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Nettetal
Sozialer Wohnungsbau als Pilotprojekt

Nettetal: Sozialer Wohnungsbau als Pilotprojekt
Der Neubau an der Breslauer Straße wurde in einer Rekordzeit umgesetzt, um noch an Fördergelder zu kommen. Ähnliche Projekte könnten bald folgen. FOTO: jobu
Nettetal. An der Breslauer Straße in Kaldenkirchen errichtete die Baugesellschaft Nettetal ein Haus, in dem zunächst Flüchtlinge untergebracht werden. Langfristig sollen die Wohnungen auf dem sozialgebundenen Markt vermietet werden Von Joachim Burghardt

Bäume verdecken von Weitem die Fassade, die sich aus der Nähe durchaus ansehnlich präsentiert mit schmucken Backsteinen und Balkonen. Modern und zweckmäßig das Gebäude von innen, die acht kleinen Wohnungen stehen noch leer. Nichts Spektakuläres also, und doch lobte Bürgermeister Christian Wagner (CDU): "Das ist ein Pilotprojekt für die Stadt und den Kreis." Am Freitag übernahm die Stadt offiziell als Mieter von der Baugesellschaft Nettetal den Neubau, in dem zunächst Flüchtlinge wohnen werden, der langfristig indes als sozialer Wohnungsbau dienen soll.

"Man kann schon sagen, dass wir hier so zusagen als Vorreiter in Rekordzeit ein Objekt hochgezogen haben", meinte Susanne Fritzsche. Es war Nettetals Technische Beigeordnete und Vorstandssprecherin der Baugesellschaft, die immer wieder auf den wachsenden Bedarf an sozialem Wohnungsbau, vor allem mit kleinen Wohnungen für Alleinstehende, Alleinerziehende und Geringverdiener auch in Nettetal hingewiesen und auf rasches Handeln gedrängt hatte. Dass dann alles so schnell ging, war vor rund einem Jahr noch nicht abzusehen.

"Neue Förderprogramme zielten darauf ab, Objekte des sozialen Wohnungsbaus zu realisieren - mit der vorläufigen Zweckbindung, dass sie, solange Bedarf besteht, als Flüchtlingsunterkünfte dienen. Und das war genau, was wir wollten", erklärte Sven Karth, Geschäftsführer der Baugesellschaft. Allerdings drängte die Zeit, um Gelder aus dem Fördertopf zu bekommen: Für das Gelände der bereits bestehenden Notunterkünfte mit Spielplatz, die heruntergekommen sind und wohl bald aufgegeben werden, musste man den Bebauungsplan ändern. Was sich normalerweise über Monate hinzieht, konnte "in allerkürzester Zeit auf den Weg gebracht werden, und die Bauzeit betrug dann sogar nur knapp neun Monate", so Fritzsche. Sie bedankte sich ausdrücklich beim Kreis, den übergeordneten behördlichen Stellen, der Verwaltung und Politik. Zudem sei man froh über die bewährte Zusammenarbeit mit dem Lobbericher Architekten Marcus Lücker, der schon die neue Flüchtlingsunterkunft am Caudebec-Ring geplant hatte; auch die beteiligten Firmen hätten zügig und gut gearbeitet.

Und doch schien das Projekt anfangs unter keinem guten Stern zu stehen. Karth erinnerte an "Irritationen in der Nachbarschaft", weil man dort irrtümlich ein größeres Bauprojekt befürchtete: "Das legte sich schnell, wir registrieren nun eher ein wohlwollendes Interesse, zumal das Gebäude sich hier ja harmonisch ins Wohngebiet einfügt."

Nun wird in den nächsten Tagen die Außenanlage bepflanzt, innen sind letzte Kleinigkeiten zu erledigen, und der noch leere Aufzugschacht muss sicher verkleidet werden: "Sobald der Bedarf als Flüchtlingsunterkunft nicht mehr besteht und die Umwandlung in sozialen Wohnungsbau erfolgt, kann hier ein Aufzug eingebaut werden, das Gebäude ist ja vom Zugang bis zu den Bädern barrierearm", erläuterte Fritzsche.

Und die Verantwortlichen denken schon weiter: Dem Vernehmen nach sind ähnliche Objekte, sowohl mit der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen (GWG) als auch mit der Baugesellschaft, im Gespräch. Dazu Karth: "Der soziale Wohnungsbau hat Zukunft, aber man muss jetzt schnell planen und handeln, denn wer weiß, wie nach den Land- und Bundestagswahlen im nächsten Jahr die Förderprogramme aussehen."

Quelle: RP
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