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Nettetal
Mühelos und fehlerfrei Deutsch sprechen

Nettetal: Mühelos und fehlerfrei Deutsch sprechen
Deutschlehrerin Susanne Floethe (3. von rechts) ist stolz auf ihre Deutschschüler. Die Flüchtlinge erhielten jetzt das Sprach-Zertifikat B1. FOTO: Jobu
Nettetal. Sieben Flüchtlinge bestehen alle Tests und erhalten in Lobberich das Sprach-Zertifikat B1 überreicht. Die Ausgezeichneten danken ihren Sprachlehrern und den vielen Ehrenamtlern, die mit ihnen Deutsch üben Von Joachim Burghardt

Kein Wort Deutsch? Das war einmal, nun haben sie es sogar schriftlich: "Zertifikat Deutsch-Test für Zuwanderer" steht auf den Zeugnissen, die sieben Flüchtlinge jetzt überreicht bekamen. "Wir haben B1, das ist super", freute sich Waheed. Das Zertifikat bescheinigt den Teilnehmern, dass sie mühelos und fehlerfrei alltäglichen Konversationen folgen und Texte schreiben können. Für Deutschlehrerin Susanne Flöthe ist das eine tolle Leistung, die die Flüchtlinge "aus eigenem Antrieb und teils unter erschwerten Bedingungen" erreicht haben, sagte sie.

Die sieben jungen Menschen sind "Flüchtlinge der ersten Stunde" aus Pakistan, Syrien, Afghanistan, Guinea oder Sri Lanka, die meisten schon seit rund zwei Jahren in Nettetal. Und sie nutzten von Anfang an die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. "Die Deutschkurse sind das Herzstück unserer Arbeit", sagte Beate Engelke bei der Überreichung der Zertifikate im Pfarrheim "Die Brücke" der katholischen Gemeinde St. Sebastian in Lobberich.

Die Vorsitzende des Fördervereins Flüchtlingshilfe Nettetal erinnerte daran, dass gleich mit der ersten Flüchtlingswelle engagierte Nettetaler mit Organisationstalent und Spenden solche Kurse ermöglichten: "Damals gab es den Förderverein in der jetzigen Form noch gar nicht, der Gesetzgeber hatte solche Kurse auch nicht vorgesehen." Diese Gesetzeslücke ist mittlerweile geschlossen. Zuvor bekam nur derjenige einen Sprachkurs finanziert, dessen Asylantrag bewilligt wurde; integrieren sollte er sich aber schon vorher. Das war ohne Sprachkenntnisse jedoch nahezu unmöglich, konnte in Nettetal aber dank der gesponserten Kurse gelingen.

Das ist auch dem Pakistani Waheed bewusst: "Wir sind dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, hier Deutsch zu lernen." Sikandar aus Afghanistan und Anpu aus Sri Lanka nickten zustimmend. Denn von Anfang an lief alles Hand in Hand: Professionelle Sprachlehrer wurden engagiert und über Spenden finanziert, Ehrenamtler übten zusätzlich mit den Schülern, und die dankten auf ihre Weise: Bei Veranstaltungen etwa erfreuten sie die Nettetaler mit kulturellen Beiträgen aus ihren Heimatländern - und unterhielten sich schon einigermaßen auf Deutsch. Was ihnen gar nicht so leicht fiel.

"Deutsch ist eine schwere Sprache, vor allem wegen der Grammatik", gab Waheed zu. In astreinem Deutsch erklärte er, dass es in seiner Heimatsprache Urdu "nicht so komplizierte Deklinationen und Artikel - also der, die, das - gebe". Und deshalb sei er schon ein bisschen stolz auf sein Zertifikat. Stolz sind auch die Ehrenamtler. Hubert Lowis etwa lobte seine Schützlinge: "Ich staune immer wieder, mit wie viel Fleiß und Geduld die Flüchtlinge bei der Sache sind."

Nach den ersten Kursen, die etliche mit den Zertifikaten A1 und A2 (Grundkenntnisse) beendeten, gingen die Flüchtlinge unterschiedliche Wege. Die einen absolvierten Praktika, gingen aufs Berufskolleg oder einer Arbeit nach. Die anderen hatten nichts: "Die eine Behörde sagt so, die nächste so, mal heißt es, man brauche eine Arbeitserlaubnis, mal wieder nicht", klagte ein Flüchtling. Ein anderer winkte ab: "Seit fast zwei Jahren habe ich noch immer keine Klarheit über meinen Asylantrag."

Dass sie sich nicht entmutigen ließen und nun die deutsche Sprache recht gut beherrschen, demonstrierte Mamadou aus Guinea, der im Namen aller bescheiden dankte: "Wir haben nur gelernt. Unsere Lehrer sind es, die es geschafft haben, dass wir jetzt B1 haben." Mit kleinen Geschenken dankten die Flüchtlinge Flöthe, die mit ihnen zusätzliche Übungsstunden einbaute, und einige versprachen: "Jetzt machen wir auch C1 und C2." Diese Zertifikate bescheinigen Sprachkenntnisse, die "nahezu perfekt" sind.

Quelle: RP
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