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Nettetal
Verband für stilles Wasser

Nettetal: Verband für stilles Wasser
Blesshühner lassen sich auf dem Wittsee in Leuth treiben. Die Seen entlang der Nette sind natürliche Hochwasserbecken, die bei starken Regenfällen große Mengen aufnehmen können. Die Klimaveränderungen sind für den Netteverband große Herausforderungen. FOTO: Busch
Nettetal. Die Veränderungen des Klimas beschäftigen auch den Netteverband. Er muss für den Hochwasserschutz an der Nette und ihren Seen sorgen. Geschäftsführer Volker Dietl war zu Gast bei der Senioren-Union. Von Heinz-Willi Schmitz

Die Wälder und die Seen sowie Reste von Heideflächen sind die größten Naturschätze Nettetals. Die Seen haben Menschen geschaffen, die Torf ausbeuteten. In die entstehenden Löcher ergoss sich die Nette und füllte sie solange mit ihrem Wasser, bis Seen entstanden waren. In Krickenbeck bilden das Hinsbecker Bruch (fälschlicherweise häufig als "Krickenbecker See" bezeichnet) und das Glabbacher Bruch nur deswegen keinen durchgehenden See, weil die Torfstecher einen Damm stehenließen. Hinsbeck sollte nach Westen hin nicht von der Welt abgeschlossen werden und das Schloss umgekehrt nicht nach Osten.

Einige Seen wären heute nicht mehr da, wenn der Netteverband in den 1960er- und 1970er-Jahren mit der Entschlammung begonnen hätte. Der Breyeller See, den die Autobahn 61 durchschneidet, war bereits fast verlandet. Dies berichtete Volker Dietl, Geschäftsführer des Netteverbandes, vor 65 Zuhörern auf Einladung der Senioren-Union. Die Entschlammung ist unter Naturschützern bis heute umstritten. Andererseits waren die Seen damals längst erheblich vorgeschädigt. Mit Beginn der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum seit Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Nette, ihre Nebenläufe und die Seen erhebliche Mengen Abwasser aufnehmen. Das beschleunigte die Verlandung der Seen und beeinträchtigte die Wasserqualität erheblich. Andererseits gingen beim Entschlammen Röhrichtflächen und Teile des Uferbewuchses unwiderruflich verloren. Der Netteverband konzentriert seine Arbeit auf die Gewässerunterhaltung, ihren naturnahen Ausbau, den Hochwasserschutz und die Restaurierung der Netteseen.

Die Veränderung des Klimas beeinflusst die Arbeit des Verbandes, berichtete Dietl. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Hochwasserschutz und Gewässer in Nordrhein-Westfalen. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklärte er: "Klima ist nicht Wetter." Klima sei die Gesamtheit meteorologischer Erscheinungen. Die Veränderungen könnten nicht bestritten werden. So steigen die Durchschnittstemperaturen, die Niederschläge nähmen an Häufigkeit und Intensität zu. Das Wasser im Rhein werde durch klimatische Einflüsse allmählich wärmer. Das bleibe nicht folgenlos.

Dietl zeigte Schaubilder über Entwicklungen, die parallel zur Lebenszeit seiner Zuhörer verliefen und weckte mit diesem Kunstgriff besonderes Interesse. Exemplarisch hielt er fest: 1933 bis 1939 erlebten die Menschen milde Vorkriegsjahre, 1941 bis 1943 folgten sehr kalte Kriegswinter, 1950 bis 1952 gab es Hitzesommer. 1954 war ein kaltes und nasses "Weltmeisterjahr". 1979 wurde der größte Temperatursturz im Rheinland registriert. Es gab viel Schnee, und am 31. Dezember stürzte das Thermometer von plus 10 Grad auf minus 17 Grad. Dietl berichtete, dass 1988 der Beginn der neuzeitlichen Warmphase einsetzte. Es habe 1996 noch einmal einen "Kälteausrutscher" gegeben.

Die veränderten klimatischen Bedingungen würden sichtbar daran, dass am Niederrhein nicht heimische Pflanzen und Tierarten einen Lebensraum gefunden hätten. Eingeschleppt wurden beispielsweise die Schnappschildkröte und der amerikanische Flusskrebs, die im Wittsee und in der Kälberweide festgestellt wurden.

Im Anschluss zeigten Willy und Hermann-Josef Engels den Film "Die Sequoiafarm im Kaldenkirchener Grenzwald". Er zeigt die Situation des Grenzwaldes nach dem Krieg und die Wiederaufforstung. Er beschreibt die von den Eheleuten Illa und E. J. Martin geschaffene Sequoiafarm, die heute jeder nach Absprache besuchen kann.

Quelle: RP
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