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Nettetal
Platane "nicht um jeden Preis" erhalten

Nettetal: Platane "nicht um jeden Preis" erhalten
Es wäre jammerschade, wenn die Platane vor dem Quartier Latin gefällt werden müsste. Sie sprengt allerdings schon lange das Pflanzbeet, und die Wurzeln greifen die Wasserleitung im Boden an. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die Wurzeln des mächtigen Baums vor der Kneipe Quartier Latin greifen die Wasserleitungen an. Umweltausschuss und Verwaltung wollen den Baum erhalten. Doch wer die Kosten dafür trägt, die Leitungen neu zu verlegen, ist umstritten. Von Joachim Burghardt

Kleiner Schreck in großer Runde: Gemütlich sitzen am frühen Abend rund ein Dutzend Gäste im Halbkreis vor der Kneipe Quartier Latin, als von oben ein Klecks auf den Steintisch knallt. Sofort schauen alle hoch, in der Platane gurren Ringeltauben. "Das passiert schon mal", schmunzelt Wirt Patrick Dors. Doch nicht wegen der Tauben ist die große Platane zum Problem geworden: Das Wurzelwerk stört Wasserleitungen. Zwischen Stadtwerken, Verwaltung und Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz ist eine Diskussion um den Erhalt des Baumes entbrannt.

"Die FDP ist für die Fällung des Baumes", stellt Michael Eichler klar; seine Partei will eh "alle großen Bäume im Stadtgebiet durch kleinere ersetzen". Doch die anderen Fraktionen wollen den Baum möglichst erhalten. Sie überstimmen die FDP. Auch die Verwaltung steht zum Baum: "Bei der Platane handelt es sich um einen das Stadtbild prägenden Baum", erläutert Heike Meinert vom Grünflächenamt. Allerdings ist die Sachlage verzwickt: "Der Schieber einer durch das Baumbeet verlaufenden Wasserleitung ist nicht mehr funktionstüchtig", bemängeln die Stadtwerke. Mit solch einem Schieber kann der Wasserfluss in Rohren bei Bedarf abgesperrt oder geöffnet werden.

Soll der Baum erhalten bleiben, müssen Wurzeln gekappt werden. Das aber könnte der Platane schaden und kommt deshalb nicht infrage. Stattdessen sollen die Leitungen ums Baumbeet herum verlegt werden. So ist die 1978 gepflanzte Platane ein typisches Beispiel dafür, dass in Kommunen früher, gut gemeint, hochwüchsige Bäume gesetzt wurden, obwohl ihr Standort ungünstig ist. Häufig unterblieben sinnvolle starke Pflegeschnitte.

Längst erweist sich das Pflanzbeet vor der Kneipe als mittlerweile zu klein. Die Wurzeln drücken die Platten auseinander, so mächtig ist der rund zwölf Meter hohe Baum mit weit ausladenden Ästen. Entsprechend beherrscht die Platane die Bahnhofstraße vorm Quartier Latin. Fast scheint es, als ducke sich das historische Gebäude mit der Kneipe hinter Stamm und Krone.

Die Wirte haben sich, wie übrigens ihre Gäste auch, mit dem Baum arrangiert. Einerseits sorge der "stattliche schöne Baum im Sommer für lauschige Stunden vor der Kneipe", sagt Thomas Kolodziej. Andererseits sieht man laut Annerose Pannwitz "Probleme wie Tauben oder gefährdete Leitungen". Am liebsten möchten sie den Baum erhalten, aber nicht um jeden Preis: Wenn er fällt, wünschen Mark Dors und Kollegen "einen neuen Baum".

Doch dazu muss es nach dem Beschluss des Ausschusses nicht kommen. Die Verwaltung soll prüfen, wer die Kosten für das Verlegen der Wasserleitungen trägt. Die Rede ist von 12 000 bis 19 000 Euro. "Vielleicht kriegen wir es hin, dass sich Stadt, Stadtwerke und Dritte die Kosten teilen", hofft Meinert. Laut Stadtwerke-Sprecherin Sigrid Rautenberger ist die Frage der Kostenbeteiligungen "nicht abschließend geklärt".

Ein Argument für seinen Erhalt ist das Leben im Stadtbaum. So lässt sich an diesem Frühlingsabend im Geäst allerlei Getier beobachten. Außer den "Scheiß Tauben" (so ein Kneipengast) Amseln, Kohlmeisen, Grünfinken und Dohlen. Am Stamm huschen, ungewöhnlich, weil mitten in der Stadt, Rindenspringspinnen, und in der Dämmerung flattern Fledermäuse um den Baum. Dazu Meinert: "Fürs Stadtklima und aus ökologischen Gründen, wegen der Tiere, ist so ein Baum wichtig."

Quelle: RP
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