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Nettetal
Somedi hilft in einem Leprazentrum

Nettetal: Somedi hilft in einem Leprazentrum
Ein jüngerer Mann legt Beinprothesen an. Stefan Voormans wundert sich immer wieder, wie schnell die Menschen die Hilfsmittel beherrschen. FOTO: somedi
Nettetal. Der Nettetaler Verein organisiert an diesem Wochenende ein "Mobility Camp": Im Leprazentrum Dhanbad erhalten mehr als 500 Menschen Prothesen, Hörgeräte, Krücken und Rollstühle mit Hilfe einer Organisation in Mumbai. Von Ludger Peters

Am Wochenende bricht ein fünfköpfiges Team von Mumbai aus auf nach Dhanbad. In der indischen Stadt schlägt es ein Camp am Damien Social Welfare Centre auf. Das ist ein Lepra-Zentrum, in dem mehr als 500 Menschen dringend auf vielfältige Unterstützung warten. Eingefädelt hat die Aktion der Nettetaler Verein Somedi. Stefan Voormans aus Lobberich, Geschäftsführer des Vereins hatte die Idee im Januar bei einem Aufenthalt in Indien.

"Von Samstag bis Montag wird das Team ein Screening vornehmen. Die hilfsbedürftigen Menschen werden im Camp einer Diagnose unterzogen mit dem Ziel, zu erfahren, welche Hilfsmittel sie benötigen. Diese Hilfsmittel, es werden überwiegend Prothesen sein, werden im Voraus angemessen und zu einem späteren Zeitpunkt dann bei einer Feinabstimmung genau angepasst", erklärt Voormans.

Ein kleiner Junge erhält eine Prothese angepasst. Die Mobility Camps in den Leprazentren machen dies erst möglich. FOTO: NN

Erstmals organisiert Somedi das Camp alleine mit dem Ratna Nidhi Charitable Trust in Mumbai. Dort ist man spezialisiert auf die Anfertigung von Prothesen, es gibt langjährige Kontakte zu Somedi. Voormans schlug im Januar den Kontakt mit Dhanbad vor. "Das Thema bekam eine ganz eigene Dynamik. Die Prothesenwerkstatt nahm Kontakt zum Leprazentrum auf, es begannen erste Absprachen. Im Vorfeld stand schließlich fest, dass insgesamt 516 Personen Hilfe bekommen werden. 75 von ihnen erhalten Prothesen, die nach dem Screening im Mumbai grob gefertigt und durch ein Team drei Wochen später in Dhanbad dann feinabgestimmt angepasst werden", erläutert Voormans.

Der Vorteil dieser Prothesen liegt auf der Hand. Die Materialien sind schlag- und stoßfester Kunststoff ("Ähnlich wie Abflussrohren, die wir hier bei uns kennen" - Voormans). Wichtig ist, dass die Prothesen nach etwa zwei Jahren selbst gerichtet werden können. Die schlichte Mechanik kann von den hilfsbedürftigen Menschen eigenhändig in Ordnung gebracht werden.

Ein älterer Mann testet eine Hörhilfe - die Geräte sind sehr einfach konstruiert und können über Steckdosen aufgeladen werden. FOTO: NN

Vergleichbar verhält es sich mit Hörhilfen, die nichts mit den hochmodernen Geräten gemein haben, die in unseren Breiten üblich sind. "Allein ein Satz Batterien kostet dort einen ganzen Monatslohn. Die Hörgeräte sind ganz einfach konstruiert und können nachts aufgeladen werden", berichtet der Somedi-Geschäftsführer. 321 Hörgeräte werden in Dhanbad angepasst und übergeben. Hinzu kommen 13 Schienen zur Stabilisierung von Gliedmaßen, vergleichbar Hilfen für Polio-Kranke, und 105 Krücken sowie in Rollstuhl.

Eine Prothese kostet umgerechnet etwa 35 Euro, das gilt auch für den Rollstuhl. Krücken bleiben knapp unter zehn Euro, Hörgeräte und Schienen dürften etwa 20 Euro kosten. Somedi trägt die Kosten der Aktion, Voormans wird sich demnächst an ort und Stelle den Erfolg selbst wieder ansehen. Er ermuntert Menschen immer wieder, ihn auf die Reise durch den Subkontinent zu begleiten und die segensreiche Arbeit von Somedi und befreundeten Organisationen unmittelbar zu verfolgen.

Voormans ist mit Recht stolz auf die Leistung, die das Camp möglich machte. "Normalerweise benötigt man etwa drei Wochen Vorlauf. Dieses Camp ist schneller und spontaner vorbereitet worden." Zwar sind sehr viele Inder in den ländlichen Räumen Analphabeten, "aber in fast jeder Wohnung flimmert ein Fernseher. Zwischen den Filmen, die gezeigt werden, läuft da immer mal wieder ein Spot, der für das Camp wirbt. So kommen Menschen aus einem Umkreis von etwa hundert Kilometer ins Camp, um sich oder Angehörigen helfen zu lassen", berichtet der Lobbericher.

Auf der Internetseite www.somedi.de/projekte gibt es weitere Informationen, darunter einen Film über Mobility Camps. Dort finden interessierte Bürger auch Kontakte.

Quelle: RP
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