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Nettetal
Schnell noch ein Selfie mit dem Nikolaus

Nettetal. Im Lobbericher "Haus der Begegnung" feierten rund 250 Flüchtlinge, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Mitglieder der CDU eine adventliche Begegnung. Es entwickelte sich eine fröhliche und anrührende Feier. Von Joachim Burghardt

Farblich passten der Mann im roten Gewand und die Frau mit rotem Kopftuch gut zusammen. Als der Nikolaus in den adventlich geschmückten Saal einzog, stimmte Hayfa Kassas das Lied "Heute kommt der Nikolaus" an. Manche der rund 250 Flüchtlinge sangen mit, die meisten klatschten im Takt. Es war der Auftakt einer fröhlichen und anrührenden Adventsfeier, zu der die CDU ins Haus der Begegnung von Robert Hellmann eingeladen hatte.

Die vielen Kinder hüpften und lachten. Sie zwängten sich durch die Stuhlreihen und schwenkten Nationalfähnchen vieler Länder. Das lustige Treiben der Kleinen war wie ein Symbol: Gemeinsam im Advent, in der Zeit der Ankunft, Deutsche und Menschen aus anderen Kulturkreisen, die geflohen sind vor Krieg und Terror. Sie wurden freundlich aufgenommen und schenkten Herzlichkeit zurück.

"Auch die vielen Menschen, die nicht der christlichen Kirche angehören, feiern mit uns Advent und Weihnachten", sagte Lobberichs CDU-Vorsitzender Harald Post. Seine Worte übersetzte Kassas, die Vorsitzende des Integrationsrates, ins Arabische. Sie erklärte das Symbol der vier Kerzen des Adventskranzes, den Brauch, einen Tannenbaum zu schmücken, und den Heiligabend als Fest der Geburt Jesu Christi.

Die große Zahl der Gäste und die fröhliche Stimmung rührte Post: "Unsere Idee war, Flüchtlingen, die länger und vielleicht auf Dauer mit uns zusammenleben, unser weihnachtliches Brauchtum zu erklären." Das gelang, denn das Interesse war riesengroß und begeisterte die Neubürger, die aus allen Stadtteilen kamen. Sie saßen an geschmückten Tischen mit Weihnachtsgebäck und feierten unter dem Adventskranz. Geduld musste der Nikolaus aufbringen: Vor allem jugendliche Flüchtlinge posierten mit ihm für Handy-Fotos: "Mister Nikolaus, please, schnell noch ein Selfie", bat ein junger Mann lachend.

"Liebe Freunde aus vieler Herren Länder", grüßte Bürgermeister Christian Wagner die Runde. Er sprach vom "gemeinsamen Weg trotz mancher Schwierigkeiten". Gemeinschaftlich ging es wirklich zu. Überall entwickelten sich bald Gespräche zwischen Gästen und Gastgebern, auf Deutsch, auf Englisch, teils mit Händen und Füßen: Als Mohammad auf die Weihnachtsplätzchen zeigte und den Daumen hochhielt, verstand jeder am Tisch, dass es ihm schmeckte.

Immer wieder mussten noch mehr Stühle, noch mehr Tische, noch mehr Gedecke in den Saal getragen werden, damit jeder einen Platz bekam. Dabei halfen alle mit, Christdemokraten, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und manche Gäste, von denen viele auch schon Weihnachtslieder mitsangen. "Bei einigen ist der Asylantrag bewilligt, sie haben schon ein wenig Fuß gefasst", erklärte Nimet Said vom Integrationsrat und der Nettetaler Flüchtlingshilfe.

Auch Marouf und seine Freunde tragen zur Adventsfeier bei. Sie musizierten, sangen kurdische Lieder und tanzten unter einem Plakat mit dem Konterfei der Kanzlerin. Im Saal wurde kräftig mitgeklatscht. Besinnlicher wurde es, als der Chor Kosimi Weihnachtslieder anstimmte - aber nur kurz: "Ach, hier ist so eine fröhliche Stimmung", meinte Chorleiter Udo Schröder und ließ Gospels singen: "Clap Your Hands!" Ein Hauch von Weihnachtsparty.

Beim Abschied nach über drei Stunden gab es allenthalben großes Händeschütteln, immer wieder ein "Dankeschön!", Winken und viele Umarmungen. Harald Post lachte und wünschte jedem Gast zum Abschied "Fröhliche Weihnachtstage!" Die hatten längst begonnen an diesem Abend.

Quelle: RP
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