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Nettetal
"Wie man trainiert, so spielt man auch"

Nettetal: "Wie man trainiert, so spielt man auch"
Gutgelaunt im weißen Hemd mit offenem Kragen, das Sakko lässig über dem Arm: Jupp Heynckes gestern Abend bei der Ankunft in Nettetal. FOTO: Busch
Nettetal. Das Symposium "Sportmedizin und Sportorthopädie" des Nettetaler Krankenhauses konnte am Freitagnachmittag mit einem prominenten Gast aufwarten: Trainer- und Spielerlegende Jupp Heynckes Von Susanne Peters

Zu einem interessanten Symposium mit dem Titel "Sportmedizin und Sportorthopädie" hatte gestern das Nettetaler Krankenhaus in die Werner-Jaeger-Halle eingeladen. Auch Bürgermeister Christian Wagner (CDU/Kurationsvorstand) und Jochem Dohmen (Sparkassenförderung) waren zu Gast. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion unter Fachärzten, die mit einem ganz besonderen Gast aufwartete: Fußballlegende Jupp Heynckes bereicherte die eloquente Gesprächsrunde aus Fachärzten durch praktische Beispiele aus seiner Laufbahn als Profifußballer und Trainer.

"Damit es lockerer wird, haben wir Stehtische aufgestellt, wir wollen uns nicht fühlen, wie bei einer trockenen Talkshow aus dem Fernsehen", begann Enno Steinheisser. Auch der Fußball habe sich weiter entwickelt, meint dann der ehemalige Profifußballer, "heute wird schneller, intensiver und umfangreicher gespielt. In meiner Trainerzeit in Spanien zum Beispiel waren im Club Mediziner angestellt. Wenn man aber als Mediziner im Krankenhaus angestellt ist, hat man mit vielen verschiedenen Verletzungen zu tun und folglich viel mehr Erfahrung." Bei Bayern München habe man sich immer kurz geschlossen und bei Verletzungen intensiv nachbehandelt. "Es ist vor allem wichtig, dass der Sportler sich wohlfühlt", insistiert der ehemalige Trainer. "Ich habe Franck Ribéry an die Physiotherapie und an professionelle Ernährungspläne herangeführt, um ihn erfolgreich an die Weltspitze zu bringen."

Die Trainerlegende Jupp Heynckes (4,v,l,) bei der Podiumsdiskussion in der Lobbericher Werner-Jaeger-Halle. FOTO: Busch

Auch Stefan Hertl (Mannschaftsarzt, Borussia Mönchengladbach) ist überzeugt: "Wenn man die gesamte Entwicklung sieht, den ganzen Tag, sieben Tage die Woche, dann ist der Fußball heute, mitsamt seiner kompletten Betreuung enorm fortgeschritten."

Beim Profisport werde eine große physische Leistungsfähigkeit voraus gesetzt, so Heynckes, in den Fußballclubs gebe es große Unterschiede. "So wie man sich bettet, so fällt man. Woraus folgt: Wie man trainiert, so spielt man. In meinem letzten Jahr in meiner Amtszeit in Bayern München, im Jahr des Triples, haben wir wahnsinnig intensiv trainiert." Die Laufleistung jedoch könne nicht allein am Umfang der Kilometerzahl messen. "Die Fußballer müssen lernen, sich zu entwickeln und sich selbstkritisch zu hinterfragen."

In seiner eigenen Laufbahn als Profifußballer habe er Trainer gehabt, die rücksichtslos vorgegangen seien. "Da habe ich mir geschworen, das machst Du nicht. Statt den Spieler wieder so schnell wie möglich aufs Feld zu bringen, ist Regeneration wichtig", insistiert er.

Dieser Überzeugung ist auch Thomas Stock (Mannschaftsarzt der Kölner Haie): "Wenn zwischen Trainer und Spieler die Kommunikation in Ordnung und Vertrauen da ist, gehen die Verletzungen deutlich runter."

Zu den Unterschieden zwischen Leistungs- und Amateursport meint Jan Marin: "In Amateurvereinen gibt es keine gesellschaftlichen Anreize, dort wird nur Geld verbrannt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Menschen sich fühlen wollen. Viele kennen ihre Grenze nicht und ignorieren ein notwendiges Signal - ihre Schmerzreize."

Quelle: RP
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