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Nettetal
Schöner Wohnen bei harter Waldarbeit

Nettetal. Der Verein Sequoiafarm hat das Arboretum im Grenzwald übernommen. Michael Geller ist der neue "Farmvogt". Von Heinz-Willi Schmitz

"Mein Job ist jetzt ganz einfach die Sequoiafarm", sagt Michael Geller. Das klingt schlicht, doch ab sofort hat der 46-jährige Kölner einen Berg von Aufgaben. Denn er wird künftig als "Farmvogt" das Arboretum im Grenzwald betreuen. Der Verein Sequoiafarm hat das Gelände von den Stadtwerken Nettetal übernommen. Er will das Arboretum erhalten und ausbauen.

Möglich ist das nur mit vielen Unterstützern und Mitgliedern. Der Verein möchte die Sequoiafarm zur Begegnungsstätte für Naturinteressierte machen – für Fachleute, Wanderer oder Ruhesuchende. Bis das Gelände so hergerichtet ist, wie es der Verein sich vorstellt, wartet noch viel Arbeit.

"Farmvogt" Michael Geller ist Grafik-Designer. Dass er sich jetzt um Fauna und Flora auf dem Gelände im Wald kümmert, liege nahe, sagt er. Die Natur, Klettern und Bergtouren zählen zu seinen Hauptinteressen. Seit 2006 ist er in ganz Deutschland unterwegs, um Standorte von Mammutbäumen aufzuspüren. "Insbesondere hat es mir der seltene Küstenmammutbaum angetan", erklärt Geller. Der Besuch zahlreicher Arboreten steigerte sein Interesse am Artenreichtum und an der Konzeption. "Planung, Organisation und nicht zuletzt die anliegenden Arbeiten auszuführen kann man nur gewährleisten, wenn die Sequoiafarm ständig bewohnt ist", meint Geller.

"Dass dieser Posten an mich gefallen ist, mag den einen oder anderen neidvollen Blick auslösen – Sie wohnen aber schön", schmunzelt Geller. Nicht sichtbar werde die verantwortungsvolle Aufgabe mit finanziellen Einbußen, Verzicht auf Luxus und täglicher harter Arbeit. Die lasse sich nur mit einer großen Portion Idealismus umsetzen. Gerade der Start im langen Winter habe ihm schnell Grenzen aufgezeigt. Aber es sei eben etwas Besonderes, wenn Rotkehlchen, Goldhähnchen und in der Dämmerung ein Reh oder Wildschwein neugierig schauen, was der Mann zwischen den Brombeerranken so veranstaltet.

Gegründet haben die Sequoiafarm die Eheleute Dr. Ernst J. und Dr. Illa Martin, die in Kaldenkirchen eine Zahnarztpraxis unterhielten. Ihr in Viersen lebender Sohn Erik unterstützt Michael Geller unterstützt. Er steht auch für Führungen zur Verfügung. Erik Martin berichtet, dass unter anderem die frostempfindlichen Küstenmammutbäume (Sequoia sempervirens) durch strenge Selektion abgehärtet wurden. Am Niederrhein, im Rheintal und in Weinbau-Klimazonen hätten sie dadurch gute Chancen.

Konkret muss im hinteren Teil der Sequoiafarm stark ausgelichtet werden, um Platz zu schaffen. Die Artenvielfalt soll erhöht werden. Zwischen Heidehaus und Bungalow ist ein Sortengarten für klein bleibende und seltene Züchtungen von Sequoiadendron und Sequoia geplant. Freiräume wurden bereits geschaffen. Hier wird mit dem bei Dendrologen hochgeschätzten Nelis Kools aus Deurne zusammengearbeitet.

Im Laufe der Jahrzehnte gingen durch die zunehmende Beschattung etliche Arten verloren. Sie sollen zumindest als Einzelpflanzen wieder auf dem Gelände zu finden sein, beispielsweise Sumpfzypresse, Schirmtanne oder Südbuche. Die klimatische Lage begünstigt Versuche mit Exoten wie Wollemi Pine, Taiwanie, Schuppenfichte und anderen Arten. Auch "vergessene" heimische Arten wie Elsbeere und Speierling sind in der planerischen Diskussion.

Der gegenüberliegende Towana-Wassergarten, in dem es leider einige mutwillige Zerstörungen gab, wird derzeit von den Stadtwerken wieder hergerichtet. Er soll voraussichtlich im Mai wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

(RP/rl)
 
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