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Nettetal
Ton läuft, Klappe - die Erste: Kohnen

Nettetal. Drei Jungfilmer haben ältere Menschen interviewt. Hans und Ursula Kohnen erzählen von ihrem Zusammenleben, der Afrikaner Tevilde Tekle von der Arbeit und Schalke-Fan Greta Andres von der Leidenschaft im Kohlenpott. Von Inge von den Bruck

Geschichten über das Alter gibt es inzwischen zuhauf. Interessant sind aber oft vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen. Im vergangenen Monat begleiteten drei junge Filmemacher fünf ältere Menschen, die über ihr Leben, die heutigen Ansichten und über ihr Altern berichten. Das Ergebnis ist ein Dokumentarfilm, der sich mit dem Alter beschäftigt und dessen Inhalt jeden trifft: den einen früher, den anderen später.

Es ist ein modernes Filmprojekt, vernetzt und interaktiv. "Der Zuschauer wird hier zum Filmemacher", sagt der Hinsbecker Matthias Mertens, der mit zwei Kommilitonen seinen ersten Dokumentarfilm drehte. Der Film ist interaktiv im Internet unter dem Titel "ALTERnativlos" zu sehen. "Das heißt, der Zuschauer lernt die Protagonisten bereits weit vor Fertigstellung des Filmes kennen", erklärt Mertens.

Genau das macht es spannend: Denn die Zuschauer hatten die Möglichkeit, auf den Film einzuwirken, indem sie Fragen stellten. Die drei Filmemacher bauten sie jeweils bei den nächsten Drehterminen in ihre Gespräche mit den Senioren ein. Leon Löffler, Volker Dreuw (beide aus Köln) und Matthias Mertens bringen aus ihren Studiengängen Publizistik und angeschlossenen Workshops praktische Fähigkeiten aus den Bereichen Videoschnitt, Print-Journalismus sowie Film und Ton in dieser Arbeit zusammen.

Sie suchten sich unterschiedliche Menschen für die Porträts. In Köln interviewten sie einen älteren Mann, der in einer Villa am Rhein lebt. In Hinsbeck haben sie vier Menschen befragt: die im Marienheim lebende 91-jährige Grete Andres, Hans (83) und Ursula (84) Kohnen sowie Tevilde Tekle, einen Afrikaner, der jetzt in Hinsbeck lebt.

"Eigentlich sind es fünf Hinsbecker", schmunzelt Kohnen-Enkel Matthias Mertens, denn Madita, die Dackeldame seiner Großeltern Hans und Ursula Kohnen, ist auch im Film zu sehen und mit Gebell zu hören. "Ich übersetze gerne", ergänzt Hans Kohnen verschmitzt.

In der vergangenen Woche ging es mit den Dreharbeiten los. "Kohnen - Klappe die Erste", hieß es im Haus der Eheleute Kohnen. Zuvor war das Ehepaar aufwendig für den richtigen Ton verkabelt worden. Das Licht stimmte, jetzt hieß es Achtung: Aufnahme. Glück und Zufall kennzeichneten ihr erstes Zusammentreffen, aus dem schnell die Ehe wurde. "Streiten und wieder versöhnen", sei das Rezept des nun schon weit über fünf Jahrzehnte dauernden Zusammenlebens.

"Schleifen, Polieren und Tapezieren" haben den 83-jährigen Tevilde Tekle im Arbeitsleben geprägt. "Ich lebe in Deutschland seit 1961, aber ich habe noch nie so gesprochen, du bist der Erste", sagt er seinem Interviewer Leon Löffler. Er war in vielen Berufen und Firmen zuhause: Tapezieren, Arbeiten mit Antiquitäten und Mercedes-Reparaturen seien Aufgaben in verschiedenen Firmen gewesen. "Aber das ist jetzt vorbei, schade", sagt der 83-Jährige. "Ich habe Kraft genug für 80 Stunden Arbeit", beteuert er. Nur die Knie seien etwas kaputt. In seiner Heimat Asmara, der Hauptstadt von Eritrea, musste er Stühle schleifen. "Ich war Kind, ich konnte mir das nicht aussuchen", erzählt. Später lebte er im Sudan, da habe er nur poliert.

Für Schalke-Fan Greta Andres im Marienheim ist Fußball bis heute ihr Leben. Sie ist im Ruhrgebiet geboren. An Wochenende musste sie immer mit zum Spiel des Altherren-Fußballs ihres Mannes. "Die Frauen waren extra, die Männer waren es auch. Na ja, et war ne schöne Zeit", sagt die 91-Jährige. Sie liebt bis heute die Schalker Spielerlegenden Sczepan und Kuzorra und dazu die Sportschau.

Quelle: RP
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