| 00.00 Uhr

Nettetal
Schulpolitik steht am Scheideweg

Nettetal: Schulpolitik steht am Scheideweg
Wohin die Wege der Nettetaler Kinder führen, wenn sie die Grundschule verlassen, ist offen. Die Stadt hat Eltern befragt, am Dienstag gibt es eine umfassende Informationsveranstaltung in der Werner-Jaeger-Halle für Familien mit Dritt- und Viertklässlern. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die Stadt Nettetal muss sich festlegen: Macht sie mit einer Realschule "plus" weiter? Oder schließt sie bis auf Gymnasium und Gesamtschule alle anderen weiterführenden Schulen? Die Politik gibt sich noch unentschieden. Von Ludger Peters

Die Stadt Nettetal steht vor der tiefgreifendsten Veränderung ihrer Schullandschaft seit der Einführung der Gesamtschule zu Beginn der 1990er-Jahre. Zur Entscheidung stehen zwei Möglichkeiten: Die Stadt leitet im Sommer das Ende der Hauptschule und der Realschule - beide in Kaldenkirchen - ein. Dann setzt sie ausschließlich noch auf die Gesamtschule und das Werner-Jaeger-Gymnasium ab Klasse fünf. Oder sie folgt dem dringenden Rat ihrer Schulleiter, die neben Gymnasium und Gesamtschule in Kaldenkirchen noch die Realschule mit einer erweiterten Perspektive empfehlen.

"In den Fraktionen gibt es noch keine gefestigte Meinung. Bei uns in der CDU gibt es für beide Lösungen Befürworter, andere warten noch ab. Sie erhoffen sich von der Befragung der Eltern von Dritt- und Viertklässlern Argumentationshilfen", sagt der Vorsitzende des Schul- und Sportausschusses, Holger Michels (CDU). Der Breyeller hat in den vergangenen Wochen auch mit Vertretern anderer Fraktionen gesprochen. Auch dort heiße es: "Wir wissen noch nicht, wie wir uns entscheiden werden. Uns fehlen noch wichtige Grundlagen."

Einig ist sich die Politik offenbar darin, tatsächlich die Hauptschule aus dem Angebotskanon in Nettetal zu streichen. Die Hoffnung, mit der Zusammenlegung der Lobbericher und Kaldenkirchener Hauptschule das System zu erhalten, hat sich zerschlagen. Wenn immer wieder 200 und manchmal noch mehr Kinder eines Jahrgangs von ihren Eltern an der Gesamtschule und nur noch fünf originär an der Hauptschule angemeldet werden, dann muss man schon sehr weltfremd oder ideologisch komplett verblendet sein, um weiterhin für die Hauptschule zu kämpfen.

"Die Zukunft der Hauptschüler ist für viele der Knackpunkt überhaupt", sagt Holger Michels. Das von den Schulleitern favorisierte Modell der "Realschule plus", das in Nordrhein-Westfalen nicht einmal offiziell verankert ist, erfüllt viele Politiker mit Skepsis. Wie Schüler mit einer Hauptschulempfehlung einigermaßen gerecht und angemessen auf die Real- und die Gesamtschule verteilt werden, können sie sich nicht vorstellen. Andererseits fehlt vielen auch die Fantasie, sich vorzustellen, wie eine bundesweit hochrangig angesiedelte Gesamtschule auf zwei Standorte verteilt wird, deutlich vergrößert wird und dann das gesamte Spektrum aller Schüler aufnimmt, die nicht direkt zum Gymnasium wechseln.

"Die Befragung der Eltern ist ein wichtiger Baustein in der Schulentwicklungsplanung", meint Schuldezernent Armin Schönfelder. Die Stadt hat die Eltern von Dritt- und Viertklässlern gebeten, ein Bündel von Fragen zu beantworten. Sie sind weitgehendend ausgewertet. Nun folgt am morgigen Dienstag, 20. Oktober, um 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich. Rund 500 Eltern werden an diesem Abend erwartet, denen die Alternativen Gesamtschule und Gymnasium oder Gesamt-/Realschule plus und Gymnasium für die Zukunft vorgestellt werden.

Kritik, dass auch Eltern älterer Kinder befragt werden müssten, kann Schönfelder nachvollziehen. Aber: "Sie haben ja schon eine Wahl getroffen, auch wenn sich das System jetzt ändert und sie nur ein Jahr beispielsweise weniger als die Neulinge darin verbringen werden. Aber noch mehr Befragungen und Informationsveranstaltungen können wir nicht leisten." Der Dezernent weist darauf hin, dass die Schulkonferenzen, damit auch die offizielle Elternpflegschaft, bereits Beschlüsse gefasst haben.

Holger Michels ist sicher, dass der Stadtrat eine "von allen Ideologien freie Entscheidung" treffen wird. Aber einige Fragen lassen ihn ratlos zurück: Wie geht die Stadt mit der steigenden Zahl von Flüchtlingskindern auch in weiterführenden Schulen um, und wie wird die Inklusion in einem neuen System umgesetzt? Ob die Zeit reicht, um bis Anfang November eine so weitreichende Entscheidung auf der Grundlage klarer Strukturen zu schaffen, kann er nicht eindeutig beantworten.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nettetal: Schulpolitik steht am Scheideweg


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.