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Nettetal
Realschule mit einem "Plus" im Konzept

Nettetal: Realschule mit einem "Plus" im Konzept
Wollen den "Schulweg" gemeinsam gehen: Die Schulleiter Joachim Sczyrba (v.l.), Angelika Eller-Hofmann und Hartmut Esser. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Das neue Modell fängt mit einer großen Bandbreite klassische Hauptschüler ebenso auf wie künftige Abiturienten. Von Ludger Peters

"Realschule plus" ist das Zauberwort, auf das die Leiter der weiterführenden Schulen in Nettetal setzen. Sie wollen die besonderen Eigenheiten, vor allem die Stärken ihrer Schulformen erhalten und fördern. Die veränderte Realschule schließe eine Lücke zwischen Gesamtschule und Werner-Jaeger-Gymnasium, erklärt Joachim Sczyrba. Der Leiter der Realschule betont, dass die vielfach ausgezeichnete Gesamtschule in ihrer Qualität erhalten bleibt und das Modell die Stabilität des Werner-Jaeger-Gymnasiums sichert. Den Eltern biete die "neue Realschule" qualitativ gleichwertige, konzeptionell anders ausgerichtete Schulplätze.

Der Frust unter Eltern und Kindern, dass die Gesamtschule nur begrenzt Schüler aufnehmen kann, soll so ein Ende finden. Aber nicht durch eine unbegrenzte Erweiterung auf Kosten aller anderen Schulsysteme.

Vielmehr soll die "Realschule plus" darin eingebettet werden. Auch sie fördert die Individualität ihrer Schüler und berücksichtigt die unterschiedlichen Bedürfnisse von Eltern. Nach der Klasse 10 können qualifizierte und leistungsbereite Schüler in die Oberstufe des Gymnasiums oder der Gesamtschule wechseln, um dort das Abitur zu erreichen. An der Realschule bleiben sie im offenen Ganztag - viele Eltern legen Wert darauf, nachmittags, nach Unterrichtsende, ein Familienleben zu führen. Der "gebundene Ganztag" an der Gesamtschule kommt anderen Familien entgegen. Die "Realschule plus" bereitet nach Angaben von Joachim Sczyrba Schüler gezielt auf das anschließende Berufsleben vor. Schon jetzt beteiligt sie sich selbstverpflichtet am Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss" (KAoA). Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Verein "baseL", einem ursprünglich aus der Gesamtschule entstandenen Projekt der Berufseinstiegsbegleitung, werden Realschüler mittlerweile schon mit Erfolg an Ausbildungsbetriebe vermittelt. In Zusammenarbeit mit der Gesamtschule hat die Realschule auch begonnen, die veränderten Bedingungen durch die größere, heterogene Schülerschaft aufzugreifen.

Grundlage des neuen Konzepts ist das längere gemeinsame Lernen in den Stufen 5 und 6, das alle aus der Grundschule kennen. Vor drei Jahren leitete die Realschule bereits Veränderungen ein. Sie installierte Doppelstunden für neue Unterrichtsformen und gab Zeit für die Arbeit mit neuen Materialien. In der Kooperation tauschen sich Fachschaften von Realschule und Gesamtschule längst regelmäßig aus. "Aus einem breiten Erfahrungsschatz ihrer alltäglichen Arbeit schöpfen sie Impulse für den Unterricht und damit für die Schüler", berichten Sczyrba und Angelika Eller-Hofmann (Gesamtschule) übereinstimmend. Zentrale Abschlussprüfungen in den Kernfächern sichern die einheitlichen Qualitätsstandards der Abschlüsse beider Schulen.

Auf dem Fundament des "Längeren gemeinsamen Lernens" stehen somit zwei Säulen: Eine führt unmittelbar zur Berufsreife, nimmt also Bedürfnisse auf, die man von der Hauptschule kennt und die auch die Gesamtschule vermittelt. Die andere Säule führt zum klassischen Realschulabschluss bzw. zur Fachoberschulreife.

Weil die Anforderungen in der Wirtschaft nach qualifiziertem Nachwuchs steigen, bereitet die Realschule ab Klasse 7 Schüler auf die Berufsreife vor. Kinder, denen das schulische Lernen schwerer fällt, können ihre praktischen, berufsorientierten Fähigkeiten ausbauen. Das Säulensystem ist durchlässig: Kinder können jährlich von der einen zur andere Säule umsteigen. Die Wechsel werden von der Konferenz in enger Absprache mit den Eltern beschlossen.

Die Schulleitungen setzten sich dafür ein, dass die vorhandene Vielfalt der Systeme in der Stadt erhalten bleibt. Eltern sollten weiterhin die Wahl haben, die für ihr Kind richtige Schule in Nettetal zu finden.

Quelle: RP
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