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Nettetal
Plötzlich müssen Angehörige pflegen

Nettetal: Plötzlich müssen Angehörige pflegen
Wenn ein Patient das Krankenhaus verlassen kann, aber zum Pflegefall geworden ist, sind Angehörige oft überfordert. Das Krankenhaus Nettetal bietet darum nun Beratung und Kurse an. FOTO: dpa
Nettetal. Das Städtische Krankenhaus Nettetal organisiert Hilfen und unterstützt auch in den ersten Wochen die häusliche Pflege. Im Januar beginnen die ersten Kurse, die nach besonderen Anforderungen gestaltet werden. Von Gregor Anders

Wenn ein Familienmitglied zum Pflegefall wird, sind die Angehörigen oft überfordert. Sie bleiben häufig mit vielen Fragen in der neuen und schwierigen Situation alleine. Zur Unterstützung pflegender Angehörige bietet das Städtische Krankenhaus Programm an, in dem Teilnehmer sich beraten lassen und auch Situationen trainieren können. Das Angebot teilt sich auf in Kurse für pflegende Angehörige, Gesprächskreise und Beratung bei stationärem Aufenthalt. Es schließt sich eine Form von Hilfe und Unterstützung in den ersten sechs Wochen zu Hause an.

Der ganze Ernst der Lage wird manchen Angehörigen erst klar, wenn unumstößlich feststeht, dass ein Patient das Krankenhaus zwar verlassen kann, aber dauerhaft zu Hause gepflegt werden muss. Die Gründe sind unterschiedlicher Natur Das Krankenhaus hat daher auch unterschiedliche Kurse aufgelegt. Es gibt einen Pflegekursus mit pflegerischen Themen und einen Kursus speziell für pflegende Angehörige von demenzerkrankten Menschen.

Das städtische Krankenhaus Nettetal lädt zu beiden Kursen sowohl direkt betroffene Angehörige als auch Interessierte, die für diese Situation vorsorgen möchten, ein. Beide Kurse sind kostenfrei. Sie finden jeweils an drei aufeinanderfolgenden Freitagen statt. Ein weiterer Pflegekursus beschäftigt sich mit dem Themenspektrum Mobilisation, Harninkontinenz und dem Lernen von Pflegetechniken, gerade bei bettlägerigen Patienten.

In den Demenzpflegekursen lernen Teilnehmer das veränderte Verhalten des dementen Angehörigen verstehen. Sie erfahren, wie sie Konflikte im Zusammenleben vermeiden können. Grundlage hierfür ist immer das Verständnis der Erkrankung bis ins Detail. Zudem erhalten die Kursusteilnehmer Tipps über individuelle Möglichkeiten familiärer Netzwerke. Es bleibt bei jedem der Kurse Raum zum Austausch mit anderen betroffenen Angehörigen.

Sendi Garcia und Daniel Krause, die Leiter der im Januar beginnenden Pflegekurse, gehen stets konkret auf die individuelle Lebenssituation der Betroffenen ein. Garcia ist seit fünf Jahren in der familialen Pflege tätig. Zusammen mit Heike Weinmann hat sie diesen Bereich im Nettetaler Krankenhaus erst etabliert. Künftig widmet sich Weinmann ausschließlich der Pflegeschule des Hauses, während Daniel Krause seit Oktober den Aufgabennbereich der familialen Pflege ergänzt.

Neben den Pflegekursen und Gesprächskreisen bieten Garcia und Krause auch Beratungen und ein Pflegetrainings an, und zwar direkt am Patientenbett. Auf Wunsch unterstützen sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Angehörigen noch bis zu sechs Wochen in der heimischen Umgebung, damit diese sich auf die neue Pflegesituation einstellen können. Dieses Beratungsangebot können Patienten in der Regel einmal wöchentlich wahrnehmen. Dagegen kann ein ambulanter Pflegdienst eine tägliche Unterstützung in der Pflege gewährleisten.

Angehörige haben vielfach aber auch ganz grundlegende Fragen. Wann haben sie Anspruch auf Unterstützung und Hilfsmittel und um welche konkreten Hilfen handelt es sich? Darüber informieren die Experten des Nettetaler Krankenhauses individuell von Fall zu Fall. Sie geben außerdem Hinweise zur Kurzzeitpflege und einer unterstützenden Netzwerkpflege.

Die neuen Termine für die Pflegekurse und den Gesprächskreis für Angehörige stehen für 2016 fest.

Quelle: RP
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