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Nettetal
Neue Frisur für die Kopfweiden

Nettetal: Neue Frisur für die Kopfweiden
Bernd Rosenkranz (re.) kümmert sich seit mehr als 50 Jahren auf dem Landschaftshof Baerlo um die Pflege der Kopfweiden. Bert Hotopp (li.) führt an diesem Vormittag die Kettensäge. Freiwillige dürfen gerne beim Beschneiden helfen, sagt Rosenkranz. FOTO: Jörg Knappe
Nettetal. Auf dem Landschaftshof Baerlo in Leutherheide steht derzeit die Pflege der Kopfweiden an. Die Äste werden abgeschnitten und weiterverwendet. Mittwochs und samstags können Freiwillige mitmachen Von Emily Senf

Hinter dem Landschaftshof Baerlo in Leutherheide schmeißt Bert Hotopp die Kettensäge an. Mit ruhiger Hand führt er sie zur Kopfweide vor sich. Ein Ast nach dem anderen fällt zu Boden. Schon wenige Sekunden später geht er weiter zum nächsten Baum. An diesem Tag wird der 69-Jährige noch etliche Äste absägen. Es ist die Zeit der Kopfweiden-Pflege.

Am Niederrhein prägt die Kopfweide die Landschaft. Früher wurde sie gepflanzt, um beispielsweise Grundstücksgrenzen zu markieren und Ufer vor Ausspülungen zu sichern. "Außerdem fängt das Holz schnell an zu brennen und entfaltet eine Hitze, die mit anderem Holz so schnell nicht erreicht werden kann", sagt Bernd Rosenkranz von der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz im Kreis Viersen. "Bäcker haben die Äste früher gerne als Anmachholz verwendet. Sie bringen den Ofen sofort auf Hochtouren."

Ein- bis zweimal in der Woche treffen sich die Mitglieder derzeit auf dem Landschaftshof und schneiden die Kopfweiden. An diesem Vormittag sind die Bäume im Garten direkt hinter dem Gebäude dran. Sie stecken etwa 60 Zentimeter tief in der Erde und ragen mehr als einen Meter daraus hervor. Vor gut zwei Jahren wurden sie zum letzten Mal beschnitten. Inzwischen sind die Äste der knapp 15 Jahre alten Kopfweiden wieder auf eine Länge von bis zu vier Metern angewachsen.

Da die Bäume dicht stehen - etwa jeweils einen Meter auseinander und 1,5 Meter von der nächsten Reihe entfernt - wachsen die Äste gerade, sagt Rosenkranz (79), der sich seit 50 Jahren in der Arbeitsgemeinschaft, die ein Verein ist, engagiert. Die Pflege der Kopfweiden sei nötig, um sie langfristig zu erhalten, erklärt Geschäftsführer Willi Kuypers (66). Im schlechtesten Fall könnte die Weide bei Stürmen sonst unter der Last ihrer Äste brechen.

Die Vereinsmitglieder verwenden ihre Ernte-Erträge, wie sie die geschnittenen Äste nennen, weiter, etwa zum Flechten und als Feuerholz. Am letzten Wochenende im Februar veranstalten sie auf dem Landschaftshof ihre jährliche Niederrheinische Weidenbörse, bei der auch Besucher Holz kaufen können. Wegen ihrer geraden Form eignen sich die Äste beispielsweise für Flechtzäune, sagt Rosenkranz. Der Breyeller Verein sei der erste in NRW gewesen, der mit der Pflege von Kopfweiden begonnen habe, sagt der Vorsitzende Rosenkranz. Im Winter 1969/70 sei das gewesen.

Jeder Umweltminister habe den Hof in seiner Amtszeit seitdem besucht und die rund 350 Kopfweiden, die auf dem Gelände wachsen, begutachtet. Auch die derzeitige Amtsinhaberin Christina Schulze Föcking (CDU) hat ihr Kommen zugesagt. Am 23. Februar werde sie einen Vormittag lang bei der Pflege mit anpacken, sagt Kuypers. Der Verein hat vor 25 Jahren eine Podestleiter entwickelt und patentieren lassen, um größere Kopfweiden bequem zu erreichen und die Unfallgefahr durch herabfallende Äste zu minimieren, berichtet er. Wegen Sicherheitsrichtlinien dürfe man zum Schneiden eine Leiter nicht einfach an eine Weide anlehnen.

Beim Besuch der Umweltministerin will der Verein ein Anliegen vorbringen: "Früher haben wir die großen Kopfweiden alle fünf Jahre beschnitten", sagt Geschäftsführer Kuypers. Seit einem Jahr gebe eine EU-Richtlinie vor, dass sie nur noch alle acht bis neun Jahre geschnitten werden dürfen. Dann aber seien die Äste deutlich länger und damit schwerer. "Es wird unweigerlich zu Unfällen kommen", sagt Rosenkranz.

Quelle: RP
 
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