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Nettetal
Stiftungsziel nicht umgehen

Nettetal. Leo Frenken hat vor 16 Jahren maßgeblich an der Einrichtung der Goerigk-Stiftung mitgewirkt. Das Geld ist frei, aber der Kaldenkirchener will nicht, dass damit auf Umwegen Gebäude finanziert werden. Notfalls will er klagen. Von Ludger Peters

228 500 Euro der auslaufenden Goerigk-Stiftung fallen jetzt an die Stadt. Der Finanzausschuss wird voraussichtlich Ende Februar über die Verwendung des Geldes beraten. Es gibt wohl Überlegungen, damit den Bau der Mensa im Schulzentrum Kaldenkirchen zu finanzieren. Doch ist Leo Frenken, Initiator der Stiftung und seinerzeit Berater von Josefa Goerigk ("Schumacher Sefi"), damit ganz und gar nicht einverstanden.

"Es ist nicht im Sinne des Ehepaares, das in ihrem Leben zusammengesparte Geld für soziale Zwecke in Kaldenkirchen zu stiften und am Ende der Stiftungslaufzeit dann einen städtischen Bau zu finanzieren", erklärt Frenken. Dies widerspreche dem Geist und dem Inhalt der Stiftung. Josefa und Hermann Goerigk hatten 1,3 Millionen Mark, mehr als 650 000 Euro, hinterlassen. Wenige Wochen vor ihrem Tod am 28. August 1994 willigte Josefa Goerigk in den Vorschlag ein, eine private Stiftung einzurichten. Leo Frenken, der mit den Goerigks weitläufig verwandt ist, riet ihr damals dazu. Seine Frau Elisabeth, die sich um die erkrankte Geschäftsfrau kümmerte, wurde Testamentsvollstreckerin.

Satzung von 1995

Elisabeth Frenken, der damalige Pfarrer Klaus Dors und der damalige Leiter des Sozialamtes, Wilfried Heerstraß, unterzeichneten am 17. Dezember 1995 die Satzung für eine "nicht rechtsfähige Stiftung". Auf Wunsch Josefa Goerigk ist darin festgehalten, dass der Zinserlös für 15 Jahre "jährlich für soziale und gemeinnützige Zwecke in Kaldenkirchen ausgegeben" werden solle, "wobei der Schwerpunkt der Ausgaben bestimmt ist für Arme, Bedürftige, Hilflose, Kranke und Ähnliche".

Frenken begrenzte die Stiftungsdauer auf 15 Jahre, weil "ich damals schon über 70 Jahre alt war und ehrlich nicht geglaubt habe, das Ende der Laufzeit zu erleben". Der 86-Jährige besteht darauf, dass die Ziele der Stiftung umgesetzt werden: "Nach 15 Jahren wird die Stiftung aufgelöst (Ende anno 2010). Das vorhandene Kapital erhalten dann je zu einem Drittel die kath. Pfarre Kaldenkirchen, der örtliche Caritasverband, die Stadt Nettetal mit der Verpflichtung, die Beträge bis anno 2012 in Kaldenkirchen für soziale Zwecke oder soziale Einrichtungen auszugeben." Von der Finanzierung eines Gebäudes, so Frenken, sei keine Rede.

Nach seinen Angaben hat er bereits den Versuch, das Geld dem Förderverein zum Bau der Turnhalle zu geben, abgewehrt. Sollte die Stadt damit die Mensa im Schulzentrum finanzieren wollen, weil darin auch "bedürftige Kinder" Essen erhielten und der Raum sozialen Zwecken diene, werde er "notfalls dagegen klagen." Frenken will dies grundsätzlich nicht. Er fürchtet, dass Geld für die Mensa in Richtung Turnhalle umgeschichtet wird – sein ausdrücklicher Widerstand gegen diese Verwendung indirekt also unterlaufen werde.

Er ist empört, dass die Stiftungsleitung bisher übergangen wurde. Frenken will den Druck von der Angelegenheit nehmen: Sollte die Stadt keinen Weg finden, den Wunsch der Stifterin ordnungsgemäß umzusetzen, solle das Geld für weitere fünf Jahre festgelegt und der Zinserlös gestiftet werden. So bleibe Zeit, über die Verwendung nachzudenken. "Die Goerigks haben ihr Geld für bedürftige Menschen in Kaldenkirchen, nicht für eine finanziell notleidende Stadt oder einen Verein hinterlassen."

Quelle: RP
 
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