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Nettetal
Sinatra schwarz auf weiß in Nettetal

Nettetal: Sinatra schwarz auf weiß in Nettetal
Die 77 Sinatra-Bilder hängen, Ulrich Schmitter ist zufrieden, während Frankie Boy verträumt aus dem Fenster der Werner-Jaeger-Halle schaut. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Der Verein Nettetaler Literaturtage widmet dem amerikanischen Sänger und Schauspieler zum 100. Geburtstag eine Fotoausstellung. Der Kulturkreis der Wirtschaft präsentiert dazu im Konzert Roger Pabst & The Swinging Strangers. Von Ludger Peters

Ehe Linda Eastman Paul McCartney heiratete, war sie eine sehr angesagte Fotografin mit besten Beziehungen zu den Stars der Rock- und Jazzmusik, von Aretha Franklin bis zu Neil Young. Der Verein Nettetaler Literaturtage plante für diesen Herbst eine Ausstellung ihrer Fotos und hatte bereits die Zustimmung der Sparkassen-Stiftung, die die Veranstaltung sponsert. Doch jetzt hängen in der Werner-Jaeger-Halle 77 Fotos Frank Sinatras. Keines hat Linda Eastman aufgenommen.

Der Vorstand des Vereins wollte Eastman-Fotos für die Ausstellung bei der Agentur Reichelt und Brockmann ordern. "Peter Reichelt und Ina Brockmann wiesen uns dann aber darauf hin, dass Frank Sinatras 100. Geburtstag in diesem Jahr am 12. Dezember gefeiert wird. Im Vorstand fiel schnell der Beschluss umzuschwenken. Die Stiftung hat dem zugestimmt. Daher hängen nun Sinatra-Fotos hier in Lobberich", erklärt Vorsitzender Ulrich Schmitter.

Die Literaturtage und der Kulturkreis der Wirtschaft Nettetal fanden über Sinatra zusammen: Die Literaturtage präsentieren die Ausstellung, der Kulturkreis hat Roger Pabst & The Swinging Strangers verpflichtet. "Das passt natürlich wunderbar zusammen", schwärmt Schmitter. Am Freitag, 16. Oktober, wird zunächst um 18.30 Uhr die Ausstellung eröffnet, das Konzert folgt um 20 Uhr.

Damit bleibt Zeit zur Einführung in die Ausstellung. Die nahezu ausschließlich schwarz-weißen Fotos machte Bob Willoughby zwischen 1953 und 1965. Damals begann die Karriere Sinatras als Schauspieler. Die meisten Fotos entstanden 1959 bei den Filmarbeiten zu "Can Can", als Sinatra bereits die Dreharbeiten mitbestimmen konnte. Sie zeigen ihn in Drehpausen, bei Besprechungen und bei Proben. Immer wirkt er entspannt und locker, auch in Szenen, in denen er kaum bemerkt haben dürfte, dass Willoughby ihn fotografierte. Andere Fotos zeigen Sinatra allein, mit Judy Garland, Kim Novak oder Burt Lancaster und mit den Kumpanen des "Rat Pack": Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis jr., Joey Bishop und Peter Lawford (sowie Shirley MacLaine) bildeten jenes "Schurkenpack" aus Entertainern, das mit seinen Auftritten zu Beginn der 1960er-Jahre schier unsterblich wurde. Skurril sind Aufnahmen in entspannter Sauna-Atmosphäre, es gibt außerdem Fotos mit der jungen Tochter Nancy vor einem gemeinsamen Auftritt - sie hypernervös, er gelassen.

Sinatra hatte das "Crooning" bereits in seinen Anfängen bei Tommy Dorsey bis zur Perfektion entwickelt. Sein ungewöhnliches Können als Sänger stach schnell heraus, zumal die sonore Stimme perfekt jenen Gesangsstil beherrschte, den das "Crooning" auszeichnet: Es ist ein sinnlicher, sanfter und einschmeichelnder Stil, den die Tontechnik jener Zeit erst ermöglichte. Sinatras Auftreten, seine ganze Haltung entsprach genau diesem Stil, wurde zum Vorbild für viele, die ihm im Laufe der Jahre nacheiferten. Erreicht hat ihn nie jemand.

Willoughbys Bilder beschränken sich in der Ausstellung im Wesentlichen auf den Schauspieler, der Sänger ist eher beiläufig abgebildet. Ausgespart sind andere Bühnen, auf denen Sinatra sich auch tummelte. Er war nicht nur unter Sängern, Schauspielern, Regisseuren und Autoren bestens vernetzt, sondern auch mit der Politik. Sinatra kannte Ronald und Nancy Reagan - den Präsidentschaftswahlkampf des früheren Schauspielers unterstützte er sehr. Zuvor hatte er als ganz junger Sänger sogar bereits Franklin D. Roosevelts Kampagne gefördert. Gerüchte über eine enge Verbindung zur Mafia gab es schon zu Sinatras Lebzeiten und auch entsprechende Ermittlungen - zumindest kannte man sich, und es gab geschäftliche Verbindungen. Sinatras andere Seite: Er unterstützte den Bürgerrechtler Martin Luther King.

Quelle: RP
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