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Nettetal
Streit um geplante Baumfällungen

Nettetal: Streit um geplante Baumfällungen
Förster Thomas Gieselmanns Aufgabe ist es auch, für forstwirtschaftliche Erträge zu sorgen. FOTO: jobu
Nettetal. Die Biologische Station kritisiert den Fortwirtschaftsplan, der auch Baumfällungen von heimischen Buchen vorsieht. Förster Thomas Gieselmann pocht auf holzwirtschaftliche Pflichten Von Joachim Burghardt

Heulen bald die Kreissägen in Nettetals Wäldern? Dort sollen jedenfalls bei Durchforstungen etliche Bäume gefällt werden; der Erlös aus dem Holzverkauf dürfte rund 4700 Euro ins Stadtsäckel bringen. Die Maßnahmen in mehreren Waldgebieten, die der Forstwirtschaftsplan 2018 vorsieht, wurden im Betriebsausschuss Nettebetrieb am Mittwoch zwar gutgeheißen. Weil aber die Biologische Station Krickenbecker Seen Bedenken angemeldet hat, wurde gestern Abend im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz erneut über den Forstwirtschaftsplan beraten.

"Vorgesehen sind Durchforstungen auf insgesamt sechs Hektar Fläche", heißt es in den Ausschussvorlagen. Im Grenzwald, am De-Wittsee und am Nettebruch sind etwa Baumfällungen geplant. Die Gründe sind vielfältig, berücksichtigen Interessen der Verkehrssicherheit, des Tourismus, der Holzwirtschaft und des Naturschutzes. Am De-Wittsee etwa sollen Wanderwege und Uferbereiche frei und sicher gehalten werden - wo Bäume stören oder langfristig gesehen irgendwann umfallen könnten, müssen sie im Vorfeld beseitigt werden. Darüber herrscht Einigkeit in Politik, Forstamt und Biologischer Station.

Anderswo hingegen entstehen Interessenkonflikte: "Sicherlich sind Natur- und Artenschutz wichtig, aber ich muss eben im Auftrag der Stadt holzwirtschaftliche Aspekte beachten", erklärte Förster Thomas Gieselmann vom Regionalforstamt Niederrhein des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Biologen und Naturschützer hingegen wollen keine Gehölze, die zwar holzwirtschaftlich bedeutsam, aber ursprünglich hier nicht heimisch sind: "Wir Biologen sehen natürlich mehr den forstwirtschaftlichen Bereich, und da ist es vernünftiger, in unseren Wäldern auf heimische Baumarten zu setzen und sie zu erhalten", stellte Ansgar Reichmann von der Biologischen Station klar.

Vor allem im Wald am Nettebruch mit einem Bestand aus Buche, Eiche und nicht heimischem Bergahorn sowie an anderen Stellen mit Erle prallen die Interessen aufeinander: Im Forstwirtschaftsplan ist auf einem Hektar Fläche die "Durchforstung von Buche und Erle" vorgesehen, 600 Euro Holzertrag soll dabei rumkommen. Die Biologen sind damit nicht einverstanden: "Hier sollte das Ziel doch heimischer Rotbuchenwald sein", heißt es in einer Stellungnahme. Würden Buchen entfernt, könnten Brombeeren zu wild wuchern.

Kopfschütteln bei Gieselmann: "Man soll auch mal die Natur Natur sein lassen, Brombeeren wachsen nun mal bei entsprechenden Lichtverhältnissen gern im Wald." Außerdem liege der Wald am Nettebruch weder in einem Naturschutzgebiet, in dem strengere Regeln herrschten, noch in einem Betreuungsgebiet, für das die Biologische Station zuständig sei. "Irgendwo muss das Holz ja herkommen", brachte Gieselmann seine Aufgabe auf den Punkt, für holzwirtschaftliche Erträge zu sorgen. Zudem sehe der Forstwirtschaftsplan auch Nachpflanzungen und Förderung der Naherholung vor, etwa durch Freischnitt und Ausbesserungen von Wander- und Reitwegen. Reichmann lenkte insofern ein, als man einige andere Maßnahmen im Forstwirtschaftsplan gutheiße.

So sah Guido Gahlings (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz, auch "keinen grundsätzlichen Dissens". Bei einem Ortstermin gestern im Nettebruch tauschten er, weitere Ausschussmitglieder, Gieselmann und Reichmann ihre Standpunkte aus. Gahlings: "Es soll eine einvernehmliche Lösung geben."

Entsprechend wurde der Forstwirtschaftsplan 2018, der in den städtischen Wirtschaftsplan mit einfließen soll, gestern Abend vom Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz (mit Korrekturen im Sinne der Biologischen Station) einstimmig beschlossen. Die Biologische Station und das Forstamt haben zudem angekündigt, sich künftig detailliert über ihre unterschiedlichen Ansätze auszutauschen.

Quelle: RP
 
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