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Serie Die Netteseen - Neu Entdeckt
Wo das Wasser frisch gekämmt wird

Serie Die Netteseen - Neu Entdeckt: Wo das Wasser frisch gekämmt wird
Dieser Kamm filtert Laub und kleine Äste aus der Nette, bevor sie sich in die Breyeller Seen ergießt. FOTO: jobu
Nettetal. Obwohl sie an Landstraße und Autobahn liegen, bieten der Obere und der Untere Breyeller See tatsächlich sehr viel Ruhe. Sie werden auch Erste Seen genannt. Und die Gewässer sind längst eine Heimat für viele Tiere geworden Von Joachim Burghardt

Ratternd rütteln die Zacken eines riesigen Metallkamms im Wasser, kämmen das erste Herbstlaub und kleine Äste von den Bäumen am Ufer aus dem Flüsschen. Dann schwenkt die Kammanlage nach oben, schüttelt alles aus aufs Förderband am Brückensteg und senkt sich wieder ins Wasser. Durchkämmt und sauber fließt die Nette unter der Straße durch. Sie ergießt sich mit winzigen Wellen in den See. Und dort tut sich eine ganz andere Welt auf.

Eine Oase der Ruhe, das Seewasser scheint Maschinengeräusche und Verkehrslärm verschluckt zu haben, Stille und Idylle laden ein zu einem Spaziergang am Ufer entlang. Und dabei zeigt sich bald: Hinterm See liegt ein zweiter, am Horizont ist die Autobahn 61 zu sehen, die das Gewässer in den Oberen und Unteren Breyeller See teilt.

Landstraße und Autobahn - von der Lage her wirken sie nicht gerade attraktiv und reizvoll, Dazwischen die Breyeller Seen, die übrigens als erste aller Netteseen von der Nette durchflossen werden und deshalb auch die Ersten Seen genannt werden. Aber Verkehrslärm ist dort kaum zu hören, andere Geräusche prägen das Umfeld: Enten fliegen schnatternd auf, jetzt im Herbst überfliegen immer wieder Gänse in Keilformation mit lauten Rufen die Seen, auf dem Uferweg schnaufen zwei Jogger vorbei, ansonsten aber ist es still.

Gegenüber, am anderen Ufer, werfen Bäume ihre Schatten ins Wasser: Uralte Buchen und Eichen sind mit ein Grund, warum das Gebiet unter Naturschutz steht, beherbergen sie doch seltene Vögel und Fledermäuse. Altholzbestände sind ansonsten rar in der Region der Netteseen. Vor allem die Morgenstimmung, wenn der letzte Nebel weicht, wirkt wohltuend beruhigend, erstaunlich grün übrigens noch jetzt im Herbst das Laub der Bäume.

Wer vom Oberen Breyeller See zum Unteren wandert, muss die Autobahn unterqueren. Feucht und schummrig die Unterführung, und doch lohnt es sich, dort innezuhalten: Im Durchfluss neben dem Weg suchen hunderte Fische, junge vor allem, Schutz im flachen, strömungsarmen Wasser.

Und dann, auf der anderen Seite des Autobahndamms, verliert sich der Blick in der Weite des viel größeren Unteren Breyeller Sees. Wieder zurück von der Runde, ist nichts mehr zu hören vom Rattern des Metallkamms: Die automatische Reinigungsanlage des Netteverbandes steht still, das aus der Nette gekämmte Laub füllt einen ganzen Container.

Auf dem Wasser aber schwimmen ein paar gelbe Blätter mit der leichten Strömung in Richtung der Breyeller Seen.

Quelle: RP
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