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Nettetal
Wenn der Rollsteig zur Gefahr wird

Nettetal: Wenn der Rollsteig zur Gefahr wird
Hanne Klein ist seit ihrem Sturz auf dem Rollsteig in der Ludbachpassage auf den Rollstuhl angewiesen. Mit ihrem Mann Peter hat sie einen Anwalt beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. FOTO: Burghardt
Nettetal. Im Einkaufszentrum Ludbach-Passage rutschte eine Kaldenkirchenerin auf dem Rollsteig aus und wurde schwer verletzt. Zeugen berichten von Glätte auf der Anlage bei feuchtem Wetter. Der Betreiber verweist auf Warnschilder. Von Joachim Burghardt

Es hätte ein netter Einkaufsbummel werden sollen, doch es kam anders. Eine Kaldenkirchenerin fuhr vom Parkdeck der Ludbach-Passage in Lobberich mit dem Rollsteig zu den Geschäften hinunter. Nach wenigen Meter rutschte sie aus und schlug zu Boden. Alles ging ganz schnell: Rettungswagen, Notoperation, schwere komplizierte Brüche, seitdem auf Rollstuhl und Gehbock angewiesen. Zum persönlichen Leid kamen Ärger und Fassungslosigkeit: "Es war irgendwie glatt. Mir riss es plötzlich einfach die Beine weg, aber für die Sicherheit auf dem Rollsteig fühlt sich anscheinend niemand verantwortlich", klagt Hanne Klein.

Ist die Rolltreppe gefährlich? Sie wird im Fachjargon "Fahrsteig ohne Stufen" genannt. "Bei Regen ist es darauf einfach rutschig", hat Ehemann Peter Klein festgestellt; vom Parkdeck und den offenen Seiten gelangten Wind und feuchte Luft an die Anlage. Wer vorschriftsmäßig auf dem Fahrsteig stehe, könne trotzdem wegrutschen. Zeugen des Unfalls hätten dies bestätigt.

Die Kleins möchten "andere vor Gefahren auf Rollsteigen bei Nässe warnen". Am sinnvollsten sei wohl eine rutschfeste Beschichtung des Rollsteigs. Vom Betreiber des Einkaufszentrums, der zur Firmengruppe ten Brinke (tB) gehört, erwarten sie eine Entschädigung. "Die Folgekosten der medizinischen Behandlungen, auch durch Zuzahlungen und Eigenanteile," seien beträchtlich. Die Kleins schalteten auch ein Anwaltsbüro ein.

Die Reaktionen waren unterschiedlich. Ralf Schönenborn von "tB management" im niederländischen Varsseveld teilte mit, man habe die Sache der Versicherung gemeldet. Zudem arbeite man "an Lösungsansätzen, um solche Unfälle in der Zukunft zu vermeiden". Auf weitere Nachfrage erklärte jedoch Kay Hoppe, "Director tb investments" Geldern, man habe bereits "alle für den sicheren Betrieb notwendigen und geforderten Auflagen erfüllt"; die Rollsteige würden "regelmäßig geprüft und gewartet".

Solche Prüfungen bei Rolltreppen und Fahrsteigen, dies erläutert Frank Ehlert vom TÜV Rheinland, beziehen sich lediglich auf die sichere Funktionstüchtigkeit: "Ob bei entsprechenden Umwelteinflüssen, bei Feuchtigkeit oder Schmutz, Maßnahmen wie eine Rutschhemmung nötig sind, ist Sache des Herstellers und Betreibers", erklärt er. Ihnen obliege "die Verkehrssicherungspflicht". Ähnlich äußert sich Annika Burchard vom TÜV Nord: Rutschhemmungen etwa seien "Beschaffenheitsanforderungen" und gehören "nicht zum Prüfumfang".

Peter Klein ist auf vergleichbare Vorkommnisse in einem Einkaufszentrum im Ruhrgebiet gestoßen. Dort wurde nach mehreren Unfällen eine Anti-Rutsch-Beschichtung auf Rollsteige aufgetragen. "Das Mindeste sind in der Ludbach-Passage bei nassem Wetter Warnschilder", fordert er. Als seine Frau verunglückte, habe man keine Schilder gesehen. Das bestätigen Zeugen des Unfalls: "Da waren keine Warnschilder. Ich bin selbst fast ausgerutscht und konnte mich gerade noch am Handlauf festhalten", erzählt Christiana de Ryck aus Schaag. Plötzlich habe ihre Freundin Daniela Cuscito aufgeschrien und auf eine auf dem Rollsteig liegende Frau gezeigt: "Sie hat das Knie total verdreht!" Diese Frau war Hanne Klein.

Wie die Kleins fordern auch de Ryck und Cuscito zumindest Schilder, die vor Rutschgefahr bei Nässe warnen. Laut Hoppe stehen dort Warnhinweise. Doch "es werden immer wieder Schilder entwendet", sagt er.

Quelle: RP
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