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Nettetal
Wie lebt es sich im Alter in Nettetal?

Nettetal. Der Verwaltung bereiten zunehmende Armut und Vereinsamung im Alter Sorgen. Bei Pflegeplätzen ist die Stadt nach eigenen Angaben gut aufgestellt. Doch es fehlt an seniorengerechten kleinen und bezahlbaren Wohnungen Von Joachim Burghardt

Familienfreundlich gibt sich die Seenstadt gern. Bei Kindergartenplätzen liegt man gut im Soll, und man weist neue Gewerbe- und Baugebiete aus, um Arbeitnehmer mit Familien anzulocken. Allerdings hebt Bürgermeister Christian Wagner (CDU) des Öfteren hervor, man wolle dabei auch die älteren Mitbürger im Blick haben. Das scheint auch dringend geboten, denn Altersarmut, fehlender geeigneter Wohnraum und ein hoher Pflegebedarf erfordern rasches Handeln.

"Die Fälle der Grundsicherung im Alter haben wie in ganz Deutschland auch in Nettetal zugenommen", gab Ina Prümen-Schmitz bekannt. Im jüngsten Ausschuss für soziale Angelegenheiten nannte die Leiterin des Fachbereichs Soziales Fakten: Lag die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter 2013 noch bei 309 Haushalten, waren es 2015 schon 350, das sind knapp 2,4 Prozent der Haushalte. Tendenz steigend: Prümen-Schmitz geht von einer "weiterhin zu erwartenden Zunahme" aus.

Die Gründe sind vielfältig, im Sozialamt werden nicht nur "der steigende Anteil der über 65-Jährigen" aufgelistet oder "Erwerbsminderung", sondern auch "die hohen Trennungsraten von Ehen" - im Fachjargon "gebrochene Erwerbsbiographien" genannt. Und noch ein Fachausdruck macht deutlich, was immer mehr allein stehenden alten Menschen mit geringem finanziellen Mitteln droht: "Vereinsamungstendenz".

Dabei scheint bei vielen Älteren schon die Lebenssituation ungünstig: "Das Problem ist angemessener Wohnraum", mahnte Prümen-Schmitz. Es fehlten kleine Sozialwohnungen bis 50 Quadratmeter, die nicht mehr als 230 Euro Kaltmiete kosten dürften. Dabei kommt es indes nicht nur auf Größe und Preis an.

Immer wichtiger wird die Pflege- und Wohnberatung im Pflegestützpunkt für Nettetal und Brüggen. Ihre Aufgabe: Nach dem Prinzip "ambulant vor stationär" ein altersgerechtes Wohnen, etwa mit Mahlzeiten-, Pflegedienst und Hausnotruf, in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Im Jahr 2004 wurde die Beratung 183 Mal in Anspruch genommen, in diesem Jahr dürfte die Zahl über 500 liegen. Der Pflegestützpunkt soll deshalb um eine Stelle aufgestockt werden.

Speziell um "Anpassungsmaßnahmen" in den Wohnungen kümmert sich dabei die Wohnberatungsagentur für Nettetal, Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal. Meist geht es, wie im Ausschuss bekannt wurde, um bauliche Verbesserungen wie barrierefreie Bäder oder die Installation von Rampen. Die Wohnberatung hat dabei mit betroffenen Senioren und ihren Angehörigen ebenso zu tun wie mit Eigentümern und Vermietern, Wohnungsbaugesellschaften und Baugenossenschaften.

Oft genug allerdings ist dann doch irgendwann ein Platz in einem Pflegeheim notwendig. Bislang gibt es in Nettetal vier solcher Einrichtungen, laut Prümen-Schmitz ist die Stadt " in Sachen Pflegeplätze ganz gut aufgestellt".

Doch angesichts der zunehmenden Überalterung sei in Lobberich "eine weitere stationäre Einrichtung mit 60 Pflegeplätzen geplant". Guten Perspektiven in Sachen Pflegeplätze stehen allerdings Probleme gegenüber, die zwar statistisch "nicht erfasst" werden können, die aber zunehmend die tägliche Arbeit des Pflegestützpunktes mit prägen: neben der Vereinsamung und den "Fällen mit nicht einsichtsfähigen Menschen" vor allem die "Verwahrlosung im Alter".

Gerade deshalb kämen den gut funktionierenden Generationentreffs in den Stadtteilen und den Netzwerken "Zwischen Alter und Ruhestand" (ZWAR) eine immer größere Bedeutung zu. Senioren in Nettetal ein angenehmes Leben im Alter zu ermöglichen, nannte Prümen-Schmitz "eine wachsende Herausforderung auch für die Stadt und die Gemeinwesenarbeit".

Quelle: RP
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