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Nettetal
Wenn der Ball rollt, gibt es keine Barriere mehr

Nettetal: Wenn der Ball rollt, gibt es keine Barriere mehr
Profis von VVV Venlo und Flüchtlinge spielten auf den Plätzen von Grenzland Fitness miteinander Fußball. FOTO: Busch
Nettetal. In Nettetal lebende Flüchtlinge spielten mit Profis von VVV Venlo in der Halle des Grenzland-Fitness miteinander Fußball. Von Wiltrud Wolters

Erwartungsvoll blicken die jungen Männer auf die Indoor-Soccerplätze im Sportcenter Grenzland Fitness. Hier und da werden eilends Fußballschuhe herbeigezaubert. Dann rollt endlich der Ball. VVV Venlo hatte mit Thomas Beeker von Grenzland Fitness, Manfred Hally vom Restaurant Alter Braukeller in Schaag sowie der Stadt Nettetal mit der Unterstützung der Flüchtlingshilfe Flüchtlinge zu einem Fußballtraining geladen.

"Das ist eine große Botschaft", sagte Bürgermeister Christian Wagner zur Begrüßung und dankte VVV Venlo. Beim Wirtschaftsfrühstück der Stadt Nettetal seien die Fußballer aus Venlo auf die Idee gekommen, sich einzubringen. Zunächst wollten sie die Nettetaler Flüchtlinge zu einem Heimspiel einladen. "Aber das ist wegen der Ländergrenzen nicht so einfach", erklärte Robert Pinior, der Deutschland-Verantwortliche bei VVV. Mit den anderen Partnern entwickelte sich der Gedanke, in der Stadt aktiv zu werden. Nach einer Trainingseinheit der kompletten ersten Mannschaft von VVV Venlo im Grenzland Fitness kickten Leandro Resida, Gianluca Nijholt, Jason Bourdouxhe, Selman Sevinc und Vensan Klicic sowie Raed Bko als Dolmetscher mit rund 40 Flüchtlingen. "Es war schön zu sehen, wie viel Spaß die Männer hatten. Auch wenn wir uns nicht direkt über die Sprache verständigen konnten, verbindet der Fußball uns alle", sagte Venlos Mittelfeldakteur Gianluca Nijholt.

"Wir möchten ein Zeichen setzen", erklärte Hally, der die Flüchtlinge zum Abendessen einlud. Ähnlich äußerte sich Thomas Beeker. Schon über den Sommer hatte er seine Plätze zu bestimmten Zeiten Flüchtlinge zum Training zur Verfügung gestellt. "Wir hatten 38 Spieler aus 13 Nationen. Das war richtig klasse", meinte er. Nun soll das mit neuen Gruppen fortgesetzt werden. "Die ersten haben sich in die Listen eingetragen", berichtete Beeker. Die Motivation für sein Handeln lieferte ihm sein Vater mit den Erzählungen aus der Gefangenschaft. "Er hat immer gesagt: Was haben wir dem Volk angetan und wie freundlich sind wir aufgenommen worden. Das habe ich nie vergessen", meinte Beeker.

Wagner und der Landtagsabgeordnete Dr. Marcus Optendrenk sind begeistert von so viel Engagement. "Der Sport ist der beste Weg sich zu integrieren", meinte Optendrenk. Da könnten die Männer für eine kurze Zeit alles vergessen, sich austoben und einfach glücklich sein. Das bestätigen Angela Müller und Ralf Schröder vom Verein Flüchtlingshilfe. Sprachkurse und die Unterstützung seien das eine. Darüber hinaus seien aber die Abwechslung und die Beschäftigung vor allem über den Sport in den Sportvereinen ungemein wichtig für die Menschen.

Für die Kommunen ist die Integration der Flüchtlinge eine gewaltige Aufgabe, "Die Situation ist angespannt. Nicht die Zahl ist das zentrale Problem, sondern die Kurzfristigkeit der Zuweisung. Es ist keine Frage des Wollens, sondern des Könnens. Wenn ich gut trainiert habe, kann ich einen Marathon laufen. Aber hier müssen wir aus dem Stand Marathon laufen", sagte Optendrenk.

Quelle: RP
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