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Nettetal
Wo Flüchtlinge sich einkleiden können

Nettetal: Wo Flüchtlinge sich einkleiden können
Sie freuen sich über die neue Kleiderkammer in Lobberich für Flüchtlinge(v.l.)_ Wilfried Niederbröcker, Hildegard Grüne, Angela Müllers und Christian Esch. FOTO: jobu
Nettetal. In Lobberich hat die neue Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe Nettetal unterm Motto "Von Hand zu Hand - Kleidung und mehr für Menschen in Not" in den Räumen des ehemaligen Elektrofachhandels Esch eröffnet. Von Joachim Burghardt

Warme Sachen sind gefragt: "Viele Flüchtlinge haben außer dünnen Klamotten nichts anzuziehen", sagt Wilfried Niederbröcker. Damit diese armen Menschen passende Kleidung für den niederrheinischen Herbst und Winter bekommen, hat der Förderverein Flüchtlingshilfe Nettetal nun in Lobberich eine neue große Kleiderkammer in den Werkstatthallen des ehemaligen Elektrofachhandels Esch eröffnet. Vorstandsmitglied Niederbröcker: "Unsere Kleiderkammer steht natürlich allen Bedürftigen offen."

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Jacke um Jacke reihen sich aneinander auf großen Kleiderständern, und Kleiderständer um Kleiderständer stehen nebeneinander. Dahinter stapelweise Pullover und Hosen in den Regalen. Papierschilder helfen bei der Orientierung: "Kinder - Children". Alles ordentlich, übersichtlich, kaum mehr etwas davon zu sehen, dass früher hier Waschmaschinen oder Staubsauger repariert wurden. Am Eingang ein kleines Foyer, darin das Schild mit dem Motto der Kleiderkammer-Initiative: "Von Hand zu Hand - Kleidung und mehr für Menschen in Not". Daneben ein kleines Büro, in dem die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe ihre Dienstpläne besprechen.

"Drei Wochen lang haben wir bis zuletzt alle Sachen hergeschafft und sortiert", erzählte Angela Müllers. Vorher stapelten sich die Kleidungsstücke im leerstehenden evangelischen Pfarrhaus Lobberich oder in Kellern und Garagen der Ehrenamtler. Denn als die Flüchtlingshilfe im August um Kleiderspenden für Flüchtlinge bat, zeigten die Nettetaler ein großes Herz: "Nach drei Nachmittagen mussten wir die Annahme von Spenden stoppen, alles war voll, überwältigend die Hilfsbereitschaft", erinnert sich Hildegard Grüne. Also musste eine Lager- und Ausgabestelle her. Als Christian Esch vom Supermarkt Esch davon hörte, bot er spontan für ein Jahr die gegenüberliegenden Werkstätten des früheren Elektrohandels seines Familienunternehmens an: "Die Räume stehen leer, und so dienen sie einem guten Zweck", meint Esch bei einem Besuch in der Kleiderkammer bescheiden. Auf über 1000 Quadratmetern kann die Flüchtlingshilfe nun gespendete Second-Hand-Ware, darunter auch Spielsachen, lagern, ausstellen, abgeben, annehmen.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Nicht weit entfernt von der neuen Kleiderkammer, an der Niedieckstraße, gibt es allerdings schon eine ähnliche Einrichtung der Caritas. "Wir haben seit über 20 Jahren unsere Kleiderkammer für bedürftige Mitbürger in Nettetal", sagt Inge Inkmann von der Caritas. Während der vergangenen Monate seien immer mehr Flüchtlinge dazu gekommen, die eine Grundausstattung an Kleidung benötigten: "Es bildeten sich lange Schlangen von wartenden Menschen." Inkmann hofft, "dass sich nun alles wieder etwas entzerrt durch die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe", so dass wieder etwas mehr Luft sei für die Nettetaler, die seit Jahren schon zur Caritas kämen. Tatsächlich fanden zur Eröffnung am Samstag schon die ersten Flüchtlinge den Weg zur neuen Initiative. "Wir werden nun in den Flüchtlingsunterkünften über unsere Kleiderkammer informieren", kündigt Müllers an. Gern steht dann das Team der rund 25 ehrenamtlichen Helfer im Wechsel parat, damit die Flüchtlinge nicht in ihren dünnen Klamotten durch den Winter müssen.

Quelle: RP
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