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Nettetal
"Olaf und Resi" sind treue Untermieter

Nettetal: "Olaf und Resi" sind treue Untermieter
Die Küken von "Olaf und Resi" auf luftig-lehmigem Platz. FOTO: Burghardt, Joachim (jobu)
Nettetal. Seit Jahrzehnten nisten Rauchschwalben auf dem Hof von Andreas Wolfers in Bocholt. Die nützlichen Zugvögel finden immer seltener Nistmöglichkeiten. Für die Wolfers gehören die Schwalben zur Familie, sie geben ihnen sogar Namen. Von Joachim Burghardt

Ein kurzes Päuschen auf dem alten Wohnzimmerschrank, dann folgen der Start und eine flotte Runde durch den Raum und ab geht es zum Nest oben in der Ecke hinterm alten Wasserrohr. Vier aufgerissene Schnäbel recken sich der Schwalbe entgegen. Die Küken fiepen und piepen, bis sie endlich gefüttert werden. "Die Rauchschwalben gehören quasi zur Familie", freut sich Andreas Wolfers. Auf seinem Milchviehbetrieb in Bocholt sind dutzende Schwalbenpaare zuhause. Anderswo haben die rasanten Flieger es schwerer. Sie finden kaum Nistmöglichkeiten oder werden gar vertrieben.

"Seit Generationen nisten Schwalben auf unserem Hof, auch in den Ställen und unterm Vordach", erzählt Wolfers. Wo man modernisiert oder angebaut habe, sei stets auf Einflugmöglichkeiten für die schnellen Flieger geachtet worden. Das gilt auch im Anbau, ehemals Milchkammer mit Durchlässen unterm Dach, heute Vorratslager und Abstellraum mit abschließbarer Tür. Von Frühjahr bis Herbst bleibt die Tür wegen der Schwalben offen.

Andreas Wolfers ist sehr froh, dass die Rauchschwalben "Olaf und Resi" in seinem Stall ihr Nest gebaut haben, um Junge aufzuziehen. FOTO: Burghardt

Solche Bedingungen finden Schwalben heute nicht mehr oft vor: "Die Rauchschwalbe ist zwar bei uns noch die häufigste Schwalbenart. Aber auf Bauernhöfen sieht man sie immer seltener, mittlerweile öfter auf Reiterhöfen", erklärt Stefani Pleines von der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Der Grund: Die flinken Flieger mit dem tief gegabelten Schwanz bauen ihre halbkugelförmigen Nester auf Mauerecken, Rohren oder Balken in Scheunen und Ställen, sie brauchen also Durchlässe.

"Moderne Betriebe haben offene Luken meist nicht. Da ist alles steril, Nester mit Kot darunter sind unerwünscht", weiß Pleines. Wolfers sieht darin kein Problem: "Wo nötig, bringen wir Kotbretter unter den Nestern an, dann bleibt alles andere sauber." Über fertige Brettvorrichtungen oder Bauanleitungen sowie Nisthilfen informiert laut Pleines der Naturschutzbund (Nabu): "Der Bedarf ist noch größer bei Mehlschwalben, die ja an der Außenseite von Gebäuden, meist unterm Dach nisten." Leider komme es vor, dass Hausbesitzer Nester entfernen, was allerdings "nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist."

Dabei profitieren, so Pleines, Mensch und Vieh von den Schwalben, die sich in der Luft "kiloweise Insekten, vor allem Mücken und Fliegen" schnappen. Die stets um Sachlichkeit bemühte Biologin hält ein Plädoyer für die Vögel: "Schwalben sind ein Symbol für den Sommer, sie gelten als Glücksbringer." Ähnlich sieht das Wolfers: "Ein Sommer ohne Schwalben, das wär' nix, wir sind immer richtig glücklich, wenn sie im April aus Afrika zurückkommen."

Schwalben gelten nämlich als standorttreu. Nach Untersuchungen kehren sogar Nachfahren von Rauchschwalben vom Winterquartier aus in heimatliche Gebäude zurück. Wie bei den Wolfers: "Hier haben immer Schwalben gebrütet, das Paar, das oben in der Ecke sein Nest hat, nennen wir Olaf und Resi", schmunzelt Gisela Wolfers. Andreas ergänzt: "Olaf und Resi, so hat schon mein Opa jedes Jahr das Schwalbenpaar hier genannt."

Auch die Menschen scheinen den Schwalben vertraut: Sind das Ehepaar oder ihre drei Kinder im Raum, fliegen die Elternvögel ohne Scheu zu ihren vier Jungen. Ist ein Fremder dabei, kreisen die Schwalben zunächst. Dann landen sie auf dem alten Wohnzimmerschrank und warten, bis "die Luft rein" ist. Erst dann fliegen sie zum Nest zu ihren Küken.

Quelle: RP
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