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Nettetal
Luxus-Raststätte für Ente und Co.

Nettetal. Wald und Wasser: Die Krickenbecker Seen sind ein Paradies für Vögel, Enten und Fledermäuse. Sie laden ein zu Natur-Entdeckungen. Von Daniela Buschkamp

Ob "Alle Vögel sind schon da" das Lieblingslied von Dr. Ansgar Reichmann ist? Möglich wäre es. Denn zu den Aufgaben der "Biologischen Station Krickenbecker Seen" gehört die regelmäßige Inventur des Tierbestands. "Wir zählen im Abstand von zwei Wochen die Tiere; die Ergebnisse werden in Schaukästen und im Infozentrum der Biologischen Station dokumentiert", erläutert der Biologe. Der 55-Jährige leitet seit 13 Jahren die Biologische Station in Nettetal, sie ist die einzige im gesamten Kreis Viersen.

Eine Ausnahmestellung als Naturschutzgebiet nimmt sie aber ein wegen der zahlreichen Löffelenten, die dort brüten und leben. "Normal ist ein Bestand mit 75 Tieren. Bei uns sind es um die 400", sagt der promovierte Biologe. Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr: "Erstmals haben sich an den vier Krickenbecker See Kanada-Gänse eingefunden", sagt Reichmann. Über die Gründe kann er nur spekulieren.

Zu den Krickenbecker Seen gehören vier unterschiedliche Gewässer: der Hinsbecker Bruch (mit einer Wasserfläche von 37,5 Hektar), der nur 1,5 Hektar kleinere Glabbacher Bruch sowie die Seen Poelvenn (Wasserfläche: 24,5 Hektar) und der Schrolik, mit 15,5 Hektar der kleinste See. Inmitten der Seen liegt das Schloss Krickenbeck, das als Seminarhaus genutzt wird. Die Gewässer haben sich zu beliebten Brut- und Rastplätzen für zahlreiche Vogelarten entwickelt - viele davon sind bedroht oder stehen auf der "Roten Liste" der gefährdeten Tierarten. Neben der großen Löffelenten-Kolonie sind hier etwa Silberreiher, Saat- und Blessgänse anzutreffen. Zudem gibt es immer wieder gefiederte Gäste auf der Durchreise, weiß Ansgar Reichmann zu berichten: "Tiere aus dem Osten überwintern hier", nennt der Biologe ein Beispiel. Auch bei Fledermäusen, etwa Wasserfledermäusen, sei das Gebiet als Nistplatz beliebt. So würden sie etwa ehemalige Specht-Höhlen besiedeln.

Das Paradies für Vögel lockt Vogelbeobachter. Wie viel Geduld ist notwendig, um die Tiere zu erspähen? - "Ach, gar nicht viel", sagt Ansgar Reichmann mit einem Lachen. Auch eher ungeduldige Vogelfreunde könnten von einem der Aussichtsstegen, etwa am Hinsbecker Bruch, rasch Tiere ausmachen. Bei der Bestimmung helfen Infotafeln. Für die optimale Sicht seien Fernglas oder Spektiv praktisch. Ferngläser sind gegen Pfand im Infozentrum der Biologischen Station zu leihen. Alternativ bieten sich die unterschiedlichen Wanderwege mit einer Länge von drei bis zehn Kilometern für Entdeckungen an; darunter sind auch barrierefreien Varianten. Auskünfte dazu gibt es im Infozentrum.

Dort können die Besucher anhand der Dauerausstellung mehr über die Entstehung der Seen-Landschaft erfahren: Dargestellt wird deren Entwicklung von der Eiszeit bis zur Gegenwart. Denn die vier Seen sind keineswegs natürlichen Ursprungs, sondern entstanden vom 16. bis zum 19. Jahrhundert durch das Abstechen von Torf. Die Artenvielfalt ist etwa mit Computersimulationen oder im abgedunkelten Hörraum zu erleben. Als Ergänzung werden wechselnde Ausstellungen organisiert. "Dabei ist uns wichtig, dass die Künstler einen Bezug zur Natur haben", sagt der Leiter die Biologischen Station. Noch bis 6. Januar 2016 sind etwa Fotografien von der Arbeitsgemeinschaft "Foto" der Mühlhausener Liebfrauenschule zu sehen.

Im kommenden Jahr wird Ansgar Reichmann nicht nur darauf achten, dass "alle Vögel da sind": "Wir arbeiten an einem Projekt, dass den Bestand an Konik-Pferden erhöhen soll", schildert er. Vielleicht der richtige Zeitpunkt für ein neues Lieblingslied.

Info Biologische Station, Krickenbecker Allee 17 in 41334 Nettetal. Telefon: 02153 912909. Homepage: www.bsks.de. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag, von April bis Oktober von 11 bis 18 Uhr, von November bis März von 11 bis 17 Uhr. Am Infozentrum (Eintritt kostenfrei) gibt es Parkplätze. Geboten werden Vorträge und Führungen.

Quelle: RP
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