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Nettetal
Weil keine Palmen wachsen, wedeln die Nettetaler mit Buchs

Nettetal: Weil keine Palmen wachsen, wedeln die Nettetaler mit Buchs
Gemeindereferent Walter Schierkes liebt Buchs, den er privat hegt und pflegt. Gleichzeitig schätzt er die religiöse Symbolik des Gewächses. FOTO: Burghardt
Nettetal. Die Hecke ist dicht, hat viele kleine grüne Blätter und wächst sehr, sehr langsam: "Bis Buchs richtig groß wird, kann es Jahrzehnte dauern", erklärt Walter Schierkes. Der Gemeindereferent von Lobberich und Hinsbeck mag das Gehölz. Am morgigen Palmsonntag steht der Buchs im Mittelpunkt: Weil bei uns keine Palmen wachsen, erinnern Buchsbüschel in den Gottesdiensten an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem.

Schierkes bricht einen jungen Trieb heraus: "So zierlich und robust die kleinen Blätter sind - dann dieser Duft!" Die Neigung teilen nicht alle: "Wenn Berge von Buchs im Pfarrheim lagern, rümpfen manche schon mal die Nase. Aber ich mag es." Am Buchs scheiden sich mitunter die Geister.

Apropos Geister. Sie mögen Buchs nicht. In vorchristlicher Zeit Buchs hängten Menschen Buchs zum Schutz vor Dämonen an ihre Türen. Bauern legten Zweige einst an die Ränder ihrer Äcker und Weiden zum Schutz vor Unwetter und Raubtieren. Immergrünes galt halt als Zeichen für Lebenssaft und Segenskraft. Wie so manches heidnische Symbol hat das Christentum auch den Buchs vereinnahmt. "Ich kenne Bauern, die heute noch geweihten Buchs an die Feldränder legen oder in die Erde stecken als Segenszeichen für die Ernte", erzählt Schierkes. Als immergrüne Hecke und Beetumrandung ist Buchs seit Jahrhunderten beliebt, drinnen dient er als Segenszeichen, wie Schierkes erklärt: "Wir stecken geweihte Buchszweige an unsere Kreuze." Ihre Weihe bekommt die Pflanze am Palmsonntag in den Gottesdiensten, ihre Büschel dienen in manchen Gegenden als Weihwasserwedel.

Für Schierkes ist Buchs auch Symbol der "Ambivalenz des Menschen". So hätte man Jesus erst mit Palmzweigen und Hosianna-Rufen zugejubelt, um ihn kurz darauf niederzumachen und ans Kreuz zu schlagen: "So etwas erleben wir immer wieder, das liegt wohl in der Natur von uns Menschen." Er bezieht sich auf die Flüchtlingspolitik: In die anfangs allgemeine Willkommenskultur mische sich Ablehnung. Ähnlich wie damals in Jerusalem.

Was die Wankelmütigen, die sich von Jesus-Fans zu Jesus-Feinden wandelten, nicht ahnten oder wahrhaben wollten: Ihre Palmwedelei ist bis heute Symbol der Herrlichkeit des Gottessohnes, weil Jesus Christus "im Triumph den Tod überwand", wie es in einem alten Kirchenlied heißt. Und zwar durch seine Auferstehung zu Ostern.

Entsprechend fröhlich und segensreich das Brauchtum in unseren Kirchen. Kommunion- und Chorkinder basteln in Lobberich und Hinsbeck Buchssträuße an Stöcken für die Palmprozession, in der Liturgie werden Palmzweige geweiht und mitgenommen. "Weil immer weniger in die Kirchen kommen, gehen unsere Messdiener von Haus zu Haus und bieten geweihten Palm an", berichtet Schierkes. Palmzweige, die keine Abnehmer finden, "werden verbrannt und dienen im nächsten Jahr als Asche für den Aschermittwoch."

Ob in Kirche oder in Garten - gut wachsender Buchs will ordentlich behandelt werden. "Ich breche die jungen Triebe ab, statt sie abschneiden, das ist ein eher natürlicher Vorgang", verrät Schierkes. Buchs diente früher in der Kräutermedizin, kann bei Missbrauch aber Schaden anrichten - er ist in allen Bestandteilen giftig. Für Schierkes ist der Buchs ein schönes Gewächs, das einen "wegen seines langsamen Wachstums Geduld lehrt und bei richtiger Pflege viel Freude bereitet". Und nicht zuletzt ein wunderbares Symbol des Glaubens, wie im Kirchenlied "Singt dem König Freudenpsalmen" formuliert: "Streu ihm deine Palmen, sieh, dein König naht heran!"

Quelle: RP
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