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Nettetal
Nachhaltigkeit ist für Förster eine Pflicht

Nettetal: Nachhaltigkeit ist für Förster eine Pflicht
Förster Thomas Gieselmann markiert gefällte Bäume für den Abtransport mit Lkw so, dass klar ist, welcher Käufer die Ladung aus dem Wald erhält. FOTO: Burghardt
Nettetal. Die Forstwirtschaft setzt seit Jahrzehnten schon auf Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung. Von Förster Thomas Gieselmann wird aber auch verlangt, dass er den Naturschutz in seiner Arbeit beachtet. Von Joachim Burghardt

Durch den Grenzwald rumpelt ein Lastwagen, beladen ist er mit schweren Baumstämmen. "Zwei bis drei Lkw pro Woche transportieren geschlagenes Holz aus dem Wald. Das sorgt schon mal für Unmut bei Spaziergängern und Naturfreunden", berichtet Thomas Gieselmann. Der für Nettetal zuständige Förster steckt oft in der Zwickmühle: Einerseits soll er der Holzwirtschaft und privaten Waldbesitzern Erträge sichern, andererseits ist er für Pflege und Erhalt eines gesunden Waldes verantwortlich. Das Prinzip der Nachhaltigkeit kann dazu beitragen, es allen Interessengruppen irgendwie recht zu machen.

"Schon seit über 200 Jahren setzt die Forstwirtschaft auf Nachhaltigkeit", erklärt Gieselmann zu einem Begriff, den viele für sich gepachtet haben, Klima- und Naturschützer ebenso wie Unternehmer und Politiker. Der Förster warnt vor Prinzipienreiterei: "Was die Pflege des Waldes anbelangt, da wird Nachhaltigkeit heute durchaus diskutiert." Das sieht in der Praxis so aus: "Wenn wir Holz schlagen - Bäume fällen - müssen wir dafür sorgen, dass Gehölze nachwachsen."

An Tor 9 in Leuth "haben wir gerade Roteichen gefällt. Die Stämme werden aufgestapelt und für die Käufer markiert", sagt Gieselmann. Gleich dahinter hat der Wald Lücken. "Wo die Roteichen gefällt wurden, pflanzen wir nicht nach. Der Baumbestand verjüngt sich durch neue Triebe selbst, die Eichen wachsen nach." In "etwa zehn Jahren" werde der Wald "wieder dicht bewachsen sein". Die meisten Nadelhölzer hingegen müssten nach dem Fällen durch Neuanpflanzungen ersetzt werden. Dabei müsse auch störender Bewuchs durchforstet werden.

Für die Holzwirtschaft sind schnell wachsende, auch exotische Arten interessant. Naturschützer und die Stadt Nettetal pochen dagegen auf heimische Gewächse, bevorzugt Laubbäume. Vertritt der Förster die Belange der Wirtschaft und der Waldbesitzer, hagelt es mitunter Kritik in politischen Gremien, denen er Rechenschaft ablegen muss. Will er das Ansinnen von Biologen umsetzen, wird er der anderen Seite nicht gerecht.

Der Förster verweist auf komplizierte Besitzverhältnisse: "Von den rund elf Quadratkilometern Waldfläche der Forstbetriebsgemeinschaft Nettetal gehört den rund 230 Privatbesitzern zusammen mehr Fläche als der Stadt Nettetal oder dem Kreis Viersen." Die einen wollen Erträge aus der Holzwirtschaft, die anderen eine ungestörte Natur.

Mitunter gerät deshalb laut Gieselmann die nachhaltige Forstwirtschaft in die Diskussion. "So oder so darf aber nicht gefällt werden, wo etwa besonders geschützte Tierarten leben, da muss man, soweit möglich, auf andere Flächen ausweichen", sagt er. Hier decke sich das forstwirtschaftliche Nachhaltigkeits-Prinzip mit dem Naturschutz.

Im Tagesgeschäft werde nach wie vor zumeist gefällt und nachhaltig aufgeforstet. Das stört mitunter im Wald als Naherholungsgebiet: "Darunter leiden schon mal die Wege , wenn im Jahr rund 200 Lastwagen Holz transportieren."

Quelle: RP
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