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Nettetal
"Such und Hilf": Profis auf vier Pfoten

Nur was für Wasserratten: Das ist Dog Diving
Nur was für Wasserratten: Das ist Dog Diving FOTO: dpa, kj
Nettetal. Mit ihren Hündinnen Emma und Paula spürt Susanne Hammann vermisste Personen auf. Zweimal pro Woche trainiert die Nettetalerin mit ihren Vierbeinern und den Kollegen der freien Rettungshundestaffel Kreis Viersen für den Ernstfall. Von Laura Lotz

Emma wühlt sich langsam und behutsam durch die Trümmer eines eingestürzten Hauses. Auf der Suche nach einer verschütteten Person versucht die Berner Sennenhündin, menschliche Gerüche oder Partikel wahrzunehmen. Ist sie fündig geworden, bellt sie los, um ihre Hundeführerin zum Fundort zu lotsen. "Ihrem" Opfer weicht die Sechsjährige dabei nicht von der Seite. Nach getaner Arbeit wartet eine Belohnung.

Emma gehört zu Susanne Hammann. Die Nettetalerin ist Mitglied der freien Rettungshundestaffel im Kreis Viersen. Zweimal pro Woche trainiert Hammann mit ihren Hündinnen Emma und Paula – Paula ist ein Mischling und drei Jahre alt – auf einem Gelände im Forstwald Krefeld. "Da gibt es eine Art Bauruine. In den Trümmern können wir prima üben", erzählt sie. Aus Betonröhren haben sich die Mitglieder der Hundestaffel Gänge gebaut, in denen sie sich verstecken und auf "Rettung" durch ihre Hunde warten können.

"Es gibt zwei verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten", erklärt Hammann. Im Trümmergelände suchen Hunde nach verschütteten Personen, zum Beispiel bei der Gasexplosion in Mönchengladbach-Hardt vor knapp zwei Jahren oder beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Aber auch bei der Suche vermisster oder "entlaufener" Personen werden die Rettungshunde eingesetzt. "Unsere Telefonnummer liegt unter anderem bei Altenheimen und auch in der LVR-Klinik in Süchteln. Wenn dort Personen abgängig sind, werden wir benachrichtigt und machen uns mit den Hunden auf die Suche", erklärt die 42-Jährige. In solchen Fällen zieht Susanne Hammann mit ihrer Emma los. "Paula hat einen unheimlichen Jagdtrieb. Wenn ich mit ihr durch den Wald streifen würde, wäre sie durch Hasen und Rehe zu sehr abgelenkt." Als Rettungshund eignet sich nahezu jede Rasse. Allerdings sollten die Vierbeiner nicht zu groß und nicht zu kräftig sein. Emma ist mit ihren 35 Kilo an der Grenze. "In der Fläche bauchen sie Ausdauer und im Trümmergelände wäre ein üppiger Körperbau eher ein Hindernis", sagt Susanne Hammann. Außerdem muss ein Hundeführer immer in der Lage sein, seinen vierbeinigen Kameraden aus einer Notlage zu befreien. Und da ist es gerade für eine Frau zu anstrengend, wenn der Hund sehr schwer ist. Etwa drei- bis viermal im Jahr müssen die Mitglieder der freiwilligen Hundestaffel zu Einsätzen ausrücken. Das Kommando "Such und Hilf" zeigt den Hunden, dass es jetzt ernst wird. Bei diesem Kommando wissen Paula und Emma, dass sie sich auf die Suche machen müssen.

"Wenn ich mit den Hunden und meiner Tochter spazieren gehe, und sie meine Tochter spielerisch suchen sollen, gebe ich andere Kommandos, um die beiden nicht durcheinander zu bringen." Die Ausbildung für Mensch und Tier dauert zwischen zwei und drei Jahren. Deshalb sei es sinnvoll, mit den Hunden bereits im Welpenalter anzufangen. Die Prüfung muss alle zwei Jahre wiederholt werden.

Seit einem Jahr bildet die freie Hundestaffel auch im Mantrainling aus. Dabei bekommen die Hunde das Kleidungsstück einer vermissten oder verschütteten Person vorgehalten und verfolgen gezielt ihre Spur. Das ist aber laut Hammann nur sinnvoll, wenn ein Einzelner vermisst wird. "Wenn sie mehrere Verschüttete in einem eingestürzten Haus haben, nützt es nichts, dem Hund das Kleidungsstück einer Person zu geben, weil er dann nur nach ihr suchen würde. Die anderen bleiben zurück", erklärt die Hundeführerin.

Quelle: RP
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