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Nettetal
Nettetal statt "Nettestadt"

Nettetal. Vor 40 Jahren legte die NRW-Landesregierung den Gesetzentwurf für die Neugliederung der Gemeinden im damaligen Kreis Kempen-Krefeld vor. Bürgermeister sind für "Seenstadt". Von Manfred Meis

Bevor der Düsseldorfer Landtag Juli 1969 in die politischen Sommerferien ging, legte Innenminister Willy Weyer (FDP) den Abgeordneten schnell noch den Gesetzentwurf für die Neugliederung der Gemeinden im damaligen Kreis Kempen-Krefeld vor. Das Parlament überwies die 134 Seiten umfassende Drucksache an die Fachausschüsse, die dann im September beraten sollten.

Große Veränderungen brachte der Gesetzentwurf, den das Kabinett in der letzten Juni-Woche beraten hatte, nicht. Doch im Grenzraum hatte die aus Breyell, Hinsbeck, Kaldenkirchen, Leuth und Lobberich neu zu bildende Stadt einen neuen Namen erhalten: Statt "Nettestadt", wie im ersten Weyer-Entwurf vorgesehen, sollte sie künftig "Nettetal" heißen. Das ließ Lobberich Bürgermeister Hein Nicus gleich aktiv werden, hatten die Städte und Gemeinden (bis auf Leuth) in den Gebietsänderungsverträgen doch den Namen "Seenstadt" vereinbart. Mit seinen Bürgermeisterkollegen vereinbarte er, erneut einen Brief an die Landtagsabgeordneten zu schreiben und darin für die Bezeichnung "Seenstadt" zu werben. Der Brief hatte ebenso wenig Erfolg wie Gespräche des FDP-Kreisvorsitzenden Josef Ringendahl (Breyell) mit seinem Parteifreund Willy Weyer.

Damals ging es aber auch schon um die Zukunft der "Seenstadt Nettetal". Vor den Bürgermeistern, Fraktionsvorsitzenden und Verwaltungschefs zeigten die Städteplaner Orth (Bensberg) und Zlonicky (Essen) sowie der Verkehrsplaner Mäcke (Aachen) auf, dass der neuen Stadt ein neues Zentrum mit allen wichtigen kommunalen Einrichtungen auf der "grünen Wiese" nordwestlich von Leutherheide gut zu Gesicht stehen werde. Denn in der Wachstumseuphorie der 1960er-Jahre sollte Nettetal ziemlich schnell von 36.500 auf nahezu 60.000 Einwohner wachsen. Der Vorstand der Jungen Union fand den Vorschlag "besonders beachtlich", doch wurde daraus nichts.

Mehr als der Namensstreit um ihre neue Stadt interessierte die Bevölkerung in jenen Tagen, was in der Nacht zum 30. Juni in der Villa Rötzel am Breyeller Schellberg passiert war. Dort hatte die Hausdame und Erzieherin Therese ("Resi") Gerwin (40) nach einer Auseinandersetzung mit dem Industriellensohn Christian Rötzel (23) den Tod gefunden. Der "Breyeller Fenstersturz" wurde vor allem nach dem Prozessbeginn am Landgericht in Krefeld im Spätherbst zum landesweiten Gesprächsthema. Durch seine unklaren Aussagen vor Gericht verlor der Rötzel-Direktor Ringendahl jegliche politische Reputation. Er musste zurücktreten.

Fast untergegangen ist in jenen Tagen auch, dass die "Nettetalstraße", wie die L 135 als Vorläuferin der Autobahn 61 auch genannt wurde, ab dem 30. Juni 1969 zwischen Kaldenkirchen/B221 und Lobberich-Rennekoven nun vierspurig zu befahren war. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP
 
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