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Kreis Viersen
Synagoge in Breyell eingeweiht

Kreis Viersen. Es war vor 100 Jahren der letzte Bau eines jüdischen Gotteshauses im Kreis Kempen-Krefeld. Der Synagoge waren nur 28 Jahre vergönnt. In der Reichspogromnacht 1938 wurde sie zerstört. Im Landkreis gab es besonders starke jüdische Gemeinden in Kempen und Dülken. Von Prof. Dr. Leo Peters

Das öffentliche und religiöse Leben im ganz überwiegend katholischen Breyell stand 1910 vor allem im Zeichen des im Juli festlich begangenen 50-jährigen Priesterjubiläums von Pastor Ignatz Theodor Haan. Er war seit 1884 Breyeller Pfarrer und hat als Bauherr der Breyeller Pfarrkirche, die 1905 vom Münsteraner Bischof Dingelstad eingeweiht worden war, ortsgeschichtliche Bedeutung.

Aber auch der Bau der Synagoge an der Straße nach Bieth, dort wo später lange eine Tankstelle stand, fand allgemeine Beachtung in der Bevölkerung. Gegenseitiger Respekt spricht denn auch aus einem Zeitungsartikel, der am 15. Oktober 1910, eine Woche vor der Einweihung der Synagoge, erschien: "Bekunden wir durch allseitigen reichen Flaggenschmuck den israelitischen Mitbürgern unsere Teilnahme, entbieten wir dadurch auch gleichzeitig den fremden Festteilnehmern ein freundliches Willkommen.

Haben doch unsere israelitischen Mitbürger erfreulicherweise bei allen Anlässen stets die größte Anteilnahme bekundet, durch welche wir gewissermaßen verpflichtet sind, auch an dieser ihrer Festesfreude durch den Besuch der weltlichen Festlichkeiten teilzunehmen".

Konfliktfreies Nebeneinander

Diese Grundhaltung war keineswegs singulär, allenthalben trifft man in dieser Zeit am Niederrhein auf ein weitgehend konfliktfreies Nebeneinander von Christen und Juden. Umso mehr entsetzt das, was weniger als dreißig Jahre später geschah.

Die Breyeller Judengemeinde war klein. 1899 bestand sie nur aus 18 Personen, 1939 waren es 25 – durchweg Angehörige der Familien Klaber, Höflich, Hoffstadt und Levy. Zur Zeit des Synagogenbaus an der Biether Straße in Breyell war Abraham Levy sen. ihr Vorsteher.

Er unterzeichnete am 27. Juni 1910 die öffentliche Verdingung der Erd-, Mauer- und Zimmerarbeiten für den "Neubau des Betsaales der israelischen Gemeinde in Breyell". Die Feier der Einweihung der Synagoge fand am Freitag, 21. Oktober 1910, statt. In der Zeitung heißt es dazu: "Der Festzug setzt sich vom Hause des Vorstehers Herrn Abraham Levy, Bieth aus in Bewegung. Der Weiheakt wird durch den Herrn Oberrabbiner Dr. Levy vollzogen.

Am 21. Oktober findet nur die kirchliche Feier statt, hieran schließen sich an den beiden folgenden Tagen größere Festlichkeiten, bestehend in Konzerten und Festbällen, im Hotel zum Elefanten (Inh. Heinr. Böllhoff) an".

Am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesetzt. Was die Nazis als Ausdruck spontaner Volkswut über das von einem Juden verübte Attentat auf einen deutschen Diplomaten in Paris ausgaben, war in Wirklichkeit straff organisierter Vandalismus und Terror vor allem der SA.

In Breyell trieb man den Zynismus so weit, dass der Eigentümer des Synagogengrundstücks, der jüdische Viehhändler Jakob Klaber, für die Beseitigung der Trümmer aufkommen musste. Die Gemeinde stellte ihm dafür 398 Mark in Rechnung, die er nicht bezahlen konnte. Zum "Ausgleich" musste er das Grundstück an die Gemeinde abtreten, was am 20.3.1940 notariell beurkundet wurde.

Die Geschichte der Breyeller Juden ist unspektakulär und beginnt mit wenigen "vergleideten", also mit einer Art Aufenthaltsgenehmigung ausgestatteten Juden im 18. Jahrhundert. Als erster kommt Benjamin Levy 1748 in den Quellen vor. Auch die später in Kaldenkirchen gesellschaftlich aufgestiegene Familie Grunewald lebte ursprünglich in Breyell.

Die meisten noch in Breyell verbliebenen Juden wurden 1941 nach Riga deportiert – von ihnen überlebte niemand. Einzelheiten sind dem Aufsatzband "Geschichte der Juden im Kreis Viersen" (Redaktion Dr. Gerhard Rehm) 1991 zu entnehmen. Zur Zeit befasst sich eine Schülergruppe der Gesamtschule in Breyell unter Leitung des Lehrers Christian Hlawa mit dem Schicksal der Breyeller Synagoge.

Quelle: RP
 
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