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Nettetal
"Maria Helferin" hatte schon viele Aufgaben

Nettetal: "Maria Helferin" hatte schon viele Aufgaben
Das "Haus Maria Helferin" am Schwanenhaus in Leuth ist hundert Jahre alt. Es war Schule, Kloster, Heilstätte und ist jetzt eine Behinderteneinrichtung. FOTO: kn
Nettetal. Erbaut wurde das Haus als Höhere Mädchenschule mit Internat. Danach war es Lungenheilstätte, heute ist es Haus für Behindertenhilfe. Von Inge von den Bruck

Auf eine wechselvolle Geschichte schaut das "Haus Maria Helferin" am Schwanenhaus in Leuth zurück. Es wird in diesem Jahr hundert Jahre alt. Stets hatte die Einrichtung die Aufgabe, die in ihrem Namen liegt: Hilfe. "Integration, Beheimatung, Normalisierung sowie individuelle Hilfen zum selbstbestimmten Leben und Wohnen sind die Ziele unserer gegenwärtigen Arbeit", erklärt Direktorin Martina Wissdorf.

Die Geschichte von "Maria Helferin" beginnt im Jahr 1915. Schwestern der Kongregation "Unserer Lieben Frau" aus Mülhausen gründeten während des Ersten Weltkriegs eine Höhere Mädchenschule mit Internat. Angegliedert war eine vierjährige Schule für Kinder aus Leuth. Nach der Fertigstellung des "Mädchenpensionats" begann am im April 1915 der Schulbetrieb und damit eine kuriose Situation. Die Schülerinnen, Schwestern und das Personal mussten täglich mehrfach die Staatsgrenze überqueren. Schlafsäle, Turnraum und die Kapelle befanden sich im Komplex "Maria Auxiliatrix" (lateinisch ebenfalls für Maria Helferin) auf der Venloer Seite. Unterricht wurde im neuen Haus "Maria Helferin" erteilt. Das führte zu mancherlei Problemen. Mit Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes Ende der 1920er-Jahre entfiel "kleine Grenzverkehr". Alle benötigten Räume befanden sich nun auf Leuther Gebiet.

Die Schule fand schnell reges Interesse. Im ersten Jahr besuchten 138 Schülerinnen neun Jahrgänge. Unterricht wurde in sechs (jahrgangsübergreifenden) Klassen erteilt. Ein Jahr später waren bereits 198 Schülerinnen aufgenommen. 171 Mädchen wohnten im Internat. "Maria Helferin" entwickelte sich zu einer geschätzten Bildungseinrichtung, bis sie als katholisches Haus 1939 auf Anordnung der Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Danach diente das Haus als Heilstätte für Patienten mit fortschreitender Lungen-Tuberkulose. Im Jahr 1969 mussten die Schwestern "Unsere Lieben Frau" eine neue Aufgabe suchen. Die weiterentwickelten Behandlungsmethoden der Tuberkulose machten die Langzeitbehandlung von Lungenkranken weitgehend überflüssig. Das Haus war nicht mehr voll belegt.

Nach zahlreichen Gesprächen nahm der Landschaftsverband "Maria Helferin" als "Psychiatrisches Kinderkrankenhaus" in das Versorgungsnetz auf. Psychisch und geistig behinderte Kinder und Jugendliche wurden hier nun dauerhaft betreut und gefördert. Im Jahr 1995 ging die Trägerschaft des Hauses an den Deutschen Orden über. Vor fast 20 Jahren wurde erstmals ein Haus in Lobberich angemietet, in das zwei Wohngruppen eingerichtet wurden. Das Psychiatrische Kinderkrankenaus wurde in "Haus Maria Helferin, eine Einrichtung der Behindertenhilfe" umbenannt.

Vor fünf Jahren fiel der Startschuss zum ambulant betreuten Wohnen, ein weiteres Objekt für eine Außenwohngruppe wurde angenietet. Heute werden 74 Bewohnerinnen und sechs Klienten durch das Haus Maria Helferin betreut. 44 Bewohner leben in drei dezentralen Wohneinheiten, 31 Bewohner leben in der Kerneinrichtung am Schwanenhaus.

Die letzten Ordensschwestern verließen vor fünf Jahren das Haus. Sie pflegten stets den Kontakt zur Pfarrgemeinde Leuth und engagierten sich dort. Zeitweise gehörten einige der Ordensschwestern sogar dem Pfarrgemeinderat und waren im Kirchenchor Leuth aktiv. Beim Abschied erinnerte Sr. M. Prudentia daran, dass 1967, als sie die Leitung des Klosters und des Hauses Maria Helferin übernahm, noch 24 Schwestern in Maria Helferin wirkten. "Die Aufgaben des Hauses haben gewechselt", sagte sie seinerzeit, "aber jetzt fehlt es unserem Orden an Nachwuchs. Ich gehe mit vielen lieben Erinnerungen", so Schwester Prudentia beim Abschied.

Quelle: RP
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