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Nettetal
Stadt streicht Notfalltelefon für Bestatter

Nettetal: Stadt streicht Notfalltelefon für Bestatter
Hanno Helgers ist verärgert. Er befürchtet, dass sich an den Wochenenden nun die Aufträge anstauen. "Ich möchte nicht, dass trauernde Angehörige montags bei mir Schlange stehen müssen", sagt der Bestatter. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.
Nettetal. Ab 1. November gibt es keine Möglichkeit mehr, am Wochenende einen Beerdigungstermin festzulegen. Somit müssen Angehörige womöglich länger auf die Beisetzung warten. Bestatter Hanno Helgers fordert eine digitale Lösung Von Christina Böttner

Bisher können Angehörige sich täglich an die Bestattungsunternehmen wenden, sobald es einen Todesfall in der Familie gibt. Dann wird oftmals am gleichen Tag noch ein Beerdigungstermin ausgemacht, damit Karten gedruckt, Kränze bestellt und Beerdigungscafé und Anreisen gebucht werden können. Es steckt viel Planung in einer Beerdigung. Doch die kann erst beginnen, wenn der genaue Termin steht. Jetzt hat die Stadt Nettetal die Bestatter informiert, dass sie nur noch von montags bis freitags mittags Beerdigungstermine absprechen können.

"Bisher waren die Friedhofsvorarbeiter eine Stunde am Wochenende per Notfalltelefon für die Bestattungsunternehmen erreichbar", erläutert Rainer Lankes vom Nettebetrieb. "Da dies aber nur unnötige Kosten und Personalaufwand sind und es für die Angehörigen keinen Unterschied macht, ob sie samstags oder montags einen Termin ausmachen können, werden wir das Notfalltelefon zum 1. November abschaffen." An langen Feiertagswochenenden wie Ostern soll es aber eine Notfallnummer geben.

"Das ist schrecklich", sagt eine Angehörige, die vorgestern ein Familienmitglied beerdigt hatte. "Man möchte nicht so lange im Ungewissen sein. Es macht die Trauer schwieriger, da man erst später zurück in den Alltag finden kann." In ihrem Fall hatte sie den Bestatter direkt samstags morgens kontaktiert und für die Woche darauf einen Termin erhalten. "Hätte ich erst zwei Tage später den Termin absprechen können, hätte die Beerdigung womöglich erst in der Woche darauf stattfinden können", sagt Bestatter Hanno Helgers. "Gerade der Beerdigungstag ist oftmals der schlimmste für die Trauernden. Den möchte man als Angehöriger nicht noch so lange vor sich herschieben."

Für Pfarrer Christoph Helbig von der evangelischen Kirchengemeinde Bracht-Breyell ist dies vor allem ein gesellschaftliches Problem: "Mittlerweile wollen viele das Thema Tod so schnell wie möglich abschließen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, die Toten zwei Tage zu Hause aufzubahren." Seiner Meinung nach würde sich der Beerdigungstermin auch nicht unbedingt verschieben, es sei denn, es würden mehrere Bestattungen anfallen. Auch Pfarrer Andreas Grefen von der evangelischen Kirchengemeinde in Kaldenkirchen stimmt ihm weitestgehend zu. "Teilweise standen die Bestatter sonntags morgens um 8 Uhr bei mir auf der Matte, um einen Termin abzusprechen. Das muss nicht sein", sagt er, ergänzt aber: "Dass jedoch ein Angehöriger von freitags nachmittags bis montags morgens warten muss, ist nicht okay. Freitags und samstags muss es möglich sein, etwas abzusprechen. Das wäre ein Kompromiss."

Eine weitere Idee liefert Helgers. "Es muss am Wochenende keiner Bereitschaftsdienst leisten. Es reicht doch, wenn man etwa auf ein Online-Dokument zugreifen und sich dort als Bestatter eintragen kann", sagt er. "Und zwar ohne den Namen des Verstorbenen - aus Datenschutzgründen. Nur einfach: Mittwoch, 10 Uhr, Friedhof Breyell." Diese Idee befürwortet auch Pfarrer Helbig. "Es lässt sich sicherlich dafür eine Lösung finden."

Die Stadt hält nichts von der Idee, die Helgers bereits mehrfach vorgetragen hat. "Was ist denn, wenn die Technik ausfällt?", fragt Lankes. "Ich möchte nicht, dass nachher eine Familie an einem nicht ausgehobenen Grab steht." Das Argument hält Helgers für nicht stichhaltig. "Das kann überhaupt nicht passieren, da ich immer erst Termine, die ich am Wochenende abgestimmt habe, montags per E-Mail bestätigt bekomme. Anschließend wird mit der Friedhofskolonne der Ablauf besprochen", sagt der Bestatter.

Mit der Aufgabe des Notfalltelefons steht Nettetal im Umkreis alleine da. Die Stadt Viersen etwa bietet samstags sogar eine Stunde am Vor- und eine Stunde am Nachmittag an. "Wir wollen kurze Fristen haben. Für Angehörige soll alles schnell und reibungslos funktionieren", sagt Stadtsprecher Frank Schliffke.

Quelle: RP
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