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Nettetal
Wagner sorgt sich um die Sicherheit

Nettetal. Sollte die Polizeiwache in Kaldenkirchen nachts nicht mehr besetzt sein, fürchtet Nettetals Bürgermeister negative Auswirkungen. Ralf Robertz von der Gewerkschaft GdP kritisiert die "Salami-Taktik" bei den Reformen. Von Ludger Peters

Die Aussicht, die Polizeiwache in Kaldenkirchen zu verlieren, erfüllt Bürgermeister Christian Wagner (CDU) mit Sorge. Er fürchtet den Verlust von Sicherheit und Einbußen in der Qualität polizeilicher Arbeit. Die Polizeiführung im Kreis erwägt, die Wache Kaldenkirchen nachts unbesetzt zu lassen. Ursache sind der vorherberechnete Mangel an Einsatzkräften und die zunehmende Überalterung der Beamten. Nach dem Zukunftsmodell werden dann künftig nur noch die Polizeiwachen in Viersen und in Kempen rund um die Uhr in voller Stärke besetzt sein.

Nettetals Bürgermeister hat Landrat Andreas Coenen (CDU) als Chef der Kreispolizeibehörde einen sorgenvollen Brief geschrieben. Wagner sähe gerne, dass der Leitende Polizeidirektor Manfred Krüchten möglichst noch in diesem Monat in den Hauptausschuss des Stadtrates kommt und der Politik seine Pläne erläutert. "Ich bin mir sehr sicher, dass es da eine Menge Informationsbedarf gibt", sagte Wagner gestern. "Natürlich ist die Wache in Kaldenkirchen nachts nicht mit 15 Beamten besetzt, aber sie sind faktisch ja da. Es ist nicht zutreffend, wie Herr Krüchten es darstellt, dass da nur einer sitzt und auf Bürger wartet, die mal eine Anzeige aufgeben wollen. Die Beamten sind vorzugsweise unterwegs, kehren aber dann zur Wache zurück."

Nicht nachvollziehen kann Wagner, dass das Gewahrsam der Kaldenkirchener Wache gerade erst mit großem Aufwand modernisiert und umgebaut worden ist. "Es soll Tatverdächtige aufnehmen oder Menschen in Obhut nehmen. So etwas baut man nicht mit diesem Aufwand um, wenn man nachts niemanden im Gebäude haben will."

Die Sorgen des Nettetaler Bürgermeisters kann Ralf Robertz von der Gewerkschaft der Polizei und als Mitglied der Personalvertretung nachvollziehen. Allerdings sei die Situation tatsächlich so dramatisch, wie sie dargestellt wird. "Personell sind wir auf Kante genäht. Der nächste Schritt hieße, wir müssten blank ziehen", sagte er. Robertz hat seit 2010 bereits davor gewarnt, dass das Personaltableau der Polizei im Kreis Viersen schon bald nicht mehr reichen kann. Er sieht auch nur sehr geringen Spielraum für andere Entscheidungen. "Das ist kein Tischtuch, das man an einer Ecke noch ein bisschen ziehen kann. Es ist heute bereits überdehnt."

Allein in diesem Jahr werden 16 oder 17 Kollegen aus Altersgründen ausscheiden, dann werden es jährlich stets 24 und mehr sein. "Natürlich werden sie möglichst ersetzt, aber die Personalnot bleibt." Robertz plädiert dafür, einen echten Schnitt zu vollziehen, um "endlich für zwei oder drei Jahre Ruhe zu bekommen. Zurzeit reiht sich ein Reförmchen an das nächste, ohne dass grundsätzlich eine Lösung erzielt wird. Mit dieser Salami-Taktik kommen wir auf Dauer einfach nicht weiter." Sorgen, dass die Verkleinerung der Wache Risiken berge, teilt er nicht. "Eine Streife ist in einem bestimmten Raum unterwegs. Sie kann den Dienst in Kaldenkirchen beginnen und beenden. Untergeordnet sei sie dem Dienstleiter in Viersen." Vorwürfe aus eigenen Reihen, die Umorganisation könne "eine schnelle und effiziente Eile zu einem Einsatz ... nicht mehr gewährleisten", lässt Robertz nicht gelten. Nettetals Bürgermeister Wagner will die von ihm jetzt eingeforderten Informationen erst einmal abwarten. Allerdings "werden wir deutlich machen, dass wir gegen diese Organisationsreform angehen werden, sollte sie eine gravierende Verschlechterung für unseren Raum mit sich bringen", sagte er. Auch ihm sei klar, dass Veränderungen unausweichlich seien.

Quelle: RP
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