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Nettetal
Stadt kontrolliert den Zugang zu Flüchtlingen

Nettetal: Stadt kontrolliert den Zugang zu Flüchtlingen
Die Zahl der Besucher in den Flüchtlingsunterkünften sei "nicht mehr übersehbar", heißt es bei der Stadt. Auch wenn viele nur helfen wollen, schreitet man nun ein und will Strukturen sowie eine zentrale Anlaufstelle schaffen. FOTO: jobu
Nettetal. Mehrfach wurden Unbekannte in Gemeinschaftsunterkünften angetroffen. Die ehrenamtliche Betreuung von Asylbewerbern in der Stadt koordiniert darum nun eine hauptamtliche Fachkraft Von Joachim Burghardt

Übereifer schadet nur. Das hat man bei der Flüchtlingshilfe Nettetal schnell erkannt und in Abstimmung mit dem Fachbereich Soziales im Rathaus die ehrenamtliche Betreuung von Flüchtlingen neu organisiert, die Aufgaben und die Verantwortungen verteilt sowie den Helfern Erfahrungsaustausch und Fortbildungen ermöglicht. Doch das alles reicht angesichts gestiegener Flüchtlingszahlen nicht mehr, zumal es auch um die Sicherheit in den Unterkünften geht: Für die Koordinierung ist nun eine hauptamtliche Fachkraft zuständig.

In einem Papier der Verwaltung heißt es dazu: "Um nun konzeptionell die Akteure und Tätigkeiten koordinierend auf den Bedarf abzustimmen und eine Struktur aufzubauen, wurde eine zentrale Stelle notwendig." Was in verständlichem Deutsch heißen soll: Eine sinnvolle Struktur muss her, die den Helfern helfen hilft, abgestimmt auf den Bedarf der Flüchtlinge. In der Praxis bedeutet das: Alle Fäden in der Flüchtlingshilfe laufen seit Monatsanfang im Auftrag der Stadt bei Peter Varevics von der Diakonie Krefeld-Viersen zusammen.

Peter Varevics von der Diakonie Krefeld-Viersen. FOTO: Kreis

Die vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben, ob Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen, Freizeitangebote und Sprachunterricht oder Spendenannahme, werden laut Ina Prümen-Schmitz vom Sozialamt zum Großteil vom Förderverein Flüchtlingshilfe in Abstimmung mit der Verwaltung organisiert. Doch es gebe darüber hinaus viele weitere Privatpersonen und kleine Initiativen, die sich engagierten. Man kenne nicht einmal ihre Gesamtzahl.

Vorfälle in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge machten die Probleme deutlich: "Mehrfach wurden Personen in den Unterkünften angetroffen", heißt es in einem Bericht der Verwaltung, "deren Absicht nicht geklärt werden konnte". Die Zahl der besuchenden Personen sei "nicht mehr übersehbar", eine ungestörte Privatsphäre der Bewohner nicht gewährleistet. Deshalb komme es nun auf die "Verhinderung böswilliger Aktivitäten" an, zudem dürfe die Arbeit der Ehrenamtler nicht behindert werden. Gründe genug, die geregelte Betreuung von Flüchtlingen in die Hände einer Fachkraft zu geben.

Mit der Diakonie, in der Region bereits in Sachen Flüchtlings- und Migrationsarbeit tätig, habe man dafür einen erfahrenen Träger beauftragen können, so Prümen-Schmitz - und mit Peter Varevics einen kompetenten Koordinator. Er ist übrigens mit einer halben Stelle auch Ansprechpartner der Initiative "Demokratie leben" im Kreis Viersen.

Zu Varevics' Aufgaben gehört es zum Beispiel neben Runden Tischen und Fortbildungen für Helfer, alle Ehrenamtler in der Betreuung von Flüchtlingen mit Personalien aufzulisten. Sie sollen eine Art Berechtigungskarte für den Besuch in Gemeinschaftsunterkünfte erhalten: "Nur dann ist ein Zugang möglich", heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Wer Kinder und Jugendliche betreue, müsse zudem ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Prümen-Schmitz: "Eine gute Koordination kommt sowohl den Flüchtlingen als auch den Helfern zugute."

Bei der Vorstellung des neuen Konzepts in der Flüchtlingsarbeit im Rathaus lobte Willi Pollmanns (CDU), Mitglied im Ausschuss für soziale Angelegenheiten, Bürgermeister Christian Wagner, der sich "von Anfang an in Sachen ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen als der große Motivator erwiesen" habe.

Wagner gab das Lob weiter: Obwohl noch nicht so lange im Amt, engagiere sich Ina Prümen-Schmitz mit ihrem Team im Fachbereich Soziales "über die Maßen kompetent und mit Herzblut".

Quelle: RP
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