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Nettetal
"Wir sind alle ein bisschen öko"

Nettetal: "Wir sind alle ein bisschen öko"
FÖJ-ler Dennis Niclas Heynckes (l.) und Praktikant Niklas Banowski messen die Höhe des Grundwasserspiegels. Sie unterstützen die Biologische Station für eine gewisse Zeit und sammeln so Praxiserfahrungen. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Dennis Niclas Heynckes absolviert in der Biologischen Station Krickenbecker Seen sein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Der 18-Jährige ist Naturliebhaber und interessiert sich für Reptilien. Eine Blindschleiche hat er bereits entdeckt Von Joachim Burghardt

Die Wiese ist nass. Pitschenass wie ein vollgesogener Schwamm, trotz des trockenen Wetters. Zwei junge Männer in Gummistiefeln tapern, Zollstock und Notizblock in den Händen, durchs Gras auf einen Holzpfahl zu. Vor jedem ihrer Schritte hüpfen kleine Frösche beiseite. Neben dem Pfahl ist ein Loch im Boden als Messstelle für den Zollstock: "Wir vermessen die Höhe des Grundwasserspiegels", sagt Dennis Niclas Heynckes, der seit August in der Biologischen Station Krickenbecker Seen sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) ableistet.

Grundwasser vermessen, Pflegearbeiten im Schilf oder Fischbestand-Zählungen in den Gewässern gehören zu den Aufgaben der jungen Leute, die Freiwilligendienste leisten. "Wir haben derzeit vier FÖJ-ler und zwei Praktikanten", berichtet Isabelle Lorenz vom Infozentrum der Biologischen Station. Seit dem Jahr 2000 absolvieren regelmäßig junge Leute ihr Ökologisches Jahr in Krickenbeck.

Viele Jugendliche nutzen diese Zeit, um sich nach dem Schulabschluss über Berufswahl, Ausbildung oder Studium klar zu werden. Einige erlernen dann tatsächlich Berufe aus den Bereichen Ökologie oder Biologie. Genau das schwebt auch Dennis vor: "Ich möchte Biologie studieren, in diesem Jahr hier kann ich schon mal praktische Erfahrungen sammeln", erklärt der 18-Jährige aus Niederkrüchten-Overhetfeld.

Bereits vor seinem Abitur am Gymnasium St. Wolfhelm in Schwalmtal machte Dennis ein Praktikum in der Biologischen Station, nahm an vielen Veranstaltungen und Führungen teil: "Unsere Natur hier zu erleben, das finde ich viel faszinierender als Dokus über exotische Tiere etwa in Südamerika anzuschauen." Vor allem für Herpetologie interessiert er sich, Reptilienkunde also: "Da war es toll für mich, dass ich gleich hinter der Biologischen Station eine Blindschleiche entdeckte", erzählt Dennis und strahlt dabei.

Die Biologische Station ist für ein Jahr sein zweites Zuhause. Die jungen Leute wohnen in den Gästezimmern oben im Holzhaus, bekommen so die Arbeit der Biologen hautnah mit. Die wiederum sind dankbar für die engagierte Mithilfe: "Unsere Aufgaben sind so vielfältig, da sind wir Mitarbeiter der Biologischen Station auf Unterstützung angewiesen", erläutert Lorenz. So kann die Biologische Station auf ein Netzwerk aus engagierten Bürgern - ehrenamtlichen Naturschützern oder Hobbyornithologen etwa - und aus jungen Leuten in Freiwilligendiensten bauen.

Zu den Aufgaben von Dennis und seinen jungen Kollegen gehören die Mitarbeit im Infozentrum sowie nach einer Einarbeitungszeit die Betreuung von Besuchergruppen und naturkundliche Führungen. "Wir machen alles gerne, wir sind alle irgendwie ein bisschen öko", schmunzelt Dennis. Wer ein FÖJ absolviere, werde von anderen häufig als "Öko" geneckt.

Manch ein Lerneffekt im FÖJ stellt sich schneller ein, als den Absolventen lieb ist: "Schon nach dem ersten Arbeitstag war mir klar: Bloß nicht mehr in kurzen Hosen in der Natur arbeiten!", gibt Dennis zu. Besser könne eine lange Hose im Gelände nass oder schmutzig werden, als dass nackte Beine von Mücken oder Zecken malträtiert werden.

Und so hocken Dennis und sein Kollege, der 22-jährige Biologie-Student Niklas Banowski, der zurzeit ein Praktikum leistet, eben in langen Hosen am Messloch auf der Wiese. Die Ergebnisse ihrer Messungen an mehreren Stellen im Umfeld der Nette werden in der Biologischen Station ausgewertet und auf Schwankungen untersucht. Niklas notiert, was Dennis mit dem Zollstock gemessen hat: "80 Zentimeter." So hoch ist der Grundwasserspiegel - kein Wunder, dass die Wiese so nass ist. Pitschenass.

Quelle: RP
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