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Nettetal
Wie aus Ideen mal eben ein Buch wird

Nettetal: Wie aus Ideen mal eben ein Buch wird
Nuno Tavares aus Portugal und Ilja Mook aus Holland sind das Projecto Anagrama. Sie zeigten den Kindern sehr fantasievoll, wie aus ein paar Ideen im Kopf am Ende ein ganzes Buch in einem Einband wird. FOTO: jobu
Nettetal. Das portugiesische Zirkustheater Projecto Anagrama beeindruckte in der Aula der Realschule in Kaldenkirchen mit seinem Stück "Einband, Blätter und Schrift". Die Schüler bejubelten die Künstler für ihre atemberaubende Akrobatik. Von Joachim Burghardt

Mal eben ein Buch schreiben? Ganz einfach: ein bisschen telefonieren und jonglieren, über Tische springen und Kinder zum Kreischen bringen - fertig ist das Buch mit dem Titel "Es war einmal". Ja, es war einmal ein Straßentheater, das ein Zirkusschauspiel in der Aula der Realschule aufführte, Schüler und Lehrer begeisterte und so ganz nebenbei erzählte, wie ein Buch entsteht: Das Projecto Anagrama trat bei den Kinder- und Jugendbuch-Tagen mit dem Stück "Einband, Blätter und Schrift" auf.

"Sein Kopf füllte sich nach und nach mit mehr Ideen", stellte die Frau mit rotem Hut den verträumten Albertino dem jungen Publikum vor. Sonst sagten sie nicht viel, die beiden Mimen Ilja Mook aus Holland und Nuno Tavares aus Portugal. Stattdessen Pantomime und Poesie, Akrobatik und Artistik. Er als kauziger Komiker mit Hut, den Kopf voll fantastischer Ideen, sie als kecke Clownin im Kleid, die ihm zum Schreiben riet.

Und er schrieb und schrieb, hämmerte auf einer alten Schreibmaschine, zerknüllte jedes Textblatt und spielte Flummiball damit. Die Ideen raus aus dem Kopf und weg damit? Nein, beim Jonglieren hüpften die Texte zurück zu ihm, dem fidelen Fantasten, der nur noch staunen konnte, als seine kesse Kollegin zum Bügeleisen griff, um die Blätter zu glätten.

Genau das machte die große Kunst des kleinen Ensembles aus: Mit viel Spaß im Spiel, aberwitziger Artistik und zauberhaften Zirkusnummern so ganz nebenbei erzählen, wie aus Ideen im Kopf ein Buch im Einband wird. Mir nichts, dir nichts die Schreibstube in einer Druckerei umwandeln, zwischendurch auf dem Seil tanzen und das Bücherbrett zum Rola Bola benutzen.

Da verwandelte sich der dünne Dichter in einen dickbäuchigen Drucker, der Manuskripte zu einer Halskette für seine Partnerin, jetzt mit Brille und Schürze, zerschnipselte - Magie gehörte auch dazu. Bei so viel Fantasie reichte die Bühne als Spielplatz längst nicht, die Künstler hüften durch die Stuhlreihen, berieselten die Schüler mit hervorgezaubertem Konfetti. Und die Kinder kreischten und klatschten, staunten und starrten den Mimen nach, lauschten leise und lachten laut.

"Eine großartige Aufführung", lobte Nadine Maaßen die beiden Künstler. Vor allem im Deutschunterricht der Klassen werde man das Stück nachbesprechen, meinte die stellvertretende Realschulleiterin. Mehr als zufrieden auch Ulrich Schmitter: "Fantastisch!" Der Leiter der Stadtbücherei und sein Team hatten mit dem Projecto Anagrama ein Experiment gewagt - und ein glückliches Händchen bewiesen.

Ging es sonst bei den vierten Nettetaler Kinder- und Jugendbuchtagen zumeist um gelesene oder erzählte oder musikalisch inszenierte Texte, Literatur eben, so thematisierte Projecto Anagrama den Prozess von der Idee bis zum Buch, vom Einfall bis zum Einband. Es machte Mut, die eigenen Träume loszuwerden, die Ideen aus dem Kopf zu lassen, sie als Medium mit anderen zu teilen - kreative Kommunikation.

Bei aller Begeisterung des jungen Publikums - eine Aula ist doch nur ein Schulraum und kein Theatersaal: Am Ende des gut einstündigen Stückes gerade noch gejubelt und geklatscht, rannten die Schüler flugs hinaus auf den Pausenhof. Dabei hätten Ilja Mook und Nuno Tavares noch so viel mehr Beifall verdient gehabt für ihr großartig inszeniertes Theater über die Idee, mal eben ein Buch zu schreiben.

Quelle: RP
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