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Nettetal
Orgel verkündet wieder das Lob Gottes

Nettetal: Orgel verkündet wieder das Lob Gottes
Organistin Barbara Bruns entdeckte zuerst, dass mit der Orgel etwas nicht stimmte. Nun ist sie froh, dass das Instrument wieder erklingt. Für die Osternacht hat sie die Messe in f-moll von Rheinberger und Stücke von Franck ausgewählt. FOTO: Busch
Nettetal. Mit dem "Gloria" in der Osternacht erklingt die Koch-Lorenz-Orgel in der Pfarrkirche St. Sebastian nach langer Leidenszeit wieder. Sie war von Schimmel überzogen und wurde neu intoniert. Von Ludger Peters

Welch unangenehme Folgen klimatische Veränderungen selbst auf kleinstem Raum haben können, hat die katholische Pfarrgemeinde St. Sebastian schmerzlich erfahren müssen. Seit Palmsonntag 2014 herrscht Stille im weiten Raum der Kirche. Die Orgel hat ihren Dienst versagt, sie kann das Lob Gottes nicht mehr verkünden. Erst ein gewaltiger Kraftakt der Verantwortlichen in der Pfarrgemeinde, des Orgelbauunternehmens Scholz und von örtlichen Handwerkern hat die Königin der Instrumente wieder zum Klingen gebracht. In der Osternacht wird sie die Auferstehung des Herren mitverkünden.

Organistin Barbara Bruns entdeckte zuerst, dass etwas nicht stimmte. Das Rückpositiv des Instruments hatte eine merkwürdige Patina, die sie sich nicht erklären konnte. Bei näherem Hinschauen stelle sich heraus, dass es von Schimmel überzogen wurde. Als die Orgel geöffnet wurde, fuhr allen der Schreck tief in die Glieder. Schimmel war dabei, das gesamte Instrument zu erobern und zum Schweigen zu bringen.

Doch woher kam dieser Schimmel? Wieso kroch er in langen Fäden durch das Instrument? Die Antwort lag auf der Hand. Vier Jahre bereits wurde an der Heizung der großen Pfarrkirche gearbeitet. Das allein aber konnte nicht der Grund sein, dass sich Schimmel auch unter Bänken gebildet hatte.

Organistin Barbara Bruns entdeckte zuerst, dass mit der Orgel etwas nicht stimmte. Nun ist sie froh, dass das Instrument wieder erklingt. Für die Osternacht hat sie die Messe in f-moll von Rheinberger und Stücke von Franck ausgewählt. FOTO: Busch

"Der alltägliche Betrieb in unserer Kirche hat sich in wenigen Jahren rapide verändert", erklärt Dr. Bastian Rütten. Er gehört dem Kirchenvorstand an und hat ein besonderes Faible für die Kirchenmusik - zumal da er selbst Orgel spielt. Einst lasen die Pfarrer täglich in St. Sebastian heilige Messen, es gab weitere liturgische Veranstaltungen. "Menschen kamen hinein und gingen wieder. Sie öffneten die Türen, bewegten die Luft im Inneren und sorgten dafür, dass Innen- und Außenluft ausgetauscht wurden", erklärt Rütten. Das ist Vergangenheit. Heute werden im Abstand von sechs bis sieben Tagen Messen gefeiert. Werktags gibt es so gut wie keine Messen mehr, abgesehen vielleicht von Beerdigungen. Die feuchte niederrheinische Luft steht, und aus ihr heraus entwickelt sich klimatisches Unheil, wie beispielsweise der Schimmel. Unmerklich legt er sich auf Bänke, Altäre, Mauerwerk - und eben auch auf ein frei dastehendes Orgel-Instrument. Er kriecht in jede Ritze und findet immer neue Angriffspunkte zur Fortentwicklung.

Als der Schimmel erkannt und in der Orgel festgestellt worden war, begannen Untersuchungen zum Raumklima in der Kirche. Eine der ersten wichtigen Feststellungen: Der Schimmel im Kirchenraum war zu keinem Zeitpunkt gesundheitsgefährdend. Die hohe Luftfeuchtigkeit wird jetzt über eine externe Steuerung gesenkt, das Raumklima wird gehalten, auch wenn tagelang niemand im Inneren der Kirche ist.

FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Der Blick ins Innere der Orgel ließ eine Katastrophe fürchten. Vor allem die Holzpfeifen waren von Schimmel überzogen, Dichtungen und Zungen hatte der Pilz befallen. "Mit der Reinigung allein war es aber nicht getan", erinnert sich Bastian Rütten. Das Instrument musste Pfeife für Pfeife, Zug um Zug entschimmelt werden. Der Generalreinigung folgte eine vollständig neue Intonierung des Instruments. "Daran wurde lange nichts gemacht", gesteht Rütten. Das Instrument war seit Jahren, vor allem aus finanziellen Gründen, zum Stiefkind der Pflege geworden.

Umso mehr freuen sich Barbara Bruns und ihre Chöre, Menschen wie Bastian Rütten, für die die Orgel und der Kirchengesang ein unverbrüchlicher Teil der Liturgie sind, auf die Osternacht. "Endlich erklingt die Orgel wieder, um das Gloria anzustimmen und die Chöre und die Gemeinde im Gesang zu begleiten. Unterstützt wird Barbara Bruns durch Dr. Albert Pauly. Die Messe in f-moll von Josef Gabriel Rheinberger und Stücke von César Franck hat sie eigens herausgesucht. Das Provisorium der Choralorgel am Hochaltar hat ein Ende gefunden.

Freunde der Orgelmusik werden bald noch mehr Gelegenheit haben, das Instrument in der Pfarrkirche zu hören. So wird der gebürtige Nettetaler Elmar Lehnen, heute tätig in Kevelaer, am 12. April um 18 Uhr ein ungewöhnliches Workshop-Konzert geben. Die Zuhörer werden auf dem Empore nicht nur das Orgelspiel verfolgen, sondern in der Interaktion mit Lehnen auch das Programm mitgestalten. Lehnen wird das Instrument und seine Register ausführlich vorstellen. Zuhörer können Wünsche dazu äußern, was Lehnen spielt. "Geplant haben wir eine Expedition ins Königreich der Orgel", verspricht Bastian Rütten.

Quelle: RP
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