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Nettetal
Wegen AfD-Parteitagsrede: Kirchenleitung bestellt Pfarrer i.R. ein

Nettetal: Wegen AfD-Parteitagsrede: Kirchenleitung bestellt Pfarrer i.R. ein
Früher war Axel Bähren Gefängnispfarrer in Geldern. Im Mai will er für die AfD in den Landtag. Die Kirchenleitung prüft nun, ob sein "Agieren und Reden" im Widerspruch zu der Verkündigung des Evangeliums steht. FOTO: Busch
Nettetal. Der pensionierte Pfarrer Axel Bähren aus Nettetal wundert sich über die Aufregung um seine Kandidatur für die Partei Alternative für Deutschland

Die Kandidatur des Pfarrers im Ruhestand Axel Bähren aus Nettetal für die AfD bei der kommenden nordrhein-westfälischen Landtagswahl sorgt in der evangelischen Kirche für Befremden und Unwohlsein. Bisher sei es außerhalb seiner Vorstellungskraft gewesen, dass engagierte Christen für diese rechtspopulistische Partei kandidieren könnten, sagt der rheinische Präses Manfred Rekowski. Neben Bähren tritt auch ein Presbyter aus Wuppertal bei der NRW-Wahl am 14. Mai für die AfD an. Diese Kandidaturen hätten ihn "kolossal überrascht", erklärte Rekowski.

In Nettetal wundert sich der pensionierte Pfarrer Axel Bähren über die Aufregung um seine Kandidatur für die AfD. Der langjährige Gefängnispfarrer wurde auf Platz 20 der Landesliste nominiert und würde in den Düsseldorfer Landtag einziehen, wenn die Partei bei der Landtagswahl etwa neun Prozent erzielt.

"Ich bin weiß Gott kein Radikaler", versichert der 65-Jährige. Auf dem jüngsten AfD-Landesparteitag in Soest löste er bei den Delegierten vor allem mit seinen Attacken gegen die flüchtlingsfreundliche Amtskirche Beifallstürme aus. "Es kann nicht sein, dass Wohlstandstheologen Politik betreiben, statt das Evangelium zu verkünden", rief Bähren aus. Mit den "sogenannten Schutzsuchenden begrüßen wir das tiefste Mittelalter" in Deutschland. Der Koran sei alles andere als friedliebend und barmherzig. "Der Rassismus ist im Islam zu Hause."

Nach dieser Rede hatte die Kirchenleitung Bähren kurzerhand einbestellt. Auch Pfarrer im Ruhestand unterliegen nach wie vor dem Dienstrecht der Kirche und stehen zu ihr in einem Treueverhältnis. Gleichzeitig verweist die evangelische Kirche darauf, dass sich Pfarrerinnen und Pfarrer durchaus für eine demokratische Partei engagieren und sich um ein parlamentarisches Mandat bewerben könnten. Gleiches gelte für Presbyter. In den Fällen der beiden AfD-Kandidaten will die Kirchenleitung jetzt nach eigenen Angaben überprüfen, ob deren "Agieren und Reden" im Widerspruch zu ihren Pflichten und der Verkündung des Evangeliums steht.

Präses Rekowski lehnt einen generellen Unvereinbarkeitsbeschluss seiner Kirche mit der AfD ab. In jedem Einzelfall müsse geklärt werden, ob das politische Engagement "im Widerspruch zum Evangelium" stehe. Sei dies der Fall, müsse die Kirche als Dienstherrin "entsprechend aufsichts- oder dienstrechtlich tätig" werden.

(kna)
 
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