenommen hat".

Zu diesen gehörte auch Inge Klatt geborene Kursawe, die ebenfalls aus Breslau stammt und zunächst auf dem Bauernhof Steeger in Hinsbeck-Oirlich unterkam. "Wir haben uns untereinander geholfen", erzählt die zeitweilige Küsterin der Gemeinde, die dadurch zahlreiche Kontakte zu anderen Familien aufbaute. Heute wird sie von ihrer Tochter umsorgt. Schon 1945 war Ruth Just, geborene Schwan in ihrer Heimat Sudentenland konfirmiert worden, ehe sie Ende 1948 nach Hinsbeck-Wevelinghoven kam. Dort wurden Evangelische manchmal schief angeschaut, "weil wir beim Tischgebet kein Kreuzzeichen machten", erinnert sie sich. Arbeit auf dem Bauernhof war damals mit Beköstigung verbunden, "wir hatten ja nichts". Als 13-jährige kam Gerda Brendges, geborene Bernotat, ganz allein 1953 zu einer Tante nach Hinsbeck, denn ihre Mutter war nach Sibirien verschleppt worden. Sie stammt aus Ostpreußen, hat einige Zeit beim Pastor Schmidt den Hauhalt geführt und bei Rokal/Pierburg gearbeitet, "weil ich ja Geld verdienen musste". Ihre drei Kinder sind ihr heute "eine große Hilfe".

Grüße gingen an die erkrankte Ilse Baumann, die viele Lobbericher als die gute Seele der Gemeinde/Stadtwerke kennen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nettetal: "Lobberich wurde uns zur Heimat"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.