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Nettetal
Wohnraum und Arbeitsplätze schaffen

Nettetal: Wohnraum und Arbeitsplätze schaffen
Die Stadt Nettetal hat eine Reihe von Flüchtlingen im ehemaligen Hotel Majestic in Breyell unterbringen können. Weitere Wohnungen oder geeignete Unterkünfte werden laufend gesucht. FOTO: Busch
Nettetal. Nettetal verstärkt die Bemühungen, Flüchtlinge in die Gesellschaft einzubinden, ohne die Stadt zu überfordern. Von Ludger Peters

Als am Montagmorgen Flüchtlinge vor dem Nettetaler Rathaus gegen die schleppende Aufnahme ihrer Daten durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge protestierten, trafen sie sofort auf Gesprächspartner aus der Verwaltung. Ina Prümen-Schmitz, die Leiterin des Fachbereichs Soziales, konnte zwar auch nur darauf hinweisen, dass der Stadt auf diesem Gebiet die Hände gebunden sind. Aber die Haltung der Nettetaler Stadtverwaltung gegenüber den Flüchtlingen macht deutlich, wie ernst sie die Aufgabe nimmt.

Bürgermeister Christian Wagner beschränkt die Arbeit seines Hauses nicht darin, zugewiesenen Flüchtlingen ein Dach über den Köpfen zu besorgen. Eine eigene Arbeitsgruppe beschäftigt sich intensiv damit, die unausweichlich neuen Zuweisungen zu bewältigen. Ende Februar fallen die insgesamt mehr als 550 Plätze im Sport- und Erlebnisdorf Hinsbeck und wohl auch in der ehemaligen Hauptschule Lobberich weg. An beiden Orten gibt es eine hohe Fluktuation, weil diese Flüchtlinge sich in der "Erstaufnahme" befinden. Sie werden nach ihrer Registrierung Städten und Gemeinden zugewiesen.

Diese Zahl wird Nettetal im Laufe der nächsten Zeit aber zusätzlich bei den "Regelzuweisungen" aufnehmen müssen. Das betrifft Menschen, die dauerhaft in der Stadt bleiben sollen. Bekanntlich gibt es Pläne, ihnen eine "Residenzpflicht" aufzuerlegen: Sie wären mit dem Wohnsitz an Nettetal gebunden, können sich sonst aber frei bewegen. Diether Thelen, der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen (GWG) hat errechnet, dass in Nettetal 15 Gebäude mit jeweils zwölf Wohnungen für zugewiesene Flüchtlinge gebaut werden müssten. Die Umsetzung ist illusorisch: Es fehlen verfügbare Flächen und Investoren. Das Problem, ihnen in Ortsnähe Arbeit zu beschaffen, kommt noch hinzu.

Unter der Regie Wagners verstärkt die Stadt aber ihre Anstrengungen, einerseits die Unterbringung der Menschen zu sichern und ihnen andererseits eine Perspektive zu geben. "Wir benötigen Gebäude, die hergerichtet werden müssen und eine vernünftige Ausstattung haben. Die Zuweisung muss nach familiären, sozialen, religiösen und herkunftsbezogenen Kriterien geschultert werden", kündigte er beim Neujahrsempfang an. Untergebracht und betreut werden müssen außerdem nicht wenige minderjährige Flüchtlinge, die ohne erwachsene Begleitung gekommen sind.

Die Stabsstelle Regionale Zusammenarbeit sondiert die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und bemüht sich um die Bereiche Bildung und Ausbildung. Wagner strebt ein Zusammenspiel mit der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter an. Im Rathaus schafft der Bürgermeister neue Stellen(-anteile) für diesen Aufgabenkomplex. Eingebunden werden sollen die städtische Baugesellschaft, die GWG und die freien Träger.

Das "außergewöhnliche und lobenswerte, nachhaltige und gut selbstorganisierte Engagement" von Bürgern im gesamten Stadtgebiet für Flüchtlinge ist aus Sicht Wagners noch lange unverzichtbar. Mit Hilfe der Stadt wird eine halbe Stelle geschaffen, die die Diakonie besetzen wird, um das ehrenamtliche Engagement zu stützen.

"Wir werden in diesem Jahr weitergehende Schritte zur Integration gemeinsam mit allen Verantwortlichen auf den Weg bringen müssen", wiederholte Wagner, was er zu Beginn des Jahres erklärt hatte. Auf der Agenda stehen der Erwerb der deutschen Sprache, Schulbildung, Ausbildung und Arbeitsplätze sowie dauerhaft geeignete Wohnungen. Auf die eigentliche Zuständigkeit von Bund und Land will und kann sich der Bürgermeister nicht verlassen.

"Für die Zukunft des Gemeinwesens in Nettetal ist von entscheidender Bedeutung, dass die Neuankömmlinge nicht nur formal ankommen, sondern unsere Gesellschaftsordnung schätzen lernen und als ihre geistig-emotionale Heimat begreifen", erklärt der Bürgermeister. Neben der Arbeit von professionellen Aufgabenträgern sei das Engagement der ehrenamtlich aktiven Bürger für diese Aufgabe unverzichtbar.

Quelle: RP
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