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Nettetal
Spargel: Schälen, kochen und genießen

Nettetal: Spargel: Schälen, kochen und genießen
Im Genholter Hofladen gibt es bereits den ersten Spargel des Jahres. Gertrud Ingenrith hält weißen und grünen Spargel in den Händen. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Nettetal. Trotz Kälte und Regen an diesem Wochenende: In Nettetal und Brüggen haben die Bauern mit der Ernte begonnen Von Sabine Janssen (Text) und Franz-Heinrich Busch (Fotos)

Mit der Saisoneröffnung ist das so eine Sache. Man weiß halt nie, ob der Spargel pünktlich kommt. Nicht, dass die weißen Stangen ein ausgesprochen launisches Gemüse wären, aber wenn das Frühjahr zu kalt ist, wächst es eben nicht. "Vor zwei Jahren mussten wir die Eröffnung der Spargelgastronomie verschieben. Das Frühjahr war zu kalt. Der Spargel war noch nicht da", erzählt Hermann Ingenrieth vom Genholter Hof in Brüggen. In diesem Jahr ist es zwar auch kalt, aber es hat gereicht: Der Spargelhof Bonnacker in Nettetal sticht seit wenigen Tagen Spargel. Herrmann Ingenrieth hat in seinem Restaurant die Saison eingeläutet.

Die derzeitig kühlen Temperaturen gefallen dem Kaldenkirchener Spargelbauern Willi Bonnacker nicht so recht. "Wir brauchen zwölf Grad Celsius in der Erde, sonst wächst der Spargel nicht. Bei Frost können auch die Köpfe gefrieren." Noch sind auf Bonnackers Feldern rund 80 Erntehelfer unterwegs. In der Hauptsaison stechen dort 140 Leute das weiße Gold vom Niederrhein. Hermann Ingenrieth sieht die Wetterlage etwas entspannter. "Ich bin zufrieden. Ein Frosttag wäre keine Katastrophe. Er hemmt nur das Wachstum. Bei der Apfelblüte ist das anders: Wenn die Blüten Frost bekommen, dann gibt es verkrüppelte Früchte." Für den Winter hätte sich der Brüggener allerdings mal eine Woche Frost gewünscht. "Das tut dem Boden und den Pflanzen gut. Das Wasser im Boden gefriert, dehnt sich aus und lockert so die Erde auf."

Handarbeit: Fünf bis zehn Kilogramm Spargel stechen die Erntehelfer pro Stunde, erklärt Hermann Ingenrieth. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Heikel sei auch, wenn es im März zu oft regne. "Dann bauen wir die Dämme auf. Wenn aber die Erde nass ist, wird sie später hart. Der Spargel würde dann später beim Wachsen durch den harten Boden krumm werden", erklärt Ingenrieth. Doch in diesem Jahr spielte das Wetter mit.

Zehn Erntehelfer stechen derzeit für den Genholter Hof Spargel. In der Vorsaison sind die Mengen noch überschaubar: fünf bis zehn Kilo pro Stunde. In der Hauptsaison steigert sich das. Dann arbeiten rund 25 Helfer auf Ingenrieths Feldern.

Der Preis befindet sich noch klar auf Vorsaison-Niveau: Ein Kilo der "Handelsklasse extra" kostet zwischen zehn und 13 Euro. "Andere Sortierungen liegen bei vier bis fünf Euro pro Kilo", sagt Ingenrieth, der zu den fünf Burgi-Spargelanbauern aus Brüggen-Bracht gehört.

"Ich bin froh, dass der Spargel seine Saison-Exklusivität behalten hat", sagt Ingenrieth. Mitte April beginnt die Ernte, und am Johannistag, 24. Juni, ist Schluss mit dem Stechen. Die Pflanze selbst liefert den Grund für das "Spargel-Silvester": Die mehrjährige Kultur braucht Ruhe. Die Pflanzen müssen eine gewisse Lichtmenge aufnehmen, um Kraft für die kommende Saison in den Wurzeln einzulagern. Zu lange Erntezeiten verzeiht der Spargel nicht. Er rächt sich dann im nächsten Jahr mit magerem Wachstum.

Überhaupt ist der Spargel anspruchsvoll. Allein bis zur ersten Ernte braucht er zwei Jahre Vorlauf. "Ich habe dieses Jahr ein neues Spargelfeld gesetzt. Im kommenden Jahr gibt es keine Ernte. Da sind es nur zarte Pflanzen. 2018, also in zwei Jahren, können wird dort erstmals Spargel stechen, und erst 2019 gibt es eine volle Ernte", erklärt der Spargelbauer. Rund acht Jahre wirft ein Spargelfeld dann Ertrag ab.

Die anstrengendste Zeit steht den Spargelbauern noch bevor: "Das ist im Mai rund um Pfingsten", sagt Ingenrieth. Dann freut er sich auch irgendwann aufs Spargel-Silvester, wenn er nicht mehr sieben Tage die Woche im Einsatz sein braucht.

Quelle: RP
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