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Nettetal
"Willkommenskultur in Nettetal ist nach wie vor lebendig"

Nettetal. Der Förderverein Flüchtlingshilfe ist seit einem Jahr als Bindeglied in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Vorsitzende Engelke: "Die Arbeit geht an die Nieren Von Joachim Burghardt

Es sei "ein aufregendes Jahr mit vielfältigen Herausforderungen und Emotionen", zieht Beate Engelke anlässlich des Weltflüchtlingstages Bilanz. Wenn die Vorsitzende des Fördervereins "Flüchtlingshilfe Nettetal" Rückschau hält, ist viel von Herzlichkeit die Rede, von Menschlichkeit und Hoffnung. Darum geht es dem Förderverein, der sich vor einem Jahr gründete.

"Als Förderverein wollen wir wirklich fördern und unterstützen, und zwar die Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, und natürlich die Flüchtlinge selbst", skizziert Engelke den Aufgabenbereich. Just ein Jahr zuvor hatte sie schon einmal von "einem kleinen Jubiläum" gesprochen: Damals trafen sich rund 30 Ehrenamtler zum Erfahrungsaustausch, Anlass war "ein Jahr organisierte Flüchtlingsarbeit in Nettetal". Tenor der Runde: Viel Engagement, viele Initiativen, aber zu wenig Absprachen und Struktur.

Mittlerweile ist der Förderverein ein Bindeglied in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe und fester Ansprechpartner für die Kommune: "Bei der Stadt und beim Bürgermeister steht die Tür für Sie immer offen", lud Nettetals Erster Beigeordneter Armin Schönfelder bei der Gründungsversammlung ein. Viel passiert ist seitdem auf Stadtebene: Ein hauptamtlicher Koordinator unterstützt die Flüchtlingsarbeit, Kirchen, Sportvereine, Sponsoren und Initiativen in den Ortsteilen bringen sich immer wieder mit ein.

Verdoppelte sich die Zahl der Flüchtlinge von anfangs rund 150 auf mehr als 300 vor einem Jahr, sind es mittlerweile mehr als 430, dazu kommen noch mehr als 100 in der Notunterkunft, für die das Land zuständig ist. Zwei Sprachlehrer konnten engagiert werden, vier Deutschkurse laufen zurzeit.

Nicht auflisten oder messen lässt sich, so Engelke, das Engagement der großen Zahl von Ehrenamtlern in der Flüchtlingshilfe: "Unsere Willkommenskultur in Nettetal, die ist nach wie vor lebendig. So kann Integration gelingen, denn auch Flüchtlinge selbst engagieren sich, zum Beispiel für Senioren im Altenheim." So viel Einsatz, so viel Herzblut lasse sich durch Stimmungsmache aus dem rechten politischen Lager nicht verunsichern.

Und doch komme Nachdenklichkeit auf. Menschen zu begegnen, die nach ihrer Flucht nichts mehr haben und trotzdem Hoffnung und Dankbarkeit ausstrahlen, das rühre einen an: "Es ist bewegend, wenn ein Flüchtling, der endlich seine Mutter in Damaskus am Telefon erreicht hat, einen vor Freude umarmt." Und es tue gut, Menschen kennenzulernen, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Engelke verhehlt nicht, wie sehr die Begegnung mit verzweifelten und traumatisierten Flüchtlingen an die Nieren gehe: "Da ist es wichtig, sich mit den anderen im Förderverein auszusprechen, und Kraft kann ich aus dem Glauben beziehen, das Christliche ist für mich persönlich der Antrieb zu allem."

Quelle: RP
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