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Nettetal
Monotonie ade

Nettetal: Monotonie ade
Die Künstlerin Katharina Brenner starb vor zehn Jahren. In einer Doppelausstellung wird ihrer gedacht. FOTO: Nettekultur
Nettetal. Vor knapp elf Jahren verstarb Katharina Brenner. Ihre Arbeiten werden in Lobberich und Mönchengladbach ausgestellt. Zur Vernissage in der Werner-Jaeger-Halle spricht Kunsthistorikerin Sigrid Blomen-Radermacher Von Angela Wilms-Adrians

In Lobberich und Mönchengladbach hatte Katharina Brenner ihre Lebens- und Arbeitsschwerpunkte. An beiden Orten wird im zehnten Todesjahr der Künstlerin in einer Doppelausstellung ihrer gedacht. Am Freitag, 2. März, wird zunächst die Ausstellung in Lobberich eröffnet, zwei Tage später, am 4. März, folgt die Eröffnung im Kunstraum No 10, Mönchengladbach.

In der Werner-Jaeger-Halle werden vor allem großformatige Werke zu sehen sein. Sie werden ergänzt um kleinere Arbeiten, bearbeitete Polaroids, die in der oberen Etage hängen. Im Kunstraum No 10 liegt der Fokus aus Platzgründen auf kleineren Arbeiten. Einen Schwerpunkt bildet der Zyklus "144 Grüße an Kasimir Malewitsch". 144 Unikate schuf Brenner jeweils über einer Postkarte mit dem schwarzen Quadrat des russischen Künstlers Malewitsch. Doch auch in Mönchengladbach ist eine große Tapetenarbeit ausgestellt.

Entscheidenden Anteil an der Präsentation haben zwei Menschen, die Katharina Brenner zu deren Lebzeiten als Künstlerin und Menschen geschätzt haben. Brenners einstiger Lebensgefährte, der Graphiker Horst Jewanski, hat Brenners Werk gesichtet und ist federführend mit der Organisation befasst. Zur Vernissage in der Werner-Jaeger-Halle spricht Sigrid Blomen-Radermacher, seit 1990 mit Brenners Person und Werk vertraut.

Leinöl auf Tapete — das geht doch nie wieder raus! Soll es auch nicht. Unser Foto zeigt einen Ausschnitt aus dem großformatigen Werk "Wallpaper". FOTO: Nettekultur

"Sie war sehr zierlich, doch in ihr steckte eine große Kraft", sagt die Kunsthistorikerin. Diese Kraft findet Blomen-Radermacher in den Werken wieder. Dazu zählen die Tapetenarbeiten. Brenner bearbeitete Tapetenbahnen, indem sie diese mit Druckstöcken vom Trödel bedruckte. Damit zog sie wie mit einem Stempel sich regelmäßig wiederholende Muster - gleichmäßig, monoton. Zuweilen wählte sie leuchtende Farbtöne, über die sie dann aber Farben und vor allem Leinöl schüttete. Das führt zu Irritation, einer Störung der Harmonie. "So sollte die Reihung und Klarheit durchbrochen werden", kommentiert Blomen-Radermacher diesen Prozess.

Die Kunsthistorikerin weiß, dass Brenner Leinöl bevorzugte, weil es sich schwer kontrollieren lässt. Brenner verursachte damit Transparenzen, aber auch einen morbiden Charakter, bewusst herbeigeführte Verunreinigungen und Verwischungen. Immer setzte Brenner Spuren des Vergangenen, etwa auch über Fehlstellen, die sie unvermutet in stereotypen Folgen auftauchen ließ, wie etwa über einen Zettel, der zunächst aufgeklebt, dann wieder abgerissen wurde. Für die Tapetenarbeiten stellt Blomen-Radermacher fest, dass diese voller Gegensätze stecken. Monotonie des gleichmäßigen Rapports trifft auf Variation und Irritation, Wiederholung auf Individualität, Harmonie auf Aggression, Morbidität auf Frische. "Sie mochte keine geschönten Sachen", sagt Jewanski. Gleiches gilt für die Polaroids.

Katharina Brenner hatte alles erdenklich Mögliche fotografiert, auch sich selbst. Nach Entfernung der oberen Bildschicht kratzte sie Schlieren und Verwischungen ein. Ein überdimensional "aufgeblasenes" Polaroid als Digitaldruck auf Dibond lässt eine unvermutete Spurenfülle erkennen. Es ergibt sich eine ganz eigene räumliche Tiefe. Darin treffen feine Verästelungen auf schwungvolle Schlierenbahnen und grafisch anmutende Momente. Das alles lebt, mutet beinahe subtil erzählend mit einem Hauch von Vergänglichkeit an.

Der Künstlerin ging es nicht um die wirklichkeitsgetreue Abbildung von Realität. Es ist, als hätte sie den Zwischentönen gelauscht, während sie Bildwelten zerlegte, verfremdete und überarbeitete.

Ausstellung Nettetal Vernissage am 2. März, 20 Uhr, in der Werner-Jaeger-Halle. Zur Eröffnung spricht Kunsthistorikerin Sigrid Blomen-Radermacher. Öffnungszeiten bis 22. April: Freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Ausstellung Mönchengladbach Vernissage am 4. März, 11.30 Uhr bis 16 Uhr, im Kunstraum No 10, Matthias-Straße 10.

Quelle: RP
 
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