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Nettetal
Verständigung klappt über Fußballspiel

Nettetal: Verständigung klappt über Fußballspiel
Die Jugendlichen, die gerade nicht spielen, drücken den Teams auf dem Spielfeld die Daumen. FOTO: Busch
Nettetal. Beim 27. Midnight-Soccer-Turnier in Lobberich traten 24 junge Fußballteams an. "Wer zusammen kickt, versteht sich auch neben dem Platz", erklärt Sozialpädagoge Peter Hellekamps das Ziel des Turniers. Von Matthias Mertens

Unter Einsatz seiner Hände und Füße versucht Fußballtrainer Daniel Maul seiner Mannschaft die Taktik für das nächste Spiel zu erklären. Denn was er sagt, verstehen die Jungs aus seiner Mannschaft einfach nicht. Trotzdem laufen alle aufs Spielfeld, um den nächsten Sieg zu feiern.

Beim 27. Midnight-Soccer-Turnier treten 24 Fußballteams aus ganz Nettetal in der Sporthalle an der Süchtelner Straße in Lobberich gegeneinander an. Die Nettetaler Jugendzentren richten das Fußballturnier gemeinsam mit dem Jugendzentrum Kolibri Bracht aus. Schon vor mehr als 13 Jahren riefen die Nettetaler Streetworker das Fußballfest ins Leben. "Jetzt gibt es dieses Turnier schon so lange. Und doch gibt es immer etwas Neues. Heute verstärkt eine Mannschaft mit Flüchtlingen aus Lobberich unser Teilnehmerfeld", sagt Sozialpädagoge Peter Hellekamps, während die Jugendlichen gemeinsam dem runden Ball hinterherjagen. Er fügt hinzu: "Mit Fußball erreicht man nicht eine bestimmte Schicht oder ein bestimmtes Herkunftsland, sondern eigentlich jeden. Wer zusammen kickt, versteht sich auch neben dem Platz."

Von der voll besetzten Tribüne feuern andere Mannschaften und Fans das Team der Flüchtlinge an. Fußballtrainer Daniel Maul versucht seiner Mannschaft von der Seitenlinie noch hilfreiche Tipps zu geben.

Doch zu einem Sieg reicht es bei diesem Spiel nicht. "Die Verständigung ist wirklich schwierig. Unser Torwart spricht nur Arabisch. Aber ich kann einfach kein Arabisch", sagt Maul lachend, der sich für den Futsal-Club Nettetal engagiert. "Es macht unglaublich Spaß, mit ein bisschen Fußball so gute Integrationsarbeit leisten zu können." Der Futsal-Club bietet den Flüchtlingen an, mit ihnen zu trainieren, sammelt Fußballschuhe und staffiert die Kicker mit Trikots aus. Jugendliche aus der ganzen Welt werden so zu einer Mannschaft.

Rudian Kryemodhi beispielsweise ist Albaner. Der 22-Jährige ist seit Dezember in Deutschland und ist sehr froh über das Angebot des Futsal Clubs. Abgesehen vom Sprachkurs, freut sich Rudian am meisten auf das Fußballtraining. "Deutsch lernen, eine Arbeit finden und Fußballspielen. Das ist mir alles sehr wichtig." Neben dem sportlichen Wettkampf in der Halle gibt es auch ein Rahmenprogramm für die Jugendlichen: Die Diakonie berät die Jugendlichen zum Thema Verhütung und Schwangerschaft. Beim Infostand der Suchtberatung erleben die jungen Besucher mit einer speziellen Brille, wie wenig Kontrolle man noch über sich selbst besitzt, wenn man betrunken ist.

Vor der Halle steht ein kleiner Bus, der die Jugendlichen auch im Dunkeln sicher nach Hause bringt. Doch bevor es nach Hause geht, erklärt Daniel Maul seiner Mannschaft noch, dass alle gut gespielt haben - wieder mit Händen und Füßen. Doch dieses Mal scheinen die Jugendlichen alles verstanden zu haben.

Wer Hallensportschuhe übrig hat und sie spenden möchte, kann sich beim Futsal Club Nettetal melden. Die Schuhe werden an Flüchtlinge weitergeleitet. Kontakt über die Internetseite: www.futsalclubnettetal.de

Quelle: RP
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