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Nettetal
Pro Theaterkarte zahlt die Stadt fünf Euro zu

Nettetal. Die Kulturveranstaltungen haben die Kosten der Saison 2015/16 bei Weitem nicht eingespielt. Umstritten ist das Kindertheater Von Joachim Burghardt

Nils Holgerson war schon da und Rumpelstilzchen kommt bald: Stars und Helden der Kinderwelten spielen regelmäßig auf der Bühne der Werner-Jaeger-Halle fürs junge Publikum. Doch die kleinen Nettetaler lassen sich kaum ins Theater locken, meist blieben zuletzt bei den Aufführungen viele Plätze in den Zuschauerrängen leer. Weshalb Helma Josten (CDU) vorschlug: "Da das Kinderprogramm so wenige Besucher hat, sollten wir weniger Veranstaltungen anbieten." So kam im jüngsten Kulturausschuss die Frage nach der Zukunft des Kindertheaters auf - und nach den Kosten fürs Kulturprogramm überhaupt.

Die Zahlen sprechen für sich: Zu den neun Aufführungen des Kinder- und Jugendtheaters in der abgelaufenen Spielzeit kamen nur rund 2100 Besucher. Drei Mal war die Werner-Jaeger-Halle mit etwa 500 Zuschauern ziemlich gut gefüllt, ebenso oft jedoch blieb die Besucherzahl im zweistelligen Bereich, nur ein Mal stand ein Plus hinter den Einnahmen.

Die Folgen: Die Einnahmen von knapp 11.000 Euro bei einem einheitlichen Eintrittspreis von fünf Euro beim Kindertheater deckten kaum mehr als die Hälfte der Ausgaben, weit über 9000 Euro musste die Stadt zuschießen. "Man kann wohl erwarten, dass sich Schulen geschlossen zu den Veranstaltungen anmelden", forderte Leo Peters (CDU). Denn alljährlich wurden auch Programme für ältere Schüler angeboten, doch die Resonanz war ebenso gering wie bei Theaterstücken, die speziell auf Abiturthemen im Bereich Literatur zugeschnitten waren. "Von den Schulen ist meist zu hören, sie führen lieber nach Düsseldorf zu entsprechenden Aufführungen", berichtete Kulturdezernent Armin Schönfelder.

Für Ausschussvorsitzende Renate Dyck (SPD) nichts Neues: "Schulen und Jugendtheater, das ist nun einmal ein leidiges Thema." Tatsächlich hatte Bürgermeister Christian Wagner (CDU) schon vor vier Jahren die Frage aufgeworfen, ob das Jugendtheater weiter angeboten werden könne. Und seitdem kocht die Diskussion alljährlich neu auf.

Einig war sich der Ausschuss, dass grundsätzliche Überlegungen her müssten. In Nettetal gebe es "mittlerweile weniger Kinder", sagte Schönfelder, die Zahl der potenziellen Besucher sinke also, während die Zahl der angebotenen Veranstaltungen in etwa gleich bleibe.

Dabei machen die roten Zahlen beim Kindertheater gerade einmal ein Fünftel des Defizits beim Kulturprogramm aus: Knapp 45.600 Euro musste die Stadt zu den Aufführungen der Spielzeit 2015/2016 zuschießen, ein Jahr zuvor lagen die roten Zahlen noch unter 34.000 Euro.

Robin Meis (WIN) wollte deshalb wissen, wie viel die Stadt überhaupt pro Besucher zuschieße. "Je Eintrittskarte legen wir fünf Euro drauf", rechnete Schönfelder aus. Insgesamt machten die Zuschüsse für Kulturveranstaltungen in der vergangenen Spielzeit nur wenig mehr als einen Euro pro Einwohner aus. Die Bilanz wertete Schönfelder als "erfreulich", da sich das Kulturprogramm "großer Beliebtheit" erfreue.

Warum manch eine Veranstaltung aber allen Erwartungen zum Trotz nur wenige Zuschauer anlockte und deshalb die Einnahmen nicht deckte, verriet Roger Dick, der bei der Nettekultur fürs Programm zuständig ist: "Teilweise buchen wir ein musikalisches Stück, das gerade hochaktuell ist, doch wenn es bei uns anderthalb Jahre später zur Aufführung kommt, ist der Boom längst vorbei."

So etwas sei Künstlerpech, genau kalkulieren ließe sich das nie. Insgesamt hat Dick, der viel Lob erhielt, offenbar ein Händchen für das, was zieht: Das Besondere Programm mit Kabarett und Kleinkunst spielte sogar ein leichtes Plus ein.

So wird der Ausschuss wohl weiter über die Zukunft des Kinder- und Jugendtheaters beraten, am Kulturprogramm an sich wollte niemand rütteln. Dyck: "Kultur ist nun mal ein Zuschussgeschäft."

Quelle: RP
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