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Nettetal
Seit 175 Jahren Gesang zum Lobe Gottes

Nettetal: Seit 175 Jahren Gesang zum Lobe Gottes
Barbara Bruns (vorne rechts) leitet den Lobbericher Kirchenchor, der sich zurzeit auf ein festliches Konzert zum 175-jährigen Bestehen vorbereitet. FOTO: ivb
Nettetal. 1841 gründete der junge Lehrer Eduard Istas in Lobberich den ersten Männerchor am Niederrhein. Daraus entwickelt sich später, durch eine Aufspaltung in liturgischen und weltlichen Gesang, der Kirchenchor der Pfarre St. Sebastian Von Inge von den Bruck

Es ist überliefert, dass Hausweber bei ihrer mehr oder minder einsamen Arbeit ganz gerne sangen. Viele hielten sich auch einen oder mehrere Singvögel. Aber am liebsten sangen sie selber während der Arbeit, um sich die Zeit ein wenig zu vertreiben. Gesungen wurde mit der beginnenden Industrialisierung. In diesem Jahr wird der Lobbericher Kirchenchor 175 Jahre alt. Seine Wurzeln gehen mit einiger Sicherheit auf die Sangesfreude der Menschen zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Der Junglehrer Eduard Istas, dem in Lobberich in der Nähe des Krankenhauses eine Straße gewidmet ist, gründete 1841 einen Männer-Gesangverein. Es war der erste Männerchor am gesamten Niederrhein. Diesen Chor leitete Istas bis zu seinem Tod als Dirigent. Das Repertoire war recht unterschiedlich. Es umfasste einerseits liturgische Gesänge, ließ aber auch Raum für weltliche Lieder in öffentlichen Konzerten. Istas und seine Sänger zeigten auch einen gewissen Ehrgeiz in der Güte des Vortrages. So wurde der Männerchor 1852 bei einem Gesangswettstreit sogar preisgekrönt.

Allerdings entwickelte sich ein interner Richtungsstreit, der den Chor schließlich spaltete. Mehrere Mitglieder wollten sich allein weltlichen Liedern widmen. Sie verließen den Chor und gründeten einen selbstständigen Verein. Die andere Gruppe legte sich fest auf liturgische Dienste: Als Kirchenchor trug sie nun ausschließlich zur Verschönerung der Gottesdienste bei.

Dem nun reinen Kirchenchor gliederte Eduard Istas einen Knabenchor an. Nun konnten die Hochfeste der Kirche gesanglich noch schöner und abwechslungsreicher gestaltet werden. Später wurde der Knabenchor vom "Jungfrauenchor" verdrängt - anfangs war es undenkbar, dass Frauen ebenfalls mitsangen. Einen tiefen Einschnitt brachte die Nazi-Diktatur ab Januar 1933. Der Chor wurde in seiner Arbeit durch Verbote und Schikanen stark eingeschränkt. Aber die Sängerinnen und Sänger hielten dem Chor und ihren tief religiös verwurzelten Aufgaben die Treue. "Aber es wurde weiter gesungen, so gut es eben ging", schreibt Max Zanders in seinem Buch zur "Geschichte des Kirchenchores St. Sebastian Lobberich 1841 - 1981". Nach dem Ende des Krieges nahm der Kirchenchor seine Arbeit sofort wieder auf. Bereits 1945 erklang wieder Gesang von der Orgelbühne, die vorher noch vom Schnee befreit werden musste.

In den Nachkriegsjahren erlebte der Kirchenchor durch die Gründung einer Choralschola und eines neuen Knabenchores einen bemerkenswerten Aufschwung. Dirigent war seinerzeit Heinz Spratte. In den 1970er-Jahren wurde der Knabenchor in einen Kinderchor mit geänderten Aufgaben umgewandelt. Unter der Leitung von Wolfgang Seifen, seinerzeit jüngster Organist im Bistum Aachen, fielen 1976 die Aufführungen zeitgenössischer Werke. Ihm folgte nach seinem Wechsel nach Kevelaer 1983 Ulrike Görlich (später Botzet), danach war ihr Ehemann Berthold Botzet Chorleiter.

Das Ehepaar prägte bis ins Jahr 2000 den Chor. In dieser Zeit intensiver liturgischer Arbeit stieg Lobberich zur "Schwerpunktstelle Chormusik im Bistum Aachen" auf. Nach deren Weggang nach Aachen übernahm Kirchenmusiker Markus Behlmann den Chor, der weiterhin mit gelungenen Aufführungen glänzte. Doch finanzielle Sorgen der Kirche wirkten sich aus. Das Gehalt der Kirchenmusiker wurde gekürzt, Lobberichs Stellung als musikalischer Schwerpunkt fiel weg. Die Chorleiter wechselten, es kam Unruhe in den Chor. Die finanziellen Spielräume schrumpften, bis aus zwei Gemeinden eine Einheit wurde - auch in der Kirchenmusik. Barbara Bruns ist seit einigen Jahren Organistin und Chorleiterin in St. Peter Hinsbeck und St. Sebastian Lobberich. Seit dem Jahr 2010 gibt der "Förderverein Kirchenmusik an St. Sebastian", finanzielle und organisatorische Schützenhilfe.

Quelle: RP
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