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Nettetal
Über die Religionen Verständnis finden

Nettetal: Über die Religionen Verständnis finden
Aufmerksame Zuhörer hatte Dr. Theo Optendrenk, der die Alte Kirche und ihre ungewöhnliche Gestalt den Gästen der Moscheegemeinde erläuterte. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Nettetal. Die CDU Lobberich gestaltete mit Mitgliedern der Moscheegemeinde in der Alten Kirche einen ganz bemerkenswerten Abend. Beide Seiten sahen am Ende sehr viele Berührungspunkte und identische Themen. Von Ludger Peters

Vielleicht war es für die meisten die Erkenntnis des Abends schlechthin. Unterschiedliche Religionen sind keine Barriere, sondern bilden vielmehr einen Verknüpfungspunkt zur Verständigung. Mitglieder der Lobbericher CDU saßen einträchtig mit Mitgliedern der Moscheegemeinde an der Burgstraße ausgerechnet in der Alten Kirche zusammen - wenn auch räumlich noch getrennt an verschiedenen Tischen. "Wir haben uns ganz bestimmt nicht zum letzten Mal in einem solchen Kreis getroffen", sagte Harald Post am Ende. Er erntete allseits uneingeschränkte Zustimmung.

Im Frühjahr hatte Lobberichs CDU die Moschee in der Burgstraße zum ersten Mal offiziell besucht. Die freundliche Aufnahme dort, ausführliche Erläuterungen der Religionsausübung und vor allen Dingen die sehr konstruktive Atmosphäre hatten die Gäste sehr beeindruckt. Harald Post, "der unermüdliche Antreiber mit den kreativen Ideen" (Jürgen Boyxen, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes), lotste die muslimische Gemeinde zum Gegenbesuch in die Alte Kirche.

Dass sich dazu etwa 40 Gäste anmeldeten, überraschte aber auch den stets optimistischen Post. Staunend sahen sich die Besucher in der unvollendet und geschunden wirkenden Kirche um. Dr. Bastian Rütten als "Hausherr" und Jürgen Boyxen verglichen die "Unfertigkeit" dieses Gebäudes und seine Schrunden mit dem menschlichen Leben. Es sei ebenfalls nie fertig und müsse mitunter auch leidensfähig sein. Dr. Theo Optendrenk erläuterte, warum die Kirche so ist, wie sie ist. "Eigentlich müssen wir uns dafür entschuldigen. Denn sie steht im krassen Gegensatz zu den wirklich wunderschönen Moscheen, die der Islam kennt", sagte er.

Dass sich die Menschen aber über Religionsgrenzen hinweg in vielen Dingen sehr nahe stehen, betonten Jürgen Boyxen und Tahir Yavuz als Sprecher der Moscheegemeinde. "Für uns gehören Sie zu Deutschland. Wir müssen gerade jetzt zusammenrücken", sagte er mit Blick auf den Zustrom der Flüchtlinge. Mit Blick auf die so unterschiedlich geprägte Runde in der Alten Kirche stellte er nachdrücklich fest: "Das hier ist deutsch."

Die Moscheegemeinde ist bereit, Flüchtlinge aufzunehmen und zu unterstützen, betonte Yavuz. Ganz ohne Konflikte und Schwierigkeiten sei der Integrationsprozess aber auch nicht. Das betreffe reine Äußerlichkeiten ("Wir betreten nie mit nackten Füßen den Gebetsraum") und setzte sich in der Religionsausübung fort. Die Gemeinde betet auf Arabisch und hört Predigten auf Türkisch. Nicht alle Muslime aber sprechen eine dieser beiden Sprachen. Das gelte vor allem für die Flüchtlinge vom afrikanischen Kontinent.

Es entspann sich daraus eine Diskussion, ob Predigten auch in Deutsch gehalten werden - sie werden mitunter tatsächlich ins Deutsche übersetzt und verlesen. Eine junge Frau beklagte, das geschehe zu selten, deswegen gingen die jüngeren Muslime häufig nach Mönchengladbach in die Moschee. Gebannt hörten die Gastgeber zu, wie der Disput über die innere Organisation zwischen den jüngeren Gästen und Yavuz sehr konstruktiv und offen ausgetragen wurde - und das im Gemäuer der Alten Kirche!

Es gebe noch sehr viel voneinander zu erfahren und zu lernen, meinte Yavuz später. Harald Posts Ankündigung, den Kreis auszuweiten und den Gästen mehr von Nettetal zu zeigen, stieß auf deutliches Interesse. Schon ein erläuternder Rundgang durch Lobberich sei sehr hilfreich gewesen. "Dann chartern wir eben demnächst einen Bus und besichtigen ganz Nettetal", so Post.

Quelle: RP
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